Kampagne "Ein Netz für Bahnpendler": Das sagen Politiker - Teil 6

Bachhuber: "Kostenloses WLAN in Zügen wäre wünschenswert"

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Martin Bachhuber (61) ist seit 2008 Mitglied des Landtages für den Stimmkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.

Landkreis - Wie wichtig ist mobiles Internet im Zug an Pendlerstrecken wie der von München nach Salzburg? Wir haben Bundes- und Landtagsabgeordnete der Region nach ihrer Meinung dazu gefragt. Heute: MdL Martin Bachhuber (CSU).

Wer auf Bahnstrecken der Region im Zug unterwegs ist, fährt oft netzlos. Auf dem Handy Neuigkeiten checken, die Zeit zum Arbeiten nutzen oder in der Firma Bescheid geben, dass der Zug verspätet ist? Kaum möglich. Bahnbetreiber nervt das Problem, den Service nur unter erschwerten Bedingungen anbieten zu können. Mobilfunkanbieter halten die Netzabdeckung entlang der Bahnstrecken allerdings für gut.

Die Situation ist verworren. Doch wie wichtig ist funktionierendes WLAN im Zug heutzutage? Und was können die Politiker der Region dabei bewegen? Wir haben nachgefragt.

Heute: Der CSU-Landtagsabgeordnete Martin Bachhuber:

Herr Bachhuber, wie wichtig ist Ihnen mobiles Internet beim Zugfahren, um zum Beispiel während der Fahrt arbeiten zu können?

Bachhuber: Ich bin regelmäßig mit der Bayerischen Oberlandbahn zwischen Bad Tölz und München und mit der Werdenfelsbahn von Bichl nach München unterwegs - je nach Terminlage zwischen ein- und dreimal pro Woche. Da ich die meiste Zeit meines Arbeitstages online bin, kann ich während der Fahrzeit durchaus auf eine Internetverbindung verzichten, weil ich so die Ruhe finde, nicht digital aufgelaufene Arbeit zu sichten und zu erledigen.

Wer ist aus Ihrer Sicht für die Versorgung mit mobilem Internet in Zügen zuständig?

Bachhuber: Die Versorgung mit mobilem Internet in Zügen ist zuvorderst eine Sache im Verantwortungsbereich des jeweiligen Betreibers einer Bahnstrecke. Der kann diesen Service aber nur gewährleisten, wenn entlang der Strecke auch eine entsprechende Versorgungssicherheit gegeben ist, was wiederum in die Zuständigkeit der Netzbetreiber fällt.

Welche Einflussmöglichkeiten haben Sie als Landtagsabgeordneter und die Landesregierung generell, um für mobiles Internet in Zügen zu sorgen?

Weitere Informationen:

Bachhuber: Eine politische Einflussnahme zur Sicherstellung von mobilem Internet in Zügen ist theoretisch nur dann möglich, wenn über die Bayerische Eisenbahngesellschaft eine Strecke neu ausgeschrieben wird. Dann kann die Politik eine Versorgung der Züge mit mobilem Internet als verpflichtendes Kriterium in die Ausschreibung aufnehmen. Dies macht aber keinen Sinn, wenn dieses Kriterium mangels Netzabdeckung gar nicht erfüllt werden kann. Deshalb sind meines Erachtens hier zunächst einmal die Netzanbieter zu fragen, ob sie ihre Abdeckung im Rahmen der Kundenpflege oder der Neugewinnung von Kunden entlang von Bahnstrecken nicht verbessern möchten. Die Betreiber von Bahnstrecken sind auf diese infrastrukturellen Voraussetzungen angewiesen, um ihrerseits entsprechend reagieren zu können.

Sollten Bahn- und Netzbetreiber durch entsprechende Regelungen "gezwungen" werden, für mobiles Internet in den Zügen und entlang der Bahnstrecken zu sorgen?

Bachhuber: Bahn- und Netzbetreiber sind Unternehmen, die nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten arbeiten. Als Verfechter der freien Marktwirtschaft bin ich grundsätzlich kein Freund von politischem Zwang gegenüber Unternehmen - mit Ausnahme von umwelt- und sozialpolitischen Mindeststandards -, sondern vertrete die Auffassung, dass auch hier der Markt nach Angebot und Nachfrage sich selbst regulieren sollte. Wenn ein Anbieter auf einer bestimmten Zugstrecke das mobile Internet anbietet, ein zweiter Anbieter auf der gleichen Strecke oder Teilen davon aber nicht, dann zeigt sich sehr schnell, wen der Kunde bevorzugt. Aber wenn die Infrastruktur nicht vorhanden ist, hilft auch kein Zwang.

Sollten WLAN-Angebote in Zügen kostenlos sein? Oder ist es berechtigt, dass Bahn- und Netzbetreiber einen Obolus dafür von Fahrgästen verlangen?

Bachhuber: Kostenloses WLAN in Zügen wäre durchaus wünschenswert. Sollte ein Netzbetreiber oder ein Betreiber von Bahnstrecken dafür aber eine Gebühr verlangen, könnte das im Einzelfall durch den Mehraufwand bei der Bereitstellung der erforderlichen Infrastruktur durchaus legitim sein. Ich verweise nochmals darauf, dass sich der Markt nach Angebot und Nachfrage selbst regulieren sollte.

Stellt funktionierender Mobilfunk Ihrer Meinung nach einen Vorteil für Züge als Transportmittel dar, zum Beispiel gegenüber Flugzeugen?

Bachhuber: Diese Frage stellt sich im Kontext dieser Umfrage gar nicht, da Sie sich hier berechtigterweise auf den Pendlerverkehr auf der Schiene konzentrieren. So lange es keinen planmäßigen Flugverkehr zwischen München und Rosenheim gibt - den es im Übrigen auch nicht geben wird - ist diese Frage obsolet. Im Bereich der Fernverbindungen, wo die Deutsche Bahn ja bereits mit der Telekom für die ICE-Verbindungen kooperiert, wird dies meines Erachtens auch nur eine untergeordnete Rolle spielen. Das entscheidende Kriterium hier wird nach wie vor die Netto-Reisezeit sein. Mit anderen Worten: Wenn die Bahn schneller und billiger ist als ein Flug, dann wird man sich auch ohne mobiles Internet im Zug weiter für die Bahn entscheiden, weil man ja auch im Flugzeug offline ist.

Interview: Katja Schlenker

Kampagne "Ein Netz für Bahnpendler"

Wer mit dem Zug zwischen München und Salzburg unterwegs ist, braucht Geduld. Mobiles Internet gibt es entlang der Strecke nur selten. Selbst mit Telefonieren ist es schwierig.

Wir, die OVB24 GmbH mit ihren Nachrichtenportalen rosenheim24.de, chiemgau24.de, innsalzach24.de, BGLand24.de, wasserburg24.de und mangfall24.de, haben deshalb eine Kampagne gestartet. Wir wollen mit Unterstützung unserer Leser und gemeinsam mit Bahnbetreibern sowie Mobilfunkanbietern eine Lösung für die aktuelle Offline-Situation finden.

Aus diesem Grund haben wir auch die Facebook-Seite "Ein Netz für Bahnpendler" ins Leben gerufen. Auf dieser Facebook-Seite posten wir alle Artikel sowie aktuelle Entwicklungen zum Thema. Alle betroffenen Bahnpendler sind herzlich eingeladen, die Facebook-Seite zu liken!

Quelle: rosenheim24.de

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