Fünf Antworten zur aktuellen Hysterie

Grusel-Clowns in der Region: Das müssen Sie jetzt wissen

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Landkreis - Nachdem die Grusel-Clowns-Hysterie aus Amerika nun auch bei uns angekommen ist, diskutiert ganz Deutschland über das Aufkommen der unheimlichen Gestalten. 

1. Wer sind die Grusel-Clowns?

Menschen verkleiden sich mit schaurigen Fratzen, lauern Passanten auf, springen unvermittelt aus Gebüschen und dunklen Ecken und erschrecken und verfolgen ihre Mitbürger - teils mit gefährlichen Folgen: Die Grusel-Clowns sind keineswegs lustig. Auch wenn diejenigen, die sich hinter der Clowns-Maske verbergen, die Attacken als „Spaß“ abfertigen.

„Grusel-Clowns sind keine Clowns. Es sind wirre Menschen, die ihre destruktiven Neigungen auf diese armselige Art ausleben wollen“, heißt es in einer Mitteilung des Dachverbands Clowns in Medizin und Pflege Deutschland. „Sie sind weder komisch noch beeindruckend, sondern ein grotesker Abklatsch einer zutiefst menschlichen, positiven Freude an der Anarchie.“ 

Diejenigen hinter den Masken sind dem psychologischen Psychotherapeuten Uwe Wetter zufolge häufig Menschen, die Macht ausüben und zugleich anonym bleiben wollen. Sie liebten solche „Horrorszenarien“. Die große Medienresonanz sei dabei „doppelt reizvoll“. „Das kann jeder sein - vom jugendlichen Nachahmer bis zum Psychopathen“, sagt Wetter. Dadurch, dass kurz vor Halloween die Masken überall zu erwerben sind, könne jeder auf den Zug aufspringen. 

2. Welche Fälle sind in der Region bekannt? 

Eine Umfrage der dpa bei Polizeibehörden und Landeskriminalämtern im Bundesgebiet ergab mindestens 370 Zwischenfälle mit Grusel-Clowns in ganz Deutschland. 

Die Vorfälle, die seit der vergangenen Woche auch in der Region rund um Rosenheim gehäuft auftreten, reichen von bloßen Sichtungen vermeintlicher Clowns über Erschrecken bis hin zu versuchten und tatsächlichen Angriffen mit Messern oder anderen Waffen. 

Der jüngste Vorfall ereignete sich am Mittwoch, 26. Oktober, in Burghausen. Ein Horror-Clown attackierte einen 11-Jährigen mit einem Baseballschläger auf dem Weg von der Schule nach Hause. 

Am Mittwochnachmittag, 24. Oktober, ist ein Horror-Clown mit einer Axt auf einen 10-jährigen Jungen in München losgegangen, als dieser mit dem Fahrrad vom Fußballtraining auf dem Weg nach Hause war. 

Vergangenes Wochenende gab es einen Clown-Übergriff in Freilassing. Eine Gruppe Kinder wurde am späten Samstagnachmittag beim Rollerbladen erschreckt. Die Grusel-Clowns sowie zwei unmaskierte Begleiter sollen selber erst circa 12 bis 13 Jahre alt gewesen sein.  

Auch in Österreich sind Fälle von Clown-Übergriffen bekannt geworden. Vergangenes Wochenende wurden in Tirol drei Menschen bei Angriffen von Horror-Clowns mit Baseballschlägern verletzt

Am 18. Oktober hat ein Grusel-Clown eine Gruppe Jugendliche mit einem Baseballschläger in Angst und Schrecken versetzt. Auf der Flucht vor dem Täter verletzte sich eine 14-Jährige an der Hand. 

3. Wie gefährlich sind die Clowns wirklich? 

Experten warnen vor seelischen und körperlichen Folgen, die durch die Grusel-Clowns ausgelöst werden können. Sie versetzen Menschen in Angst und Schrecken. Durch den Schock könne es durchaus zu schweren gesundheitlichen Folgen kommen. 

„Die Kombination einer ansonsten eher positiv besetzen Figur wie dem Clown mit einer Schreckensfigur ist besonders perfide“, sagt der Diplompsychologe Uwe Wetter. Gerade Kindern und von Natur aus besonders ängstlichen Menschen könnten die Gruselgestalten erhebliche Probleme machen. Kleine Kinder könnten Ängste vor der Dunkelheit oder dem Alleinsein entwickeln. 

4. Was sagt die Polizei?

Lesen Sie außerdem: Diese Halloween-Streiche sind strafbar. 

Das bloße Erschrecken von Menschen ist keine Straftat. Wenn ein Mensch sich aber vor Schreck oder auf der Flucht vor dem Clown verletzt, macht dieser sich womöglich strafbar - wegen Bedrohung, Nötigung, Körperverletzung oder gar gefährlicher Körperverletzung. 

Manche der Angegriffenen könnten wiederum zu Reaktionen provoziert werden, die nicht immer vom Notwehrrecht gedeckt seien. Nicht zuletzt können auf den „Grusel-Clown“ Kosten für den ausgelösten Polizeieinsatz zukommen.

Die Polizei rät bei einer Begegnung mit „Horror-Clowns“, ruhig zu bleiben und den Angreifer nicht zu provozieren. Gegebenenfalls sollte laut um Hilfe gerufen werden und sofort der Polizeinotruf 110 alarmiert werden. Außerdem warnt sie vor unnötiger Panikmache. Nicht wenige vermeintliche Sichtungen seien bewusste Falschmeldungen.

5. Was hat es mit Aufrufen zur Clowns-Jagd in den sozialen Netzwerken auf sich? 

Die Polizei rät in jedem Fall davon ab, Selbstjustiz zu üben und den Clown zu überwältigen. Man könne als Privatperson nicht einfach losziehen, um Scherzbolde im Clownskostüm das Handwerk zu legen. 

„Spotted“-Facebook-Gruppen oder die beliebte „Jodel“-App rufen Menschen dazu auf, ihrer Region von Clowns zu „säubern“. Dabei wird auch teilweise zur Gewaltanwendung aufgerufen. 

„Loszugehen, um Clowns zu fangen, ist eine schlechte Idee", mahnt Stefan Sonntag von der Polizei Rosenheim. „Das Gewaltmonopol liegt immer noch bei der Polizei.“  

mb

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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