Die DB zum Brenner-Nordzulauf

Der Ist-Zustand und das weitere Vorgehen

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Torsten Gruber, DB-Arbeitsgebietsleiter für den Brenner-Nordzulauf (re.) und Unternehmenssprecher Michael-Ernst Schmidt über den aktuellen Stand der Planungen zum Brenner-Nordzulauf

Landkreis Rosenheim - Kein Infrastruktur-Projekt wird derzeit so heiß diskutiert, wie der geplante Nordzulauf zum Brenner-Basistunnel. Wie der aktuelle Stand der Planungen genau aussieht:

Kommt der sogenannte Brenner-Nordzulauf, und wenn ja, wie genau können dann Korridore durch das Inntal, den Landkreis Rosenheim und die angrenzenden Gebiete aussehen? Dieser Frage widmen sich derzeit Vertreter der Deutschen Bahn AG und der heimischen Gemeinden, zusammen mit Beteiligten aus den Bereichen Wirtschaft und der Bürgerinitiativen. Wir haben uns mit Torsten Gruber, DB-Arbeitsgebietsleiter für den Brenner-Nordzulauf und Unternehmenssprecher Michael-Ernst Schmidt über den aktuellen Stand der Planungen unterhalten.

Neuer Prozess gleich allgemeinverträglichere Ergebnisse?

Ganz besonderen Wert legen Schmidt und Gruber gleich zu Beginn auf den Prozess der Öffentlichkeitsbeteiligung an sich: "Es handelt sich hier um einen offenen, transparenten Planungsprozess. Dieses Vorgehen ist vollkommen neu für uns", so die beiden DB-Vertreter im Gespräch mit rosenheim24.de.

Der gemeinsame und der erweiterte Planungsraum wurde auf einer Karte visuell dargestellt

Was heißt "transparenter Planungsprozess"? Die Gemeinden im Inntal wurden in sogenannten "Gemeindeforen" seit einem Jahr mit einbezogen, erklären die Bahnvertreter. "Diesen Schritt haben wir bereits erfolgreich hinter uns gebracht", so Gruber. Es gibt vier Foren mit je 20-25 Personen. Pro Forum wurden etwa vier Gemeinden zusammengefasst. Daran beteiligt sind die jeweiligen Bürgermeister, ein Vertreter der Landwirtschaft, ein Vertreter der Wirtschaft und ein Vertreter einer Bürgerinitiative. Einen weiteren freien Platz können die Bürgermeister selbstständig besetzen. 

Für den sogenannten "erweiterten Planungsbereich", der die Kommunen um Rosenheim herum umfasst, wird es einen Dialogkreis geben. Hier sind die Bürgermeister der Städte und Gemeinden vertreten. Während der Korridornetzanalyse erfolgt die Beteiligung über diesen Analogkreis.

"Aktuell machen wir den Kommunen des erweiterten Planungsbereiches das Angebot, dass sie bei den Planungen mitmachen können", so Gruber. "Für diese Städte und Gemeinden war es bisher reine Information."

Wo stehen wir aktuell und wo geht es hin?

Gruber erklärt, dass man sich aktuell im Stadium der Korridoruntersuchung befinde. Hier werde geschaut, welche Korridore im Planungsgebiet überhaupt möglich seien und welche Korridore sich unter Anwendung einer Wirkungsanalyse (Korridornetzanalyse) zur Weiterverfolgung eignen würde.

Als nächster Schritt kommt dann die Trassenauswahl. Diese ist für den Zeitraum 2017-2019 geplant. Trassenauswahl heißt, herauszufinden, welche Trassen innerhalb der Korridore überhaupt möglich sind. Welche Trasse ist unter Anwendung eines Kriterienkatalogs am besten geeignet und raumverträglich (Raumordnungsverfahren)? "Für den Kriterienkatalog gibt es einen Gewichtungsbogen, bei dem jede Gemeinde die Kriterien unterschiedlich gewichten konnte. Diese Gewichtungsbögen sind verschlossen und werden erst ganz am Ende der Trassenauswahl hinzugezogen", erklärt Gruber. Das habe den Hintergrund, dass der Bewerter neutral arbeiten könne.

2019 geht es dann weiter in die Planung. Dabei wird eine vertiefte Planung der ausgewählten und am besten verträglichen Trasse vorgenommen.

Für die beiden letzten Projektphasen können noch keine genauen Zeitangaben gemacht werden. Ab 202X wird die geplante Trasse zu den rechtlichen Verfahren eingereicht werden. Die Bauausführung sei dann für 203X vorgesehen.

Aufbau der Korridoruntersuchung

Die Korridoruntersuchung soll im Herbst 2017 abgeschlossen sein. Sie gliedert sich wiederum in vier Phasen: Grundlagen, Korridorentwicklung, Fachliche Beurteilung und Korridorempfehlung. 

Grundlagen

Die Grundlagenermittlung ist bereits abgeschlossen. "Es wurden sogenannte Raumwiderstandskarten erstellt. D.h. wo befinden sich z.B. Naturschutzgebiete, wie ist die Untergrundlage, wie sind die Steigungen?", so Gruber. "Wir haben alle technisch möglichen Korridore auf einer Karte dargestellt und sind damit nun in den Gemeinden des erweiterten Planungsgebietes unterwegs. Der Status jetzt: Es ist ein buntes Geflecht an Korridoren. In dieser Karte sind die Meinungen der Gemeinden noch nicht drin. Wir sind mit den Kommunen aber live am Planungsprozess dran und gehen vom Groben ins Feine." Die gesammelten Grundlagen werden durch die beteiligten Gemeinden ergänzt. Gemeinsam soll festgelegt werden, welche Grundlagen berücksichtigt werden.

Korridorentwicklung

Derzeit befinde man sich in der Korridorentwicklung. Diese soll Mitte 2017 abgeschlossen werden. Mögliche Verbindungen sollen zwischen Start- und Endpunkt festgelegt werden. Man macht sich auf die Suche nach technisch machbaren Korridoren, bei denen der Anteil von betroffenen hohen Raumwiderstandsklassen möglichst gering ist. Im Dialogkreis werden die Korridore diskutiert, ergänzt und neue Vorschläge der Gemeinden zu den Korridoren aufgenommen.

Fachliche Beurteilung

Mitte 2017 soll es dann zur fachlichen Beurteilung kommen. Der Streckenplaner führt anhand der Beurteilungskriterien eine fachliche Beurteilung aller Korridore mittels Wirkungsanalyse durch. Die Ergebnisse der fachlichen Beurteilung werden dann vorgestellt und besprochen. Diese fachliche Beurteilung muss nach Aussage von Gruber nachvollzogen werden können. Deshalb werde sie in den Dialogkreisen vorgestellt und diskutiert.

Korridorempfehlung

Die letzte Phase der Korridoruntersuchung ist die Korridorempfehlung. Im Dialogkreis wird auf Basis der fachlichen Empfehlung des Streckenplaners vereinbart, welche Korridore in einem anschließenden Trassenauswahlverfahren weiter verfolgt werden. Dies soll im Herbst 2017 erfolgen.

Die Kosten

Auf die Frage zu den Kosten konnten die beiden DB-Vertreter noch eine Aussagen machen. "Die Kosten der Trassen spielen für die Auswahl der Korridore keine Rolle. Die Korridoruntersuchungen werden vom Bund finanziert. Die Kosten dafür befinden sich im unteren zweistelligen Millionen Bereich."

Quelle: rosenheim24.de

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Jennifer Bretz

Jennifer Bretz

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