18 tote Vögel am Chiemsee

Landratsamt erlässt Verfügung zur Aufstallung

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Am Bodensee wurde das tödliche H5N8-Virus bereits nachgewiesen.

Landkreis - Nachdem acht Fälle der hochansteckenden H5N8-Variante der Vogelgrippe bei Wildvögeln in Bayern bestätigt wurden, ist die Angst groß. Rund um den Chiemsee wurden am Dienstag 18 tote Wasservögel gefunden. Das Landratsamt Rosenheim ordnete nun die Aufstallung an:

UPDATE, 17.20 Uhr - LRA ordnet Aufstallung an

Alle Tierhalter, die im Landkreis Rosenheim Geflügel in einem Bereich von bis zu drei Kilometer vom Chiemsee entfernt halten, haben ihr Geflügel aufzustallen. Das Landratsamt Rosenheim hat am Dienstagnachmittag eine entsprechende Allgemeinverfügung erlassen.

Aufstallung bedeutet, dass die Tiere in geschlossenen Ställen oder unter einem Dach gehalten werden. Zudem darf ein seitliches Eindringen von Wildvögeln nicht möglich sein. Die Eingänge zu den Geflügelhaltungen müssen mit geeigneten Einrichtungen zur Schuhdesinfektion versehen sein. Vögel zur Aufstockung des Wildvogelbestands dürfen nicht freigelassen werden.

Alle Geflügelhalter im Landkreis Rosenheim, die ihrer Pflicht zur Meldung des gehaltenen Geflügels bisher noch nicht nachgekommen sind, haben die Haltung von Geflügel unverzüglich beim Veterinäramt anzuzeigen.

Die Allgemeinverfügung wurde erlassen, um ein unnötiges Risiko für das Hausgeflügel zu vermeiden. Wie berichtet, wurden rund um den Chiemsee 18 verendete Reiherenten aufgefunden. Da der Subtyp H5 bereits nachgewiesen ist, besteht der dringende Verdacht, dass es sich um die Geflügelpest handelt. Das Friedrich-Löffler-Institut soll diese offene Frage bis spätestens Donnerstag klären.

Für den Menschen besteht keine Gefahr. Geflügel und Eier können weiterhin ohne Einschränkung gekauft und verzehrt werden. Diese Lebensmittel sollen wie sonst auch stets gut erhitzt und durchgegart werden.

Update 12.15 Uhr: Pressemitteilung der Landratsämter

In 18 am Chiemsee verendet aufgefundenen Reiherenten wurde Aviäres Influenza Genom vom Subtyp H5 nachgewiesen. Das heißt, es besteht ein dringender Verdacht, dass die Geflügelpest am Chiemsee angekommen ist. Zur weiteren Klärung wurden die Proben an das Friedrich-Löffler-Institut weitergeleitet.

Eine Bestätigung, ob es sich tatsächlich um das H5N8-Virus handelt, wird bis Donnerstag erwartet. Zehn Vögel wurden im Landkreis Traunstein aufgefunden, acht weitere im Landkreis Rosenheim. Die Veterinärämter der beiden Landkreise wollen noch am Dienstag die weitere Vorgehensweise abstimmen.

Geflügelhaltern in einem Abstand von drei Kilometern um den Chiemsee wird dringend empfohlen, ihr Hausgeflügel im Stall zu halten. Wichtig ist, dass kein Kot von überfliegenden Wildvögeln in den Bereich des Hausgeflügels gelangt. Auch sollen Wild- und Hausgeflügel keine gemeinsamen Tränken und Futterplätze nutzen.

Die Veterinärämter Traunstein und Rosenheim weisen ausdrücklich darauf hin, dass für Menschen keinerlei Gefahr besteht. Auch können weiterhin Geflügel und Eier ohne Einschränkung gekauft und verzehrt werden. Diese Lebensmittel sollten wie sonst auch stets gut erhitzt und durchgegart werden.

Update 10.40 Uhr: Traunsteiner Veterinäramt: "Kein Grund zur Panik!"

Rund um den Chiemsee wurden insgesamt zehn tote Wasservögel, u.a. auch Reiherenten gefunden. Das bestätigte Pressesprecher Roman Schneider vom Traunsteiner Landratsamt auf Nachfrage von chiemgau24.de. Die toten Wasservögel sind vor allem am nördlichen Chiemsee-Ufer, aber auch in Übersee gefunden worden. Ein Schnelltest des Veterinäramts habe ergeben, dass die toten Vögel ein Influenza-Virus in sich tragen, so Schneider weiter. Das sei aber "noch kein Grund zur Panik".

Proben der toten Vögel werden nun an das Friedrich-Löffler-Institut geschickt. Dort werde getestet, ob die Vögel tatsächlich das H5N8-Virus tragen. Mit einem Ergebnis dieser Untersuchungen rechnet Schneider im Laufe des Mittwochs.

Sollte tatsächlich das Vogelgrippe-Virus bei den toten Vögeln vom Chiemsee nachgewiesen werden, wäre es laut Roman Schneider noch immer kein Grund zur Panikmache. Dann würde rund um den Chiemsee eine Sperrzone von drei Kilometern eingerichtet werden, d.h. Stallpflicht für alle Geflügelbetriebe in dieser Zone. Dadurch solle eine Ansteckungsgefahr bereits deutlich reduziert werden können. Da allerdings keine großen Geflügelbetriebe in dieser Zone angesiedelt seien, hätte die Sperrzone wenig Auswirkungen auf heimische Betriebe.

Für den Menschen sei das Virus absolut ungefährlich, betonte Schneider mit Nachdruck. "Es ist überhaupt kein Problem, am Chiemsee spazieren zu gehen. Nur den Hund sollte man anleinen." Die Behörden baten die Bürger in ihren Landkreisen, tote Tiere umgehend beim Veterinäramt zu melden und die Kadaver nicht zu berühren. Auch die Weihnachtsgans könne bedenkenlos gekauft werden, man sollte sie jedoch gut durchkochen. "Das ist aber immer eine Empfehlung bei Geflügel", so der Pressesprecher.

Das Traunsteiner Veterinäramt tue alles, um das heimische Haus- und Nutztier zu schützen. Schneider verwies in diesem Zusammenhang nochmals an die Tipps und Empfehlungen, die das Veterinäramt am Montag veröffentlicht hat.

Update 10.19 Uhr:

Nachdem acht Fällen der hochansteckenden H5N8-Variante der Vogelgrippe bei Wildvögeln in Bayern bestätigt wurden, ist die Angst groß. Wie B5 aktuell soeben in den Nachrichten verkündet hat, wurden sowohl tote Reiherenten in Traunstein und Rosenheim gefunden. Die Enten sollen laut B5 aktuell einen Virus des Subtyps H5 tragen, inwieweit es sich allerdings um den Vogelgrippevirus H5N8 handelt, müsse noch untersucht werden.

Vorbericht:

Bei allen acht Vogelgrippe-Fällen in Bayern ist inzwischen die hochansteckende Variante vom Typ H5N8 nachgewiesen worden. Das sagte am Montag ein Sprecher des Landesamtes für Gesundheit in Erlangen.

Die Landratsämter in Lindau und Starnberg baten nach dem Auftreten der Geflügelpest in ihren Landkreisen die Bürger, tote Tiere umgehend beim Veterinäramt zu melden und diese nicht zu berühren - auch nicht mit dem Schuh. Zudem sollten Hunde und Katzen in Ufernähe von Bodensee und Ammersee möglichst nicht frei laufen gelassen werden.

In den bislang betroffenen beiden Landkreisen wird zur Vorsorge die Stallhaltung empfohlen. In sogenannten Schutzzonen rund um die Fundorte der toten Vögel gilt sogar Stallpflicht. Alle acht kranken Tiere in Bayern waren Wildvögel. Auch in mehreren anderen Bundesländern sind bereits Vogelgrippe-Fälle gemeldet worden - in Schleswig-Holstein war die erste Massentierhaltung betroffen.

Infoschreiben des Traunsteiner Veterinäramt

Zwar gibt es hier noch keine Fälle des aggressiven Virus, das Veterinäramt Traunstein hat trotzdem erste präventive Maßnahmen ergriffen und am Montag ein Infoschreiben herausgegeben. Bei allen untersuchten Vögeln aus dem Landkreis Traunstein und den unmittelbar benachbarten Landkreisen wurde das Virus laut Traunsteiner Landratsamt bislang aber noch nicht nachgewiesen. Der Chiemsee stellt aber einen gewissen Risikobereich dar, da viele Wasservögel auch hier Station auf dem Weg in den Süden machen.

Empfehlung des Landratsamtes Rosenheim

Das Rosenheimer Landratsamt gab bereits am Freitag eine Empfehlung zur Aufstallung für Geflügelhalter heraus. Insbesondere sollte sichergestellt werden, dass Wildvögel keinen Zugang zu Futter- und Tränkeeinrichtungen von Hausgeflügel bekommen, da hierüber eine Übertragung der Krankheit stattfinden könnte. Für Menschen ist der bisher festgestellte Typnicht gefährlich.

Kein "unnötiger Aktionismus" in Altötting und Berchtesgadener Land

"Solange es noch keine konkreten Fälle gibt, sollte man nicht in unnötigen Aktionismus verfallen", sagt Andreas Bratzdrum, Pressesprecher des Landratsamtes Berchtesgadener Land. Dort beobachte man die Situation und warte auf entsprechende Anweisungen vom Ministerium. Gleiches gelte für den Landkreis Altötting, wie Pressesprecher Markus Huber gegenüber der PNP mitteilte.

Kommt jetzt die bundesweite Stallpflicht?

An diesem Dienstag soll eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe über mögliche einheitliche Maßnahmen für Risikogebiete beraten, wie es im Bundesagrarministerium hieß. Ressortchef Christian Schmidt (CSU) hat bereits einen zentralen Krisenstab eingerichtet.

Die Länder sollen Stallpflicht in Gebieten anordnen, in denen die Wahrscheinlichkeit eines Virus-Eintrages hoch ist. Das Geschehen werde weiter intensiv beobachtet, hieß es. Schmidt hatte auch mit EU-Amtskollegen über die Vogelgrippe gesprochen.

Vogelgrippe-Erreger kommt vermutlich aus Zentralrussland

Der in mehreren europäischen Ländern nachgewiesene H5N8-Erreger ist vermutlich von Zugvögeln aus Russland nach Mitteleuropa getragen worden.

Wie der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Thomas Mettenleiter, sagte, ist das Virus im Sommer 2016 bei Wildvögeln in Zentralrussland, in Sibirien und der Mongolei nachgewiesen worden. Da der aktuell in Mitteleuropa auftretende Erreger dem im Sommer gefundenen "sehr ähnele", könne man davon ausgehen, dass er von dort über Wildvögel nach Westen gelangt sei.

mh mit Material der dpa/Pressemitteilung Landratsamt Traunstein und Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

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