Altes Haus - neue Kunst

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Hat ihre Staffel bereits aufgebaut: Malerin Isabell Kretschmer.

Wasserburg - Bereits im Mittelalter arbeiteten Handwerker im Ferstlhaus, jetzt wird dieser Bereich des Brucktorensembles mit einer ähnlichen Nutzung mit neuem Leben erfüllt.

Neun Künstlerinnen und Künstler sind eingezogen und eröffnen am Freitag, 30. April, den gemeinsam geführten Atelierladen.

Für Isabell Kretschmer aus Griesstätt hat sich ein Lebenstraum erfüllt: Die Malerin hat ihr Atelier von daheim ins Ferstlhaus nach Wasserburg verlegt. "Das Flair dieser Stadt hat mich schon immer inspiriert, jetzt erhalte ich die Chance, in den historischen Gemäuern zu arbeiten", schwärmt die Künstlerin. Neue Inspirationen für ihre Arbeit erhofft sich auch Edith Horender, die mit dem jahrtausendealten Material Leder neue Raumkunst herstellt.

Damit spannt sich der Bogen von der Historie zur Moderne, der auch der Stadt bei der Entwicklung des Nutzungskonzeptes für das Brucktor am Herzen lag. "Wir wollten mit der aufwändigen Restaurierung kein steriles Ausstellungsstück schaffen, sondern ein Denkmal, das lebt", erläutert Bürgermeister Michael Kölbl. Doch die historischen Gemäuer einer modernen Funktion zuzuführen, erwies sich als echte Herausforderung, erinnert er sich. Für moderne Handwerksbetriebe eignen sich die kleinräumigen Strukturen am Tor zur Stadt nicht. Zwar teilten sich im 16. Jahrhundert ein Schneider, ein Schlosser und ein Fragner (Krämer) die Flächen des Ferstlhauses, doch den Anforderungen eines modernen Betriebes von heute wird es nicht mehr gerecht.

Das im Stadtrat entwickelte Konzept für Künstler und Kunsthandwerker ging jedoch auf, freute sich Robert Mayerhofer aus der Stadtkämmerei. Für die neun Atelierplätze gingen nach seiner Aussage sogar 18 Bewerbungen ein. Dabei bieten die Gemäuer des Denkmals auf den ersten Blick keine optimalen Arbeitsbedingungen für filigrane künstlerische Arbeiten: Die auf drei Etagen verteilten Ateliers sind zum Teil verwinkelt und aufgrund der kleinen Fensteröffnungen, die nicht verändert werden durften, nicht alle optimal belichtet. "Dieses Problem haben wir durch die technische Ausstattung gelöst", erläutert der für die städtischen Immoblien zuständige Mayerhofer.

Die kleinen Abstriche am Komfort werden durch eine einmalige Atmosphäre wettgemacht. Details wie die im ersten Stock freigelegte Wasserburger Decke, Original-Fenster und Türen aus der Zeit des Barocks bis ins 19. Jahrhundert, uralter Dielenboden, Salettl mit einmaligem Blick auf den Inn, winzige Balkone und Waldmalereien schaffen eine besondere Stimmung. Die Restauratoren haben 104 Farbschichten freigelegt, die in einem Atelier zu besichtigen sind, und sogar ein altes Schwalbennest über einer Tür hängen lassen. Auf jeder der drei Etagen befinden sich drei Ateliers und ein Gruppenraum. Die Stadt hat jede Etage mit einer mobilen Teeküche ausgestattet und die Einrichtung des Atelierladens bereitgestellt. Ihn betreiben die Künstler selbst - eine organisatorische Herausforderung, die zusammenschweißt, wie Sprecherin Christin Jahn betont. "Wir lernen voneinander, stärken uns gegenseitig - eine wirkliche Bereicherung für das eigene Schaffen", findet sie.

Der Atelierladen soll nicht nur einen Raum darstellen, in dem die Künstler ihre Werke ausstellen und verkaufen. Hier sind nach Angaben von Christin Jahn auch kulturelle Begegnungen geplant - bei Lesungen, Vernissagen, Mal- und Töpferkursen. Im Vertrag mit der Stadt sind nach Informationen des Bürgermeisters auch die Öffnungszeiten des Atelierladens festgelegt. "Wir möchten auf diese Weise auch garantieren, dass das Gebäude öffentlich zugänglich ist", so Kölbl. Durch die Vermietung soll sich das Objekt nach seinen Informationen tragen. Denn nach der aufwändigen Restaurierung mit öffentlichen Fördermitteln möchte die Stadt, dass das Ferstlhaus auf eigenen Beinen steht und die laufenden Unterhaltskosten nicht die Stadtkasse belasten.

Bei der Auswahl der Mieter, sprich Künstler, hat die Stadt nach Informationen des Bürgermeisters dehalb auf eine bunte Mischung geachtet: Bert Salden widmet sich der Pastellmalerei, zeichnet mit Blei- und Buntstift. Christin Jahn hat ihren Webstuhl aufgebaut. Außerdem filzt sie. Angela Bassano leitet die Wasserburger Malschule. Sylvia Weikert ist für ihre großen Keramikvögel bekannt. Marina Schönemann widmet sich der modernen Malerei und erstellt Installationen. Petra und Hubert Leitner kreieren Papier- und Bleisatzarbeiten und Fotoarbeiten. Edith Horender designt mit Leder. Und Doris Wolf-Reich hat im Brucktor ihre Restaurationswerkstatt aufgebaut. Sie ist die begleitende Restauratorin des Ensembles. "Wenn die Restauratorin einzieht, haben wir wohl alles richtig gemacht", zieht der Bürgermeister schmunzelnd Bilanz.

duc/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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