Im Zweifel für den Angeklagten

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Wasserburg - Auf der Facebook-Seite einer Wasserburger Diskothek entdeckten drei Opfer einer Schlägerei den vermeintlichen Täter wieder. Doch der behauptete, zum Tatzeitpunkt zu Hause gewesen zu sein.

Welche Folgen die freizügige Veröffentlichung von Veranstaltungsfotos im Internet haben kann, erfuhr kürzlich ein 24-jähriger Krankenpflegeschüler aus Wasserburg. Er musste sich vor dem Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung in drei tateinheitlichen Fällen verantworten. Laut Anklageschrift soll er am 22. April gegen 4.30 Uhr mit zwei Begleitern auf der Alkorstraße unterwegs gewesen sein und mit einer 21-jährigen Trostbergerin, deren 24 Jahre alten Freund und ihrem 18-jährigen Bruder aneinandergeraten sein. Zuerst soll der Angeschuldigte die beiden Männer als "Hurensohn" und "Mutterficker" und die Frau als "Schlampe" bezeichnet haben und dann mit seinen Begleitern bewusst auf die Geschädigten losgegangen sein. Der 24-Jährige bekam einen Faustschlag auf den Hinterkopf und ging zu Boden. Dabei erlitt er eine Schädelprellung, Hämatome und Kratzspuren. Der 18-Jährige bekam einen Schlag mitten ins Gesicht, er erlitt eine Gehirnerschütterung und eine Schädelprellung. Als die junge Frau dazwischen gehen wollte, soll sie vom Angeschuldigten eine Ohrfeige bekommen haben und ebenfalls zu Boden gegangen sein. Dabei zog sie sich eine Fraktur des linken Fußes zu.

Auf einem Foto der Diskothek Universum erkannte sie später den Angeschuldigten als einen der Schläger wieder und auch einen gewissen "Tobi" wollte sie auf Facebook wiedererkannt haben. Doch damit lag sie gewaltig daneben. Bei dem vermeintlichen Helfer handelte es sich um eine ganz andere Person.

Auch bei der Identifizierung des Täters müsse ein Irrtum vorliegen, behauptete der Angeschuldigte, trotz des Apells des Staatsanwalts, der ihm vor Eröffnung des Beweisverfahrens eindringlich riet, in sich zu gehen. Betrachte man die Vorstrafen, sehe es bei einer Verurteilung nicht gut aus. Doch der Wasserburger blieb bei seiner Version und beteuerte vehement seine Unschuld. Früher sei er kein Kind von Traurigkeit gewesen, doch dank seiner Freundin und auch seiner Ausbildung habe er sein Leben radikal geändert. Zum Tatzeitpunkt sei er bereits zuhause gewesen. Etwa um drei Uhr habe er seine Freundin angerufen und sich abholen lassen. Den Anruf konnte er allerdings nicht mehr belegen, da er mittlerweile ein neues Handy hat.

Die 21-jährige Freundin bestätigte diese Angaben glaubhaft und meinte sich daran zu erinnern, dass sie so gegen halb vier wieder im Bett gelegen habe. Unbeteiligte Zeugen gebe es nicht, so der ermittelnde Polizeibeamte aus Trostberg. Dort hatte die 21-Jährige einen Tag nach dem Vorfall Anzeige erstattet, zumal der "Tobi" im Facebook nicht mit dem Foto übereingestimmt habe und auch schon um 3 Uhr zu Hause gewesen sei. Die Geschädigte war sich jedoch sicher, sowohl bei ihrem Helfer als auch beim Angeschuldigten den Richtigen auf den Bildern erkannt zu haben. Vor Gericht betonten alle drei Geschädigten, dass es sich bei dem Angeschuldigten um den Täter handle, "wenn er der ist, der auf dem Foto ist".

Am Ende blieben viele Zweifel. Aus der Sicht des Staatsanwalts sprachen viele Anhaltspunkte dafür, jedoch war für den Angeklagten die Tat nicht mit der notwendigen Sicherheit nachzuweisen. Das Gericht war derselben Ansicht und sprach den Angeklagten frei. Die Zeugin habe aus allen Bildern das Foto herausgesucht und den beiden anderen Zeugen gezeigt. Damit sei deren Auswahl eingeschränkt gewesen. Eine Verwechslung sei hierbei nicht auszuschließen, auch sei sich die 21-Jährige bei dem Zeugen "Tobi" ganz sicher gewesen, habe sich aber erwiesener Maßen geirrt.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

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