Beim Brauchtum hört die Gaudi auf

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Die Rechtmehringer "Burschen" passen im Moment gut auf den Haager Maibaum auf und haben schon für die entsprechende Bemalung gesorgt.

Haag/Hohenlinden/Rechtmehring - Beim Brauchtum geht es ganz genau, umso mehr, wenn es sich um so eine ernste Angelegenheit wie den Maibaum handelt.

Einen bösen Verstoß dagegen werfen die Burschen aus Hohenlinden den Haagern vor, und zwar ausgerechnet dem Vorsitzenden des Vereins "Kultur und Brauchtum".

Sicher bewacht liegt der Haager Maibaum derzeit auf Rechtmehringer Hoheitsgebiet. So wie es sich gehört, sind die Diebe, die Rechtmehringer Burschen, gerade dabei, den Baum herzurichten. Zum 1. Mai werden sie ihn nach Haag bringen und dann gemeinsam mit den Haagern aufstellen.

Das gibt es natürlich nicht umsonst. Hermann Dumbs, Haager Bürgermeister und Vorsitzender des Vereins "Brauchtum und Kultur im Haager Land", der die Maibaum-Gaudi in Haag offiziell organisiert, musste kräftig verhandeln, um die Rechtmehringer Diebe ins Boot zu holen. Denn - auch das ist kein Geheimnis: Die sogenannten Maibaumdiebe sind häufig die wichtigsten Helfer der Organisatoren. Sie sind es, die den Baum gegen weitere "bösartige" Diebe bewachen, sie haben die Arbeit mit dem Herrichten und ohne sie würde der Baum auch nicht in die Senkrechte kommen. Von Bier und Brotzeit für rund 1500 Euro im Gegenzug ist hinter vorgehaltener Hand die Rede, kein geringer Batzen für einen kleinen Verein.

An dieser Stelle kommen nun die Hohenlindener Burschen ins Spiel. Die hatten den Haager Maibaum nämlich zuerst gestohlen. Und sie wollten auch am 1. Mai beim Aufstellen helfen - gegen entsprechende Stärkung natürlich. Doch nun wurden sie von Hermann Dumbs quasi ausgeladen. Man brauche sie nicht zum Aufstellen, richtete Dumbs dem Burschenvereins-Vorsitzenden Florian Meyer aus. Dazu würden die Rechtmehringer Helfer ausreichen.

Hauptgrund dafür, dass Dumbs auf "ungeschriebene Gesetze pfeift", wie es die Hohenlindener formulieren, ist, dass die den Baum nicht herrichten wollten. Nach dem Diebstahl hatten sie ihn zwar fünf Tage auf dem Gaiglhof in Mittbach bewacht. Und nach den erfolgreichen Verhandlungen wurde er von ihnen auch gegen entsprechende "Auslöse" zurückgebracht. Am Rest des traditionellen Diebstahl-Paketes hatten sie aber kein Interesse. Und so war Dumbs nicht unglücklich, dass sich mit den Rechtmehringern andere Diebe fanden, die auch die mühsamen Arbeiten nicht scheuten.

Die Hohenlindener fühlen sich nun brüskiert. Schließlich sei ihnen für den 1. Mai Freibier versprochen worden, so die 25 Burschen. Daran erinnert sich allerdings Erhart Glaser nicht. Der Haager hatte den Baum gestiftet und die Auslöse mit den Hohenlindenern ausgehandelt, nachdem Hermann Dumbs zu der Zeit im Urlaub war. "De ham eana Brotzeit doch scho beim Zruckbringa kriagt", wundert er sich, und will mit der Sache eigentlich nichts mehr zu tun haben: "Do sitzt ma oiwei zwischendrin."

Hermann Dumbs bleibt derweil von den Vorwürfen des Brauchtums-Verstoßes ungerührt. Freibier auch noch für 25 durstige Burschen aus Hohenlinden: Das könne sich der Verein einfach nicht leisten, stellt er klar. Die Hohenlindener dagegen hoffen immer noch, dass der Haager Bürgermeister "seine Meinung über die ungeschriebenen Maibaumgesetze nochmal überdenkt und es ein schönes gemeinsames Maifest wird." Sie wären auch bereit, am 1. Mai ab 13 Uhr dafür kräftig anzupacken - und das nicht nur beim Masskrugstemmen.

Karl Königbauer (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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