Beste Werbung: von Mund zu Ohr

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Wasserburg - Seit einem Jahr beginnt der Donnerstagmorgen für 22 Handwerker, Freiberufler und Dienstleister aus dem Raum Wasserburg bereits um 7 Uhr an einem ungewöhnlichen Ort.

Nicht im Büro oder auf der Baustelle, sondern im Wirtshaus. Wenn beim Unternehmerfrühstück die Visitenkarten rege ihren Eigentümer wechseln, schmeckt der Kaffee besonders gut.

Der Vater des Ofenbauers aus Griesstätt hat seine Geschäfte noch im Wirtshaus gemacht. Beim Bier nach der Sonntagsmesse empfahl ihn ein zufriedener Kunde an den Thekennachbarn weiter. Und der kam dann in den Laden und bestellte ebenfalls einen Ofen.

Dass diese persönlichen Kontakte auch heute in Zeiten von Internetkommunikationsforen und Online-Marketing funktionierten, beweist seit einem Jahr die Ortsgruppe Wasserburg von "Business Network International (BNI)". Die Mitglieder haben die traditionelle Mund-zu-Ohr-Werbung in die neuen Zeiten überführt. Empfehlungsmarketing heißt dies in der Fachsprache, will heißen: Der Sanitärinstallateur vermittelt auf der Baustelle seinem Kunden Kontakte zum Elektriker, dieser überreicht beim Anschluss der Hausleitungen die Visitenkarte eines Malers und der weiß, wer die Telekommunikation perfekt ans Netz bringt. Schmerzt dem gestressten Bauherrn der Rücken, gibt`s einen Tipp, welcher Heilpraktiker helfen kann.

"Mehr Umsatz durch mehr Kontakte": Dieses Prinzip hat sich zur Freude der Wasserburger Gruppe bereits bewährt. Das aktuelle Führungsteam mit Peter Holzinger an der Spitze berichtet stolz, dass allein im ersten Halbjahr 2011 durch gegenseitige Empfehlungen ein Umsatz von 150 788 Euro in Wasserburg generiert wurde. "Jede Empfehlung besitzt einen durchschnittlichen Wert von etwa 750 Euro", so Holzinger.

Damit Handwerker A den Kollegen B auch guten Gewissens weiterempfehlen kann und dabei nicht seinen eigenen Ruf riskiert, haben sich die Mitglieder den strengen Regeln der international tätigen, 1985 gegründeten Netzwerkorganisation BNI unterworfen. Ihr gehören nach Informationen von Holzinger heute in 43 Ländern weltweit 5800 Gruppen (Chapter) mit 133 000 Mitgliedern an.

Bei jedem Unternehmerfrühstück im Fletzinger stellen sich die Freiberufler, Handwerker und Dienstleister gegenseitig vor. Eine Minute gibt die Stoppuhr dem Mediator und Anwalt, dem Elektroinstallateur und Heizungsbauer, dem IT-Experten und Versicherungsfachmann, dem Möbeldesigner und Eventmanager. Schwarze Schafe, die nicht halten, was sie in ihren Vorstellungen versprochen haben, werden aus der Runde wieder ausgeschlossen. Wiederholtes unentschuldigtes Fehlbleiben wird ebenfalls geahndet, so der Vorstand.

Wichtigster Akt während des gemeinsamen Arbeitsfrühstückes: die feierliche Übergabe neuer Empfehlungen. Damit sich die Mitglieder nicht gegenseitig Konkurrenz machen können, ist jede Berufssparte nur einmal vertreten. Und damit das Führungsteam nicht Gefahr läuft, zu einseitig zu agieren, wechselt es alle halbe Jahre. Keiner kann deshalb, so erläutert der aktuelle Chapterleiter Holzinger, "seine eigene Suppe kochen" oder sich der Organisationsverantwortung komplett entziehen.

Das Empfehlungsmarketing wirkt zur Freude der Mitglieder nicht nur nach außen, sondern auch nach innen. So rekrutierte eine Wasserburger Heilpraktikerin zur Eröffnung ihrer Praxis alle Handwerker aus dem eigenen Chapter und übergab auch die Werbung an ein Mitglied. "Das hat wunderbar funktioniert", zieht sie zufrieden Bilanz.

Denn für die Mitglieder steht fest: "Auch die neuen Marketing- und Werbemöglichkeiten des Informationszeitalters können persönliche Kontakte nicht ersetzen." Per Internetauftritt würden zwar breite Kundenschichten erreicht. Eine mündliche Empfehlung wirke trotzdem nach wie vor intensiver als eine aufwändige virtuelle und anonyme Firmenpräsentation.

Vor allem kleine Betriebe verzetteln sich, so die Erfahrung der Chaptermitglieder, häufig bei ihren Werbeaktivitäten, streuen sie wahllos in die Breite, ohne ihre Zielgruppe effektiv zu erreichen, oder reagieren zu spät, nämlich erst dann, wenn ein Auftragsloch droht. "Wir investieren stattdessen wöchentlich eineinhalb Stunden - Zeit, die sich auszahlt", zieht Vorsitzender Holzinger Bilanz.

Heike Duczek (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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