Von Blöd zu Plöd zu Oberkraimoos

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Erweiterungspläne für die Soyener Kirche aus den 60er-Jahren: Rot umrandet der nie ausgeführte Anbau.

Soyen - Der Ortsteilname Plöd beschäftigte den Soyener Gemeinderat vor zwei Jahren. Damals war ein Blick ins Archiv der Gemeinde interessant, denn schon vor 50 Jahren ging es um diesen Namen bei Gemeinde und Regierung.

Geschäftsstellenleiter Leo Krippner hat eine Ahnung davon, welche Schätze das Soyener Archiv bietet. Bei der Suche nach Vorgängen stoße man oft auf interessante Dinge. So bedauert er, in den 39 Jahren, die er in der Gemeinde arbeitete, nicht mehr hineingeschaut zu haben. Man müsste sich intensiver damit befassen, ist sein Resümee zum Ende seiner Dienstzeit in der Gemeinde.

Ein bissl was kommt schon zusammen: Verzeichnis der Biersteuer von 1936/37.

Zweimal ist das Archiv zusammen mit dem Rathaus umgezogen, einiges ist immer noch in Kisten, archivarisch, also mit Findbuch, säurefreien Mappen und Kartons, ist der Inhalt nicht erfasst. Aber es gibt immerhin eine Liste des Inhalts bis zum Jahr der Gebietsreform.

Und es ist ein schöner, großer Kellerraum mit modernen beweglichen Regalen vorhanden. Darin liegen etwa Bauanträge nach Jahren geordnet. Diese Stapel geben einen Überblick zur Konjunktur vor Ort, man sieht genau, in welchem Jahr viel gebaut wurde und in welchem wenig.

Das Ende der Ortschaft Plöd mit ihren drei Häusern ist im April 2009 mit entsprechenden Beschlüssen eingeleitet worden. Das heißt nun Oberkraimoos, eines der Anwesen kam nach Grub. Niemand wollte aus Plöd stammen, lautete die Begründung, das klinge zu sehr nach "Blöd". Vor einem halben Jahrhundert waren die Menschen dort weniger empfindlich, denn da hieß der Weiler tatsächlich noch "Blöd". 1961 erst hat die Regierung von Oberbayern der Umbenennung von Blöd in Plöd zugestimmt. Schon damals griff man gerne auf das "Bayerische Hauptstaatsarchiv" zurück. Das kam zu dem Schluss, das ein "P" "völlig gerechtfertigt" sei, weil es auf Familiennamen wie "Unterplöderl" im Jahr 1671 zurückging. Gleichzeitig änderte sich damals die amtliche Schreibweise von Etschberg in Oedsberg, von Tain in Daim und Urfarn/Ufer in Urfahrn.

Schicksale fein säuberlich nach Jahren: das Melderegister der Vorgängergemeinden.

Die Gemeinde Schlicht war damals noch selbstständig und stellte den Antrag, "dem um Kirche und Schulhaus ,St. Coloman' neu entstandenen Gemeindeteil von Amts wegen die Benennung ,Ortschaft Schlicht' zu erteilen." Begründung: Es gab gar keinen Ort Schlicht in der Gemeinde Schlicht. So etwas kommt nicht oft vor. Sehr löblich damals: Die Behörden verlangten die Zustimmung der Bürger durch Unterschrift oder Bürgerversammlung. Der Ortsmittelpunkt wurde fortan mit dem Schulhaus in St. Coloman bestimmt.

In den 60er-Jahren hätte das Soyener Gotteshaus größer werden sollen. Die Pläne sind im Archiv, doch verwirklicht wurden sie nicht: Der Grund war nicht da, erinnert sich heute der Mesner Johann Kern. Nach Westen sollte die Kirche um gute sieben Meter wachsen, einen 20 Quadratmeter großen Anbau für eine Sakristei sah man im Süden vor. Wie im Altbau sah der Plan die Erweiterung des Rabitzgewölbes und der Gewölberippen vor. Als Bauherr trat das Erzbischöfliche Bauamt in München auf, das Wasserburger Landratsamt genehmigte im April 1963.

Stets war der Staat auf der Suche nach Einnahmemöglichkeiten, eine davon war die Biersteuer. Zwei Prozent auf die Einnahme, da kam auch etwas zusammen. Mengen von fünf bis 132 Hektoliter waren in einem Verzeichnis der Gemeinde Schlicht in den Jahren 1936 bis 1937 erfasst.

Wie nutzt man einen Fluss, den Inn, am besten? Die Vorstellungen gingen vor allem in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts auseinander. So rief der Rosenheimer Stadtrat 1920 Gemeinderäte der Anliegergemeinden zu einer Protestversammlung auf: "Die Zeit ist ernst", denn Schiffe bis zu 450 Tonnen Gesamtgewicht transportierten Handelswaren bis nach Hamburg, man dürfe nicht den "Nachkommen ... den Weg in die Welt versperren", "Wacht auf!" und: "Einige wenige Interessenten vergewaltigen ganze Landstriche." Bei Jettenbach war damals der Bau des ersten Kraftwerks angekündigt. Es hat nichts geholfen, der Inn ist wegen vieler solcher Bauten schon lange nicht mehr durchgehend befahrbar.

Auch im Soyener Archiv finden sich fein säuberlich die Namen vieler Einheimischer und sonstiger amtlich erfasster Menschen, die in der Gemeinde gewohnt oder gearbeitet haben - in Kriegszeiten freiwillig oder auch nicht. In Soyen steht das unter anderem übersichtlich in Karteikarten, das macht es Familienforschern einfach.

Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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