Denkmalschutz gegen Klimaschutz?

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Aus Denkmalschutzgründen abgelehnt wurden Fotovoltaik- und Solaranlagen auf den Dächern der Wohnanlage Neustraße/Knoppermühlweg. Foto heck

Wasserburg - Wasserburg hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2050 will die Kommune eine klimafreundliche Stadt werden. Dafür hat sie den Energiedialog ins Leben gerufen, der auch die Bürger mit ins Boot holt.

Die Bemühungen um den Klimaschutz setzen - neben dem obersten Ziel, dem Energiesparen - auch auf die Förderung vonFotovoltaik und Solarthermie. Doch diese Technologien stoßen in der Altstadt, die unter Ensembleschutz steht, an ihre Grenzen.

Stadtrat Markus Pöhmerer, der den Energiedialog 2050 mit beschlossen hat, weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, den guten Worten aus den Absichtserklärungen Taten folgen zu lassen. Dabei war der Sprecher der Eigentümergemeinschaft einer Wohnanlage an der Ecke Neustraße/Knoppermühlweg hoch motiviert, die Fotovoltaik- und Solaranlage auf der großen Dachfläche zu installieren. Die Besitzer der 54 Wohn- und Gewerbeeinheiten zogen unisono mit und unterstützten das Vorhaben, das im Rahmen einer Dachsanierung über die Bühne gehen sollte. Auf 200 bis 250 Quadratmetern Dachfläche sollte eine Fotovoltaikanlage, auf 50 bis 80 Quadratmetern eine Solaranlage errichtet werden. Doch der offizielle Antrag wurde vom Landratsamt Rosenheim als Baugenehmigungsstelle aus Denkmalschutzgründen abgelehnt. Auch eine Ortsbesichtigung mit Vertretern des Landesamtes für Denkmalschutz brachte nicht den Durchbruch: In der beantragten Form gab es zum Bedauern von Pöhmerer keine Genehmigung. Denn die Wohnanlage liegt im Altstadtgebiet, das komplett unter Ensembleschutz steht. Trotzdem kann der Eigentümersprecher die Entscheidung nicht nachvollziehen: Schließlich befindet sich in direkter Nähe das Parkhaus Überfuhrstraße, auf dem die Bürgersolaranlage über eine Modulfläche von 270 Quadratmetern sauberen Strom aus der Sonne ins öffentliche Netz einspeist. Außerdem gebe es in der Altstadt sehr wohl, sogar deutlich sichtbar aufgeständerte Anlagen. "Wer fragt, hat Pech gehabt", sieht sich Pöhmerer angesichts der Tatsache, dass er als Stadtrat den offiziellen Genehmigungsweg mit Antragstellung gegangen ist, im Nachteil gegenüber Bürgern, die frech über solche rechtlichen Hürden hinwegsehen.

Was Pöhmerer ebenfalls nicht verstehen kann: Die Dachflächen, auf denen die Hauseigentümergemeinschaft die Fotovoltaik- und Solaranlage installiert hätte, sind nach seinen Angaben nur von der Stadteinfahrt an der Rampe aus zu sehen. "Der Ensembleschutz wird nicht beeinträchtigt", findet er.

"Dass gar nichts geht, geht nicht", sieht auch Bürgermeister Michael Kölbl ein. Am 26. August hat er deshalb zum Besprechungstermin nach Wasserburg geladen. Vertreter der Stadt, des Landratsamtes Rosenheim als Baugenehmigungsbehörde und des Landesamtes für Denkmalpflege wollen sich zusammensetzen, um eine Lösung für Wasserburg und die Vereinbarkeit von erneuerbaren Energieanlagen sowie Denkmalschutz zu finden. "Ich bin sicher, wir finden einen Kompromiss", ist Kölbl überzeugt. Eine Meinung, die er auch aus der Tatsache ableitet, dass das Landesamt für Denkmalpflege jüngst eine neue Beratungsrichtlinie für Solaranlagen in denkmalgeschützten Bereichen herausgebracht hat. "Die Denkmalpflege hat keine grundsätzlichen Vorbehalte gegenüber der alternativen Energiegewinnung. Im Einzelfall kann es jedoch erforderlich sein, technische Einrichtungen zur regenerativen Energiegewinnung abzulehnen, um den überlieferten Baubestand und das Erscheinungsbild von Denkmälern zu schützen", heißt es dort. Ob solarthermische Anlagen zur Warmwasserbereitung oder Fotovoltaik für die Stromgewinnung: Die seriell hergestellten Module seien meist geprägt von glatten und spiegelnden Oberflächen. Diese ständen im Widerspruch zu den Oberflächenstrukturen und Farbigkeit der traditionellen Deckungsmaterialien und seien deshalb selten mit dem Bild eines Baudenkmals zu vereinbaren, bedauert das Landesamt. Die neuen Richtlinien sehen jedoch Ausnahmen vor und legen Lösungswege fest - etwa für die Fotovoltaik, für deren Installation Folienformen, die eine farbliche Anpassung und Entspiegelung ermöglichen, vorgeschlagen werden. Die neue Richtlinie weist nach Meinung des Bürgermeisters "einige vernünftige Wege" auf.

Kölbl sieht die Notwendigkeit des Handelns übrigens nicht nur für die zukünftige Integration von Fotovoltaik und Solarthermie: Im Gespräch mit dem Landesamt für Denkmalpflege geht es auch um ein weiteres Problemfeld: die Frage, wie Eigentümer, die ihre Denkmaler energetisch sanieren wollen, Fenster mit Hochleistungsdämmungen, die oft aus Kunststoff bestehen, einbauen können.

duc/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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