Stadtbusfahrer drücken die Schulbank - Busfahren aus Fahrgastperspektive

Fahrer wechselten auf die Rücksitze

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"Fahrgastgastfreundliches Fahren" - Teil eines Fortbildungs-Trainings, das sich die Fahrer des Stadtbusverkehrs selbst verordnet hatten.

Rosenheim/Kolbermoor/Pfaffenhofen - Die Busfahrer des Stadtverkehrs haben ihre Arbeit einmal von der anderen Seite erlebt, nämlich aus der Perspektive der Fahrgäste.

Auch Profis müssen immer mal wieder zur Schulung. Damit das nicht zu theoretisch wird und für die Praxis Verbesserungen erarbeitet werden, haben die Fahrer des Stadtverkehrs Rosenheim neue Wege eingeschlagen.

Seit Jahren müssen die Busfahrer bei der ohnehin regelmäßigen Verlängerung der Erlaubnis zur Fahrgastbeförderung neben dem ärztlichen Zeugnis auch Nachweise über die Weiterbildung vorlegen. Der Stadtverkehr schult seine Chauffeure in einer Kooperation mit einer Fahrschule durch einen eigenen Fahrlehrer.

Meist müssen bei diesen Modulen zehn Schulstunden "trockene Theorie" gepaukt werden. Durch den ausschließlichen Bezug auf die Belange der Stadtbusse wird das Thema praxis- und fachbezogener gehalten. Damit neben den neueren rechtlichen Änderungen und dem Pflicht-Lehrstoff die Fahrer in "ihrem Element" bleiben, sollte ein praktischer Teil eingeschlossen werden.

Da sich die gängigen Ausbildungsinstitute mehr auf das Sicherheitstraining wie Schleuderkurs und Fahrzeugbeherrschung in Grenzsituationen konzentrieren, gab es am Markt kein Angebot, das auf die Perfektion der täglichen Praxis eines Stadtbusfahrers abgestellt wäre. Daher haben die Mitarbeiter des Stadtverkehrs ihren eigenen Workshop für fahrgastfreundliches Fahren erarbeitet.

Kurzerhand setzten sich die Busprofis selbst mal als Fahrgast nach hinten und analysierten und bewerteten kritisch die Fertigkeiten ihrer Kollegen. Bis auf den Fahrlehrer, Geschäftsführer und ebenfalls anwesenden Einweisungsfahrer kannten die übrigen Teilnehmer die Auswirkungen der Fahrdynamik nur auf dem Fahrerplatz. Hinter der Hinterachse fühlt sich das allerdings schon ganz anders an, wie die Teilnehmer überrascht feststellen mussten.

Heiß wurde diskutiert, wie man über die zahlreichen Rüttelschwellen oder durch einen Kreisverkehr fährt, vor einem Abbiegevorgang bremst und ab wann man wieder beschleunigen darf. Alle brachten sich eifrig ein und diskutierten die oft verborgenen Gefahrenquellen. Aus diesem Lehrgang nahm jeder viele Anregungen mit. Nach dem nächsten Termin in einer Woche wird ein Resümee für alle Stadtbusfahrer gezogen. Dieser Lehrgang wird im Rahmen der Berufskraftfahrer-Weiterbildung ein fester Bestandteil der Schulungen.

Manchmal werden Fahrtrainings von professionellen Fahrern als ohnehin tagtäglich Bekanntes und damit unnütze Zeitverschwendung abgetan. Mit diesem Wechsel der Perspektive und der Bewertung aus Fahrgastsicht haben die Fahrer Lehren gezogen, die sie bis zur Wiederholung des Trainings nicht vergessen werden.

Nach mehreren Stunden Fahrt kreuz und quer durch die Mangfallstraße, Aising und Pang waren die Teilnehmer richtig aufgekratzt. So haben sie die folgenden zwei Stunden Schulbank noch aufmerksam gemeistert.

re/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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