Dem Gericht kamen Zweifel

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Wasserburg - Widersprüchliche Zeugenangaben und der Rosenkrieg mit der Exfreundin brachten einem 29-Jährigen ein Urteil nach der Devise "im Zweifel für den Angeklagten" ein.

15 Zeugen und zwei Verhandlungstage brachten keinen eindeutigen Tatnachweis dafür, dass ein 29-jähriger Deutsch-Afghane aus dem Raum Wasserburg zur Frühlingsfestzeit zwei Männer verprügelt haben soll. "In dubio pro reo" befanden Staatsanwaltschaft und Gericht den Angeklagten nur der Körperverletzung in einem Fall für schuldig. Ein schwelender Rosenkrieg mit der Ex-Freundin erschwerte die Wahrheitsfindung.

Ein leichter Schlag auf den Hinterkopf erhöht das Denkvermögen, das behauptet zumindest der Volksmund. Im Falle eines 29-jährigen Wasserburgers war es der Einstieg in eine Reihe von körperlichen Auseinandersetzungen, die nebenbei den Rosenkrieg mit der Ex-Freundin wieder anfachten und ihm zudem einen Strafbefehl über 90 Tagessätze zu je 20 Euro einbrachten.

Dagegen hatte der Angeklagte Einspruch erhoben. Nun musste er sich wegen drei tatmehrheitlichen Fällen der Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten. Zudem hatte der 26-jährige Geschädigte, anstelle einer Zivilklage, einen Adhäsionsantrag gestellt, um so Schmerzensgeldansprüche direkt im Strafverfahren geltend zu machen.

Gleich zu Beginn der Verhandlung räumte der Angeklagte den Schlag auf den Hinterkopf des 26-jährigen Zimmerers am 19. Juni gegen 3 Uhr ein. Als er seine Ex-Freundin in Begleitung des Ramerbergers, der "provokant geschaut" habe, in der Disko gesehen hätte, habe er überreagiert und ihm eine Ohrfeige gegeben. Das sei falsch gewesen.

Ärger mit der "Ex" wegen der Tochter

Zu weiteren Schlägen, wie in der Anklageschrift aufgeführt, sei es allerdings nicht mehr gekommen, weil er draußen selber zu Fall gekommen sei und er den weiteren Geschädigten, einen 24-jährigen Produktionshelfer, "im Leben noch nicht gesehen" habe. An dem Tag sei er eh schon angefressen gewesen, weil es wieder einmal Ärger mit der "Ex" wegen der gemeinsamen Tochter gegeben habe.

Die benütze das Kind als Druckmittel und zu diesem Zeitpunkt hätte er die Tochter bereits seit mehreren Wochen nicht mehr gesehen gehabt. Mit zwei Freunden habe er sich deswegen am Frühlingsfest ablenken wollen. Als er später auf die 23-jährige Mutter seiner Tochter und den Geschädigten getroffen sei, sei alles wieder in ihm hochgekocht. Zwei Türsteher seien hinzugekommen und hätten die Auseinandersetzung beendet. Während sein Kontrahent des Lokales verwiesen worden sei, habe ihn der Türsteher beruhigt und er habe sich anschließend kurz frisch gemacht.

Kurze Zeit später sei dann ein Freund gekommen und habe gesagt, "draußen ist eine Gruppe, die wollen Dich schlagen". Daraufhin sei er nach draußen, wo der Geschädigte rumgeschrien habe. Doch noch ehe er was unternehmen hätte können, sei er zu Fall gekommen und Freunde hätten ihn von der Gruppe weggezogen. Anschließend habe ihm seine Ex-Freundin gedroht, ihn fertig zu machen, in den Knast zu bringen und dafür zu sorgen, dass er das Kind nie wieder sehen werde.

Etwas anders schilderte der 26-jährige Geschädigte die Ereignisse. Demnach habe er in der Disko vom Angeklagten von hinten einen Schlag mit der Faust auf den Kopf bekommen, obwohl eine Woche vorher ein klärendes Gespräch stattgefunden habe. Draußen habe er den Angeklagten zur Rede stellen wollen und sei von dessen Gruppe geschubst worden. Dann habe er einen Schlag bekommen und sei bewusstlos geworden. Aufgewacht sei er mit einer Platzwunde, einer geschwollenen Wange, einem abgebrochenen Zahn und einem blauen Auge.

Das Erinnerungsvermögen der weiteren Zeugen war teilweise lückenhaft und zum Teil auch mit Mutmaßungen behaftet und brachte daher keinen eindeutigen Hinweis darauf, dass der Angeklagte die beiden Geschädigten draußen geschlagen hat. Drinnen sei nicht viel passiert und draußen widersprächen sich die Aussagen, auch die der neutralen Zeugen derartig, dass es nicht zu einer Verurteilung wegen dreifacher Körperverletzung reiche.

Bei vernünftigen Zweifeln gelte "in dubio pro reo" und es spreche im Gegenteil sogar einiges dafür, dass der Angeklagte draußen nicht in die Schlägerei verwickelt gewesen sei, hieß es in der Urteilsbegründung. Deshalb wies das Gericht den Adhäsionsantrag ab und verurteilte den Anklagten wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu 40 Tagessätzen zu je 20 Euro.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

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