Gutes Essen macht allen gute Laune

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
"Hmm, guad": Erst eine Suppe, dann ein Stück Pizza. Kinder, Mittagsbetreuer und Lehrer sind begeistert vom gelieferten Essen und die vier liefernden Wirte freuen sich, dass es allen schmeckt.

Wasserburg - "Oh, Mama, da hatte ich heute aber schon was Besseres" - das hat sich mehr als eine Mutter zuletzt anhören müssen. Schließlich werden die Grundschüler am Gries mittags von Profis bekocht.

Montag Lasagne, Dienstag Spätzle mit Geschnetzeltem, Mittwoch Topfenstrudel, Donnerstag Hähnchenschnitzel mit knackigem Salat. Klingt gut? Schmeckt auch gut, "die Kinder sind begeistert", sagt Christa Fiedler, Rektorin der Grundschule am Gries. Die mitessenden Lehrer der Ganztagsklassen und der Mittagsbetreuung auch. Von denen kam der Anstoß, doch bitte die Mittagsverpflegung anders zu regeln, sie hatten nach Jahren genug vom Kantinenessen. Das sei nicht schlecht gewesen, aber auch nicht dadurch besser geworden, dass es stundenlang warm gehalten wird, so Christa Fiedler.

Gesund, kurzfristig zubereitet, abwechslungsreich, schweinefleischfrei, bezahlbar und möglichst biologisch, das waren die Grundbedingungen. Sabine von Loewenfeld, die Vorsitzende des Fördervereins der Grundschule, hatte schließlich die Idee, die Wasserburger Wirte ins Boot zu holen. Ihr Ansprechpartner war Jürgen Häuslmann, Betreiber der Schranne und selbst Vater einer Grundschülerin.

"Ungewöhnlich" fand der die Idee, und dass das allein nicht zu machen sei war auch klar. "Die drei Mitstreiter waren aber schnell gefunden", erzählt Häuslmann. Manfred Tiller vom Weißen Rössl, Gabi Heindl vom Paulaner und Carmine "Mino" Bruno zogen mit. "Eigentlich müsste es schon im Kindergarten los gehen, dass man sich mehr Gedanken über eine vernünftige Ernährung der Kinder macht, damit die das auch verinnerlichen", findet Manfred Tiller.

Einige lebensmittelrechtliche Fragen waren noch zu klären, Thermobehälter für den Transport der Essen mussten her, und die Köche machten sich Gedanken, was denn wohl bei den Kindern ankäme. Eher einfachere Gerichte mit viel Gemüse, das war die Grundtendenz. Mino Bruno hatte da wenig Probleme, Nudeln und Pizza schmecken Kindern immer.

Wobei man sich täuschen kann: "Die gefüllte Paprika kam nicht gut an", hat Häuslmann festgestellt. Gabi Heindl hatte Bedenken bei Fisch mit Ratatouille und das war ein Renner. "Bei Rote Beete mit Apfel und Sahne hatte ich ernsthafte Zweifel, auch wegen der interessanten Farbe, aber das ging gut weg", erinnert sich Christa Fiedler. Eine Regel gilt: Einfach ablehnen geht nicht, probiert werden muss.

40 Erwachsenen-Portionen für 60 Kinder und Betreuer werden montags bis donnerstags um 11 Uhr in die Schule geliefert. Das lässt sich ganz gut in den normalen Arbeitsablauf integrieren, "ein bisschen Stress" sei es schon, findet Mino Bruno, "und wenn man die Spätzle von Hand macht, dann muss man schon zackig ran", hat Manfred Tiller festgestellt. Was alle vier als positiv empfinden: Jeder ist nur einen Tag in der Woche dran. Das verhindert einerseits Einheitsbrei und es kann, wenn es einem Wirt an seinem Stammtag mal gar nicht ausgeht, auch mal der Wochentag getauscht werden - Gabi Heindl und Jürgen Häuslmann haben das schon praktiziert.

Jeden Tag Essen vom Wirt? Ist das nicht Luxus? Viel teurer als das Kantinenessen ist es nicht. Das kostete 2,90 Euro, jetzt sind 3,50 Euro fällig. Kein einziger Elternteil habe Einspruch erhoben, so Christa Fiedler. Und Eltern, die sich die 14 Euro pro Kind und Woche nicht leisten können, können bei der Stadt einen Zuschussantrag stellen.

Reich werden die Wirte mit dem Schulessen nicht, "es ist für uns alle ein Plus-Minus-Null-Geschäft", so Jürgen Häuslmann. Kindern vernünftiges Essen näher zu bringen trieb die Gastronomen eher an - und ein gewisser Werbeeffekt ist mit der Aktion ja auch verbunden. "Zu mir kommen jetzt mehr Familien, weil die Kinder erzählt haben, dass Ihnen das Schulessen so gut schmeckt", erzählt Mino Bruno und auch Jürgen Häuslmann berichtet von nahezu täglichen elterlichen Rückmeldungen.

Bis zum Schuljahresende liefern die vier Wirte das Essen für die Ganztagsklassen und die Mittagsbetreuung. Allerspätestens zum Schuljahr 2012/2013 aber hat das ein Ende. Denn dann hat Christa Fiedler in jeder Jahresgangsstufe eine Ganztagesklasse plus Mittagsbetreuung, das sind täglich 100 bis 120 Kinder. Da muss eine andere Lösung her. "Warum nicht gemeinsam mit dem Förderzentrum? Das ist direkt nebenan und hätte wohl Möglichkeiten, passende Räume zu schaffen", so Christa Fiedler. Mit einer entsprechenden Küchenausstattung könnte frisch gekocht werden - wie seit Jahren am Gymnasium.

von Sylvia Hampel/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser