Hacker knacken E-Mail-Konten

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Rosenheim/Landkreis - Angriff im Netz: In der Region knacken Hacker jetzt auch E-Mail-Konten. Die Zahl der Opfer wächst täglich!

E-Mails von Freunden aus Amerika, die angeblich in Spanien ausgeraubt wurden und deshalb dringend Geld benötigten: Vor dieser neuen Betrugsmasche warnte das OVB vor zwei Wochen. Doch jetzt knacken die Hacker vermehrt auch E-Mail-Konten in der Region. Die Zahl der Opfer wächst täglich.

Ein Freund aus New Jersey ausgeraubt in Madrid, ein anderer überfallen in Málaga: Zwei Priener erschraken nicht schlecht, als sie Ende 2011 die elektronischen Hilferufe von Bekannten aus Übersee auf ihrem Rechner fanden. Einer von ihnen schickte 950 Euro nach Spanien, der andere wäre auch fast auf den Betrug hereingefallen.

Was sie anfangs nicht wussten: Die E-Mail-Accounts ihrer Freunde - als Account bezeichnet man die Kombination aus Benutzername und Passwort, mit der sich ein Anwender gegenüber einem System als berechtigt ausweist - waren von Hackern geknackt worden. Danach verschickten die Betrüger nicht nur die Mail mit der erfundenen Geschichte vom Überfall und dem Verlust von Bargeld, Ausweisen und Handy, sondern legten auch noch das Benutzerkonto des Opfers lahm und fingen alle eingehenden Antworten ab - ohne dass das Opfer etwas davon wusste.

Vor wenigen Tagen erwischte es nun auch einen Mann aus Schnaitsee. "Mein kompletter E-Mail-Account wurde gelöscht", klagt er. Als sich Stunden später Freunde und Bekannte erkundigten, warum sie ihm 1750 Euro nach Madrid schicken sollten, war allen Beteiligten klar, dass es sich beim "Totalabsturz" des E-Mail-Kontos nicht um einen technischen Defekt handelte, sondern jene Kriminelle am Werk waren, vor denen unsere Zeitung bereits gewarnt hatte.

Das Beunruhigende daran: Mit den E-Mails fallen den Betrügern unter Umständen auch Konto- und Kreditkartennummern oder vertrauliche Dokumente in die Hände. Der Schnaitseer hat auch ein virtuelles Internet-Konto bei Paypal - dem weltweit beliebtesten Bezahlsystem im Online-Handel. "Dort habe ich mein Konto sofort sperren lassen. Wer ein E-Mail-Passwort knacken kann, für den ist auch ein Paypal-Kennwort kein Problem", betrieb er Schadensbegrenzung.

Ähnlich erging es einem Raublinger. Um 12.05 Uhr lag die Madrid-Mail in seinem Postfach, um 12.06 Uhr wurde sie automatisch an alle seine gespeicherten Kontaktadressen verschickt. Ein zusätzlicher Trick dabei: Es wird auch die Telefonnummer eines Madrider Hotels angegeben, um die Glaubwürdigkeit des Hilferufs aus der spanischen Hauptstadt zu erhöhen. Unsere Zeitung machte den Test und wählte die angegebene Nummer - +34 / 962463149 - erfolglos. Es hebt niemand ab, laut Display existiert sie nicht - und auch in Hotelsuchmaschinen sucht man danach vergeblich.

Zudem endet die Mail des "Überfallenen" mit den Worten "Liebe Grüße, Andreas" - also genau so, wie sich der Raublinger in den elektronischen Briefen von seinen Freunden zu verabschieden pflegt. Zufall oder wurden die E-Mails gezielt durchsucht? Computer-Experten halten beides für möglich. Sie raten dazu, beim Verschlüsseln der Passwörter alle Register zu ziehen. Das heißt: Sie sollten keinesfalls weniger als acht Zeichen enthalten, regelmäßig geändert werden und sich aus Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen zusammensetzen. "Mein Kennwort bestand aus sieben Buchstaben und zwei Zahlen", erklärt ein weiteres Opfer der Hacker-Attacke.

Was zudem auffällt: In allen unserer Zeitung bekannten Fällen sind E-Mail-Konten gehackt worden, die von den Benutzern im Internetportal Yahoo eingerichtet wurden. Möglicherweise haben es die Betrüger derzeit vor allem auf diese Accounts abgesehen. Auch aktuelle Anti-Viren-Software bietet offenbar keine hundertprozentige Sicherheit. So erklären die Opfer, ihre Computer seien mit den neuesten Versionen renommierter Schutzprogramme ausgestattet.

Wie berichtet, ist die Madrid-Masche eine Variante des Vorkasse-Betrugs der sogenannten Nigeria-Connection. Doch mit den seit Jahren bekannten E-Mails aus Afrika, in denen die Opfer mit abenteuerlichen Märchen über die Millionen von Diktatorenwitwen geködert werden, wurden keine Konten geknackt, ausspioniert und gelöscht.

Klaus Kuhn (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

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