Von Hehlern und Bagger-Wäschern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Wasserburg - War es eine besonders raffinierte "Bagger-Wäsche"? Oder doch eine Hehlerei? Das Amtsgericht Wasserburg hielt letzteres für gegeben und bestätigte den entsprechenden Strafbefehl.

Unter äußerst mysteriösen Umständen verschwand in der Nacht auf 28. Mai 2009 der versperrte Bagger einer Tiefbaufirma von einer Baustelle bei Reischach.

Etwa ein Jahr später tauchte das Gerät dann als Pfand bei einem Unternehmer in Mitterskirchen, unweit des ursprünglichen Tatorts, wieder auf. Ein Inkassobeauftragter hatte den 4,5-Tonner aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten des vermeintlichen Besitzers an sich genommen und versucht, vom Generalimporteur neue Papiere zu organisieren, da das Typenschild fehlte. Dies rief die Polizei auf den Plan, die im Rahmen ihrer Ermittlungen auf einen 64-jährigen Unternehmer aus dem Raum Wasserburg stieß.

Laut Anklageschrift soll dieser den Bagger im März 2010 gekauft haben, obwohl er gewusst habe, dass er gestohlen war. Deshalb musste er sich an zwei Verhandlungstagen wegen Hehlerei vor dem Amtsgericht Wasserburg verantworten.

Tatvorwurf bis zuletzt bestritten

Dabei bestritt der Angeklagte den Tatvorwurf bis zuletzt, konnte aber auch keine Beweise für den rechtmäßigen Erwerb vorlegen. Laut seinen Angaben habe er den Bagger im Dezember 2007 bei einem österreichischen Händler im Innkreis für 22.000 Euro gekauft.

Am 7. Januar 2008 sei der Bagger dann mit Typenschild geliefert und kurze Zeit später zum Kundendienst gebracht worden. Dabei habe er auch die Fahrgestellnummer angegeben. Trotz intensiver Bemühungen sei der österreichische Händler nicht mehr auffindbar, sagte der Angeklagte, und Rechnungen aus dieser Zeit gäbe es nicht mehr, da er den Bagger rein zu seinem Privatvergnügen angeschafft habe.

Zum Tatzeitpunkt sei der Bagger bereits mehrere Monate im Einsatz gewesen. Dies sei in seinem Tagebuch nachzulesen, dass er gewissenhaft täglich führe. Vom 28. April bis zum 2. September 2009 habe sich das Fahrzeug demnach in Halmberg und ab 5. September auf einer neuen Baustelle in Albaching befunden. Dabei habe es sich um "Problembaustellen von guten Freunden" gehandelt, die mit unkonventionellen Mitteln gelöst worden seien.

Im August 2010 sei der Bagger dann unrechtmäßig von dem selbsternannten Inkassobeauftragten eines Gläubigers in einer Nacht- und Nebelaktion von seinem Grundstück entfernt und mit dem gestohlenen Bagger vertauscht worden. Bei den Fahrzeugen habe es sich um baugleiche Modelle gehandelt und so habe quasi eine "Bagger-Wäsche" stattgefunden. Die Täter seien damit in den Besitz des Baggers mit Typenschild gekommen, den sie jederzeit legal veräußern könnten.

Schließlich sei es schon ein bemerkenswerter Zufall, dass es sich bei dem Diebesgut um genau das Fahrzeug handle, das nur wenige Kilometer vom Wohnort des Versicherungsbetriebswirts - der den Bagger als Sicherheit hatte abholen lassen - entwendet worden sei, mutmaßte der Angeklagte. Da das Gefährt mittlerweile sichergestellt und an die Eigentümerfirma zurückgegeben worden sei, sitze er nun auf einem Schaden von rund 20.000 Euro.

Dem gegenüber stand die Aussage des 43-jährigen Versicherungsbetriebswirts, der im Auftrag einer Lackiererei den Bagger als Sicherheit für unbezahlte Rechnungen in Höhe von 15.000 Euro vom Grundstück des Angeklagten abgeholt hatte. Demnach sei der Angeklagte vier Zahlungsaufforderungen nicht nachgekommen und habe deshalb den Bagger als Pfand eingebracht. Die Fahrzeugpapiere seien zu diesem Zeitpunkt nicht greifbar gewesen.

Nachdem kein Zahlungseingang erfolgt sei, habe er, nach einem persönlichen Telefonat mit dem Angeklagten, den Bagger schließlich vom Grundstück des Angeklagten geholt, auf das Firmengelände seines Auftraggebers gebracht und einen Tag später die weitere Verwertung geprüft. Dabei habe er das Fehlen des Typenschildes bemerkt. Noch am selben Abend habe der Angeklagte dann seine Schulden bezahlt und den Bagger wieder an sich genommen. Sowohl dieser Zeuge als auch die Ehefrau des Gläubigers betonten, dass der Bagger in diesem Zeitraum nicht von ihnen und auch nicht unbemerkt vertauscht worden sei.

Zähneknirschend Urteil angenommen

Nach Rücksprache mit seinem Verteidiger nahm der Angeklagte seinen Einspruch gegen den Strafbefehl über 60 Tagessätze zu je 40 Euro schließlich aufgrund der schlechten Beweislage zähneknirschend zurück. Ein Geständnis falle ihm schwer, da er den Bagger legal erworben habe und er nun vor einer wirtschaftlichen Katastrophe stehe, betonte der Angeklagte.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser