Die humane Schule und ihr Kapitän

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Eine Schultüte hatten die Lehrer für den neuen Chef Markus Hösl-Liebig zum "Schulanfang" gebastelt und füllten sie mit entsprechendem Proviant. Josef Grundner hatte zum Abschied ebenfalls eine solche Tüte bekommen für die neue Schule.

Wasserburg - Lob gehört bei Verabschiedungen einfach dazu. So sind es die Zwischentöne, die den Unterschied ausmachen.

Josef Grundner wurde am Montag bei seiner Verabschiedung von der Realschule mit äußerst warmen Tönen bedacht. Mit Konzentration und Betroffenheit folgten die Besucher den Abschiedsworten von Grundner, der elf Jahre in der Wasserburger Schulleitung war, sechseinhalb Jahre davon als Rektor. Sein Anliegen der "humanen Schule" konnte er dabei so glaubwürdig vermitteln, dass es anschließend minutenlangen Beifall gab.

"Erziehung erfolgt in erster Linie über das Herz" - das sei immer seine Überzeugung gewesen. In einem "herzlich-menschlichen" Klima der Wertschätzung würden Lehrer lieber und besser arbeiten und Schüler effektiver lernen, so ein bewegter Grundner: "Es ist kein Zufall, dass die Durchfallquote an der Realschule Wasserburg am Ende nur mehr bei drei Prozent lag." Das sei Zeichen für den großen Erfolg des gesamten Kollegiums und des "Dream-Teams" seiner Schulleitung, die Grundner bereits im Sommer in sehr persönlicher Weise verabschiedet hatten.

Zuvor hatte es von allen Seiten die Bestätigung gegeben, dass Grundner mit seinem Leitungsstil richtig gelegen hatte. Landrat Josef Neiderhell sprach von einem "hervorragenden Ruf der Realschule Wasserburg", die daher trotz Erweiterung schon wieder übervoll sei. Bürgermeister Michael Kölbl lobte den Ex-Schulleiter für seine "zielorientierte und ruhige Art", mit der er immer die ganze Schulfamilie im Blick gehabt habe. Und Elternbeiratsvorsitzender Dieter Klee sprach von "Augenmaß, Liebe und Herz", die in der Schule eben entscheidend seien.

Von der fachlichen Seite würdigte Peter Peltzer, Vorgänger Grundners und jetzt Ministerialbeauftragter für die Realschulen, den Schulleiter, der im Sommer an eine katholische Mädchenrealschule nach Erding gewechselt war. Grundner habe viele innovative Projekte umgesetzt, die Seminarschule eingeführt und sich durch eine sehr motivierende Mitarbeiterführung ausgezeichnet.

Dass der gleichzeitig eingeführte Nachfolger Markus Hösl-Liebig nach Wasserburg wollte, dafür hatte Landrat Neiderhell großes Verständnis: "Hier will man leben und arbeiten, hier gibt es eine moderne Schullandschaft und hohe Lebensqualität." Bürgermeister Michael Kölbl konnte einem Stadtbürger zur neuen Aufgabe Glück wünschen, denn der neue Schulleiter wohnt schon viele Jahre in Sichtweite der Realschule.

Peter Peltzer erinnerte daran, dass Hösl-Liebig die Realschule Traunreut "hervorragend aufgebaut" habe. Als Kunsterzieher bringe er den Blick für die Realität und das Feingefühl für die Menschen mit, außerdem denke er "sicher nicht nur schwarzweiß".

Seinen eigenen Stil setzte der neue Chef dann auch gleich um. Mit Musikelementen und durchgängig im Bild des "Kapitäns" bleibend gab er ein recht kreatives Bild seines Verständnisses von seiner Aufgabe. Der "Ozeanriese" Realschule Wasserburg - doppelt so groß wie die Traunreuter Fregatte - sei gut in Schuss. Daher "Leinen los", und zwar immer nach dem chinesischen Leitsatz: "Verwandle große Schwierigkeiten in kleine und kleine in gar keine."

Für Applaus aber auch Spekulationen sorgte die musikalische Umrahmung der Feierstunde. Neben den Schülern traten dabei auch drei Lehrerinnen auf und sangen das Volkslied vom Adam, der sich zuerst im Paradies eine Frau wünscht, nach einem Jahr aber gerne stattdessen seine Rippe wieder zurück haben will.

Vielleicht sei dies eine Anspielung, dass Josef Grundner nach einem Jahr von seinem Mädchen in Erding wieder zurück nach Wasserburg wolle, so die Vermutung. Klarer war dann das Abschiedslied: "I did it my way" - was Grundner angeht offensichtlich recht überzeugend.

koe/Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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