Seltenes Wallfahrtszeugnis

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Möglicherweise ein Mitglied der gräflichen Familie Törring-Jettenbach unternahm Mitte des 17. Jahrhunderts eine Pilgerreise nach Turin und stiftete das Bild, das in der Kirche St.Coloman in Schlicht zu sehen ist.

Wasserburg - In der Kirche St. Coloman in Schlicht hängt ein besonders Andenken an eine Wallfahrt: Ein Bild vom Grabtuch von Turin, das noch nicht ganz erforscht ist.

Es ist ein guter alter Brauch, von Wallfahrten Andenken mitzubringen, seien es Steine und Pflanzen, Abzeichen zum Anstecken an das Gewand, Gebetszettel oder Kopien der Gnadenbilder für die häusliche Andacht. Manchmal haben diese öffentlich zur Verehrung aufgestellten Kopien neue Wallfahrtsorte, wenn auch nur für einen eng begrenzten Raum, entstehen lassen, man denke nur an die vielen "Maria-Hilf"-Kapellen und Altäre.

Ein seltenes Beispiel für die Erinnerung an eine Wallfahrt hängt in der Kirche St. Coloman in Schlicht (Gemeinde Soyen) und belegt, dass ein adeliger Herr um die Mitte des 17. Jahrhunderts eine Pilgerreise zum Grabtuch von Turin unternommen hat. Zu diesem Grabtuch pilgerten auch dieses Jahr wieder über eine Millioen Menschen, da es bis Pfingsten nach längerer Zeit wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden war.

Das querformatige Gemälde in St. Coloman, etwa 190 mal 90 Zentimeter groß, zeigt das Linnen mit den Abdrücken der Brust- und Rückenseite des Gekreuzigten, das von der Muttergottes, dem Lieblingsjünger Johannes und Maria Magdalena in der Mitte und an den Ecken gehalten wird.

Obwohl die Szene nicht in einem sakralen Raum spielt, sondern vor einer Baumgruppe, befindet sich unterhalb der kostbaren Reliquie eine Altarmensa, auf deren Front ein fünfzeiliges Gebet wiedergegeben ist. Daran schließt sich die Versicherung an, dass derjenige, der dieses Gebet "vor dem bildt der H. Leinwat Christi andechtig" verrichtet, einen vollkommenen Ablass erhält und "ein Seel aus dem fegfeür" erlöst. "Clemens der 8. hats bewilliget Paulus 5. bestetiget", lautet die Versicherung der Gnadenerweise, die darauf schließen lassen, dass das Bild nach dem Pontifikat von Papst Paul V. (1605 - 1621) entstanden ist, da keine späteren Bestätigungen genannt sind.

Links von der Szene mit dem Grabtuch kniet der heilige Franziskus, der seine Wundmale zeigt. Kleiner ist dagegen auf der rechten Seite der betende Pilger und Votant dargestellt, ein auf einem Kissen kniender Adeliger mit Brustharnisch, geschlitzter Pluderhose, Degen und Stulpenhandschuhen. Leider enthält das Bild keinen unmittelbaren Hinweis auf die Person des Dargestellten.

Wenn man davon ausgehen kann, dass die Engelsköpfchen am Rahmen des Bildes von der gleichen Hand sind wie die am Altar, der 1645 entstanden ist, dürfte das Gemälde zur Originalausstattung der kleinen Kirche gehören, die 1644/45 vom Pflegsverwalter Veit Perckhamer auf Schloss Hohenburg, das seinerzeit zum Hochstift Regensburg gehörte, errichtet wurde. Und da die Wappen am Altar sowohl der gräflichen Familie Törring-Jettenbach als auch dem Hochstift Regensburg zuzuordnen sind, könnte es sich bei dem Pilger, der seinerzeit die Wallfahrt zum Grabtuch von Turin unternommen und das Bild zur Erinnerung daran gestiftet hat, um ein Familienmitglied derer von Törring-Jettenbach handeln. Aus dem Familienarchiv sind bislang keine Hinweise darauf bekannt, wohl aber auf einen Johann von Törring-Jettenbach, Mitglied des Deutschordens, der 1644 in einer Schlacht gefallen ist und dem die fürbittenden Gebete gelten könnten.

Leider gefährdet die Feuchtigkeit in der Kirche dieses einmalige Dokument, das dringend einer Restaurierung und auch weiteren Erforschung bedürfte.

fst/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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