Vielfacher Betrüger muss ins Gefängnis - Ziehsohn um 50000 Euro betrogen

Statt Geld anzulegen lieber ausgegeben

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Landkreis - Der ehemalige Gebrauchtwagenhändler Gerhard F. war ein Finanzjongleur. Seine Taschenspielertricks waren jedoch kriminell.

Weil es mit seinem Geschäft immer mehr bergab ging, betrog er Kollegen, Kunden, Firmen und Finanzinstitute. Fahrzeuge, die er in Kommission anbot, ließ er von Finanzierungsfirmen beleihen, um sie dann trotzdem als sein Eigentum zu verkaufen. Dazu fälschte er Fahrzeugbriefe, Kaufverträge und Ankaufsbescheinigungen.

Damit ein Betrug zweifelsfrei nachgewiesen werden kann, muss der Betrogene bestätigen, dass er im Wissen um die tatsächlichen Verhältnisse das angebotene Geschäft nicht getätigt hätte. So fragte die Vorsitzende des Schöffengerichts Rosenheim, die Richterin Jacqueline Aßbichler, einen Mann aus dem östlichen Landkreis, der um etwa 30000 Euro gebracht wurde, ob er denn dem Angeklagten dann dennoch Geld gegeben hätte. "Ja, bin ich denn ballaballa", rief der. "Ein Bekannter hat mir damals gesagt, er würde sich für die Glaubwürdigkeit des Angeklagten die Hände abhacken lassen. Der würde heute schön rumlaufen."

Ein anderer, der 68000 Euro verloren hatte, erklärte, dass es in diesem Geschäft um Vertrauen gegen Vertrauen gehe. "Wir haben schon über Jahre Geschäfte mitein-ander gemacht. Und es hat immer alles gepasst."

An die 700000 Euro betragen seine Verbindlichkeiten, erklärte der 45-Jährige, die aus dem Problemjahr 2009 (Abwrackprämie) und den daraus folgenden Verbind-lichkeiten resultierten.

Schwerwiegender als seine geschäftlichen Schwierigkeiten war aber der Vorwurf sei-ner früheren Lebensgefährtin und deren Sohn. Im August 2006 erlitt sein damaliger Ziehsohn einen Mopedunfall, bei dem dieser ohne Eigenverschulden lebensgefährlich verletzt wurde. Der Angeklagte, sein damaliger Ziehvater, erbot sich, alle Formalitäten wie Forderungen nach Schmerzensgeld für ihn abzuwickeln. Das Geld sollte für den Buben krisensicher angelegt werden. Spätfolgen des Unfalls waren nicht auszuschließen. Dieses Geld sollte ein Mindestmaß an Sicherheit für den Ziehsohn bieten. Die Mutter und damalige Lebensgefährtin des Angeklagten stellte ihm deshalb eine diesbezügliche Vollmacht aus. Zwischen Oktober 2006 und April 2010 flossen für Verdienstausfall, Schmerzensgeld und Schadensersatz insgesamt knapp 50000 Euro von der Versicherung des Unfallverursachers an den Ziehvater. Doch anstatt das Geld anzulegen, verbrauchte der die Beträge für sich und seinen Betrieb.

"Ich hab sein Geld in meinem Betrieb angelegt. Er sollte den Betrieb ja später übernehmen", erklärte der Angeklagte. Dass das Geld des 20-Jährigen verloren gehe, sei niemals beabsichtigt gewesen. So versuchte er sein Verhalten vor dem Gericht zu rechtfertigen.

Als sein ehemaliger Ziehsohn aussagte, klang dessen Version völlig anders: "Jeglichen Briefverkehr in dieser Sache hat er an sich gerissen. Als ich 18 Jahre alt war, war solche Post an mich adressiert. Deshalb habe ich ein solches Schreiben einmal geöffnet. Als ich ihn fragte, was es damit auf sich hätte, ist er völlig ausgerastet. Das ginge mich nichts an, und ich hätte die Finger davon zu lassen." Nach Aussage des jungen Mannes und seiner Mutter hatte der Angeklagte immer behauptet, das Geld sei fest angelegt und nicht ohne Weiteres greifbar.

Eine Entschuldigung des ehemaligen Ziehvaters lehnte der junge Mann ab. "Er hat damals mich und meine Mutter beschimpft und bedroht."

Die Staatsanwältin: "Der Angeklagte ist nicht vorbestraft. Das spricht für ihn. Aber dann ist es mit positiven Elementen schon vorbei. Das Geständnis ist ein halbes. Außerdem gibt es ohnehin nichts zu leugnen." Ob er bereit sei, das Geld einmal zurückzahlen, sei unsicher. Er habe zwar heute den dreifachen Vollstreckungstitel gegen sich akzeptiert. Aber was sei bei ihm zu holen, fragte die Staatsanwältin. Aufgrund der Vielzahl an Betrugs-, Untreue- und Fälschungstaten in zusammen 27 Fällen und wegen besonders verwerflicher Haltung gegenüber seinem ehemaligen Ziehsohn beantragte sie eine Gefängnisstrafe von drei Jahren.

Verteidiger Dr. Phillip Schweikart verwies darauf, dass es wirtschaftliche Zwänge gewesen seien, die seinen Mandanten diese falschen Maßnahmen hätten treffen lassen. Das Geld seines Ziehsohnes habe er damals wirklich im besten Wollen in die Firma investiert. Er bat um eine Verurteilung, die eine Bewährungsstrafe ermögliche. Nur so könne sein Mandant auch eine Wiedergutmachung in Angriff nehmen.

Das Gericht stellte in seinem Urteil die grundlegende Frage: "Wo ist das Geld geblieben?" Es bezweifelte, dass alleine aus unglücklichen Geschäftssituationen eine solche Schieflage entstehen konnte. Dazu habe der Angeklagte das Geld seines Ziehsohnes über einen Zeitraum von vier Jahren kontinuierlich veruntreut. "Hier ist von gutem Willen und Wollen nichts zu erkennen", so die Richterin. Das Urteil lautete: zwei Jahre und zehn Monate Gefängnis.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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