"Mittelschule bringt keine Rettung"

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Rott - Harsche Kritik an der "Mittelschule" gab es bei einer bildungspolitischen Veranstaltung der Rotter SPD.

Auch Bürgermeister Marinus Schaber machte klar, dass die Kommunen nicht glücklich mit dieser neuen Einrichtung sind.

Die Rotter SPD lud zu einer Veranstaltung mit den Landtagsabgeordneten Maria Noichl und Martin Güll zum Thema "Schulverbund und Mittelschule" ein. Dabei sollen auch die Auswirkungen auf den Standort Rott diskutiert werden. Mit dem Besuch von rund 50 Bürgern war man dabei nicht zufrieden: Das sei bezeichnend, fand der Landtagsabgeordnete und Mitglied im Landtagsausschuss für Bildung, Martin Güll, vorher über dreißig Jahre Lehrer und Schulleiter.

Die 960 Hauptschulen mit etwa 180.000 Schülern in Bayern leisteten eine sehr gute Arbeit. Doch leider finde diese Arbeit keine Anerkennung, beklagte er. Viele Eltern verstärkten in der vierten Klasse den Druck auf ihre Kinder, um einen Übertritt auf die Realschule oder das Gymnasium zu ermöglich. Dieser Notendurchschnitt werde oft nur mit Druck und Nachhilfeunterricht erreicht. Das bedeute, dass für ein schulisches Weiterkommen auch der finanzielle Hintergrund der Eltern wichtig sei.

"Unser Schulsystem ist zu starr", kritisierte Martin Güll, es berücksichtige nicht die unterschiedlichen Talente. Die Hauptschule würde ausbluten und nur die Schüler beherbergen, die den Notendurchschnitt für den Übergang nicht schaffen, so seine Prognose. Hier helfe auch die "neue" Mittelschule nicht. Kleine Schulen, die die dafür erforderlichen Bildungsangebote nicht allein bereitstellen könnten, müssten wieder in Schulverbünden zusammenarbeiten.

Wie Bürgermeister Marinus Schaber erklärte, sei keiner der 46 Bürgermeister im Landkreis Rosenheim von diesem Konzept begeistert, doch um den eigenen Schuldstandort zu sichern, haben sich bereits Partnergemeinden gefunden. So plant Rott, mit Edling und Wasserburg einen Schulverband zu gründen. Die Fachrichtungen sollen auf die Schulen im Schulverbund verteilt werden, die Busfahrten der Schüler würden zwangsläufig zunehmen. Aber die Zukunft der Rotter Schule sei trotzdem nicht garantiert, etwa wenn die gewählte Fachrichtung nicht genügend gefragt sei, weil zum Beispiel viele Schüler eine "ortsnahe Fachrichtung" wählen werden.

Güll fragte: "Glauben Sie, dass die Wasserburger Hauptschüler nach Rott für die Fachrichtung Technik kommen? Viele bleiben in Wasserburg und wählen einen anderen Zweig."

Güll war überzeugt, dass sich auch in Bayern integrative Lösungen, in der Regel im Ganztagsbetrieb, durchsetzen werden. "Individuelle Förderung mit anerkannten Schulabschlüssen, in überschaubaren Einheiten und das noch wohnortnah, das ist die Schule der Zukunft", war der SPD-Bildungsexperte überzeugt.

Dazu wären aber Visionen notwendig und die "haben weder Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle noch seine kultusministeriellen Berater", so Martin Güll.

hri/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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