"Drei Millionen Euro verbaut und man sieht so gut wie nichts davon!"

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Bürgermeister Michael Kölbl, Kathrin Pollinger vom Wasserwirtschaftsamt und Planer Dierk Bauer (von rechts) drehten kräftig und schon rauschte das Abwasser hörbar von Attel Richtung Kläranlage in der Odelshamer Au.

Wasserburg - Bürgermeister Michael Kölbl nahm an der offiziellen Inbetriebnahme des Kanalanschlusses der südlichen Stadtteile teil:

Der neue Kanal ersetzt die alte Kläranlage Attel. "Beim ersten Loch, dass wir gegraben haben, haben wir gleich eine Wasserleitung abgerissen", erinnerte sich Planer Dierk Bauer schmunzelnd an den holprigen Beginn der Arbeiten an der 5,6 Kilometer langen Kanalstrecke von Attel nach Gabersee. Insgesamt aber, da waren sich bei der gestrigen offiziellen Inbetriebnahme alle Beteiligten einig, seien die Arbeiten und auch die begleitenden Verhandlungen bemerkenswert gut verlaufen.

Bürgermeister Michael Kölbl erinnerte kurz an die Vorgeschichte des Kanalbaus. Schon 2005 habe der Kläranlagenreferent des Stadtrates, Hans Köck, angemahnt, dass die Anfang der 70er-Jahre gebaute Kläranlage in der Atteler Au dringend sanierungsbedürftig sei. "Wir wussten, da kommt was auf uns zu", so Kölbl. Der Stadtrat habe lange überlegt und gerechnet, ob die alte Kläranlage saniert werden, an gleicher Stelle eine neue gebaut werden oder doch besser ein Kanal zur großen Kläranlage der Stadt in der Odelshamer Au gebaut werden sollte. Letzteres erwies sich schlussendlich als die wirtschaftlichste Lösung.

Denn ein Kanal ist weniger störanfällig als eine Kläranlage, die Werte einer großen Anlage sind meist besser, der Personal- und Arbeitsaufwand geringer. Zudem konnten mit dem neuen Kanal auch die Stadtteile an die Kläranlage angeschlossen werden, die es bisher nicht waren. Denn neben Attel hängen nun auch Limburg, Kornberg, Au, Reisach und Gern am städtischen Abwassernetz.

Aus mehreren möglichen Trassenvarianten entschied sich der Stadtrat schließlich für eine Trasse entlang der Gemeindeverbindungsstraße Attel-Gern, hoffte, dass die Straße das aushalten würde "und verlor", so Kölbl grinsend. Denn diese Straße ist so schmal, dass sie nach den Kanalarbeiten komplett erneuert werden musste. Und zu größeren Umwegen für Anlieger und Baufahrzeuge während der Arbeiten führte.

5,6 Kilometer ist der Kanal lang. Zum Teil wurde er im Spülbohrverfahren verlegt, zum Teil klassisch im aufgebaggerten Graben. Fünf Pumpstationen waren entlang der Strecke bis Gabersee, wo der Kanal an das bestehende Netz der Stadt anschließt, nötig, gut die Hälfte der Strecke transportiert das natürliche Gefälle des Geländes das Schmutzwasser weiter. In Attel, am Rande des Stiftungsgeländes, wurde ein Stauraumkanal angelegt, der so groß ist, dass acht Stunden kompletter Strom- und damit Pumpenausfall überbrückt werden können.

Erst im Februar dieses Jahres wurden die Arbeiten am Abwasserkanal vergeben - zumeist aus Firmen in der Region - und bereits im November lief das erste Mal Schmutzwasser Richtung Wasserburg. "Eine kurze Bauzeit für die anspruchsvolle Topografie", stellte Planer Bauer fest. Er sei oft in den östlichen Bundesländern beschäftigt, so Bauer, und müsse dort immer die billigsten Materialien verbauen. Deswegen sei er besonders froh, dass sich die Stadt Wasserburg für eine langlebige Lösung entschieden habe. Das verhindere böse Überraschungen in ein paar Jahren und halte dadurch auch die Abwassergebühren in Grenzen.

Michael von Berg vom Wasserwirtschaftsamt (WWA) Rosenheim betonte, dass dieser Kanal auch aus Sicht seines Amtes eine sehr wichtige Infrastrukturmaßnahme sei. "Es ist immer gut, wenn eine Kommune für bestmögliche Verhältnisse sorgt." Das WWA sei dem bayerischen Umwelt- und Gesundheitsministerium unterstellt, so von Berg, denn dass Kläranlagen und Kanal etwas für die Umwelt täten - nämlich die Gewässer sauber zu halten, sei unbestritten. Aber auch die positiven Aspekte einer geregelten Schmutzwasserentsorgung für die Gesundheit der Menschheit habe sich über die Jahrhunderte erwiesen. Da sei es keine Frage gewesen, dass sich das WWA gerne mit einer halben Million Euro Fördergeldern an der Kanalbaumaßnahme beteiligt habe.

Zufriedene Mienen bei allen Beteiligten bei der offiziellen Inbetriebnahme des drei Millionen Euro teuren Kanals. Und wippende Füße. Dafür sorgte eine vierköpfige Combo der "Attler Bunten Mischung" mit schwungvoller Musik. "Das haben wir auch nicht alle Tage", so ein sichtlich begeisterter Michael von Berg.

syl/Wassserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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