"Nicht nur beten, wenn es klingelt"

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Bürgermeister Hans Thurner (rechts) und viele Obinger nahmen den Primizianten am Samstag auf dem Rathausplatz in Empfang.

Obing - P. Robert Mehlhart feierte seine Heimatprimiz in seinem Heimatort Großbergham mit vielen Gläubigen, dem Pfarrverband und über 40 Dorfvereinen.

"Armer Kerl", " verstehst du das - in so einer Kirche" oder " so ein fescher Kerl, was der für eine Karriere machen könnte, ist der verrückt"? "Muss einer verrückt sein, der sich heute für den Priesterberuf oder ein Leben im Orden entscheidet?" Diese provokanten Fragen stellte der Primizprediger P. Dominik Sadrawetz OSA, Prior der Augustiner in Wien und langjährige Wegbegleiter des Primizianten.

Die Antwort gab er sich selbst: Ja, es sei ein bisschen verrückt, aber auch notwendig in dieser Zeit. Der Priesterberuf sei nicht der Schlechteste in dieser, immer mehr am Diesseits orientierten Welt, um den Menschen Orientierung zu geben. Die Gesellschaft drohe zu zerfallen und die Angst vor der Zukunft, vor Bindungen und dem Verlust der Freiheit lasse die Menschen nach Werten suchen. Doch woher sollten die kommen?

Kaum zu überblicken war die Schar der Gläubigen, die am Sonntag zum Freiluftgottesdienst nach Großbergham gekommen war.

Robert Mehlhart habe, angespornt durch den Regensburger Domkapellmeister Georg Ratzinger, nach dem Abitur seinen Weg gefunden. Aus Liebe zu Gott und der Leidenschaft zu den Menschen sei er Priester geworden. Um die Frage nach Gott wach zu halten. "Priester fallen nicht vom Himmel, sondern sie wachsen auf Erden", stellte P. Dominik fest. Dafür brauche es einen guten Boden und den scheine es in Obing zu geben, denn in den letzten 18 Jahren seien hier drei Priester geweiht worden. Daher dankte P. Dominik dem lebendigen Pfarrverband für seine Unterstützung.

Darauf hatten alle gewartet: P. Robert Mehlhart spendet den Primizsegen.

Für die Pfarrei Obing sei die Primiz, nach dem kürzlich gefeierten 50. Priesterjubiläum von Pfarrer Georg Blabsreiter, ein absoluter Höhepunkt, betonte Pfarrgemeinderatsvorsitzende Resi Bauer und die Begeisterung schwappte auch über die ganze Pfarrgemeinde. Viele bereiteten dem Primizianten bereits am Samstag einen würdigen Empfang, als Bürgermeister Hans Thurner den jungen Dominikaner auf dem Rathausplatz empfing. "Jetzt is er do", stellte Thurner fest und hob hervor, welch außergewöhnliches Fest die Primiz für die ganze Gemeinde und den Pfarrverband sei. Bei einer anschließen Vesper in der Pfarrkirche, die von den Albertaicher Dirndl gestaltet wurde, betonte P. Robert wie schön es sei, dass sich der Kreis für ihn nun schließe: Vor 17 Jahren habe er diesen Ort mit einem weinenden Auge verlassen und nun kehre er zu so einem freudigen Anlass zurück.

Mit einer großen Schar Gläubiger feierte P. Robert Mehlhart dann am Sonntag seine feierliche, doch auch sehr gefühlvolle Primiz am festlich geschmückten Freiluft-Altar in Großbergham und spendete den allgemeinen Primizsegen. Dabei übertrafen die Besucherzahlen wohl die kühnsten Erwartungen, denn die Hostien wurden knapp, doch am Ende reichte es gerade für alle. Die Freude des Primizianten war stets spürbar und wirkte ansteckend. Musikalisch umrahmt wurde die Messfeier von der Singgemeinschaft und den vier Chören des Pfarrverbands.

P. Robert dankte allen, die es ihm ermöglicht hatten, seine Heimatprimiz in seinem Heimatort zu feiern, an einem Platz, mit dem er so schöne Kindheitserinnerungen verbinde. Er dankte auch den vielen Gottesdienstbesuchern, "denn ein Priester ohne Gemeinde ist eine Wursthaut ohne Weißwurst".

In den vergangenen Tagen habe er auch viele Kranke daheim besucht und sich damit in deren Wohnungen auf eine Zeitreise begeben. In den Fünfzigern habe man nicht viel gehabt, heute floriere der Landstrich. Das sei mit viel Glaube, Fleiß und Arbeit möglich geworden. Ein Mitbruder habe ihm einen wichtigen Satz mit auf den Weg gegeben: "Nicht nur beten, wenn es klingelt" und damit sei gemeint, dass Glaube und Gebet in den Alltag einfließen sollten.

Pfarrer Martin Klein überreichte P. Robert einen Messkoffer für unterwegs, in dem sich die wichtigsten Utensilien für eine Messfeier befinden und einen Geldbetrag, von dem sich der Pater Evangeliarien für seine Zelle kaufen möchte. In einer Schlussvesper in der Pfarrkirche spendete P. Robert am Sonntagnachmittag den Gottesdienstbesuchern dann noch den persönlichen Primizsegen.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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