Noch Stille bei Windrädern

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Die grün markierten Flächen sind für Stromerzeugung per Windkraft aufgrund von Windstärke und notwendigem Abstand zu Siedlungen grundsätzlich geeignet. Für gelbe Flächen gilt dies bedingt. Nicht berücksichtigt ist, ob das fragliche Gebiet unter Naturschutz steht oder ob dort bereits andere Nutzungen geplant sind. Auch Faktoren wie Zugänglichkeit oder Bodenbeschaffenheit sind nicht eingearbeitet.

Landkreis - Sie befinden sich auf einem passwortgeschützten Server: die Detailkarten der bayerischen "Gebietskulisse Windkraft".

Seit wenigen Tagen haben Kommunen exklusiv die Möglichkeit, sich genau zu informieren, wo Windkraftanlagen sinnvoll und möglich sind. Der Freistaat gewährt Städten und Gemeinden damit einen Informationsvorsprung, bevor die Karten in drei Monaten veröffentlicht werden. Doch im Landkreis Rosenheim hält sich die Aufregung in Grenzen. Hier will man die Entwicklung über einen Regionalplan steuern.

Für viele Bürger sind sie eine Horrorvorstellung: Windräder mit Rotordurchmessern von 60 Metern und Höhen von 140 Metern. Doch im Zuge der Energiewende braucht Bayern 1000 bis 1500 solcher Windkraftanlagen zur Stromerzeugung. Gut geeignet dafür sind aber lediglich zwei Prozent der Landesfläche. Die neue "Gebietskulisse für Windkraft" gibt Auskunft darüber, wo es genügend Wind gibt und zugleich der vorgeschriebene Abstand von 800 Metern zu Siedlungen eingehalten werden kann. Eine grobe Übersicht für den Landkreis Rosenheim zeigt unsere Karte.

Eine der Gemeinden im Landkreis, die eine größere geeignete Fläche hat, ist Bruckmühl. Wenn Bürgermeister Franz Xaver Heinritzi aus dem Fenster seines Amtszimmers im Rathaus schaut, kann er das fragliche Gebiet sogar sehen: "Wir wurden vom Windatlas nicht überrascht", sagt Heinritzi. Die Eignung des Gebiets war in Bruckmühl längst bekannt. "Aber noch ist es windstill", meint er lachend.

Handlungsdruck hat der Windatlas in der Mangfalltalgemeinde nicht ausgelöst: "Wir werden uns erst einmal anschauen, was Fakt ist und gut überlegen", so Heinritzi. Von der Vorstellung des Ministeriums, die Kommunen sollten in den nächsten Monaten eigene Windkraftprojekte anschieben oder gleich Vorverträge mit Grundstückseigentümern abschließen, hält Heinritzi nichts. Er ist überzeugt, dass solche vorschnellen Aktionen nur Widerstände unter den Bürgern hervorrufen würden.

Gibt es nun Befürchtungen, dass die Gemeinde dem Bau einer Windkraftanlage zustimmen müsste, wenn sie beantragt wird? Immerhin sind Windräder in Außenbereichen vom Baurecht her privilegiert. Sie müssen demnach genehmigt werden, wenn Abstände und Immissionswerte eingehalten werden und keine öffentlichen Belange entgegenstehen. Dennoch macht sich Heinritzi keine Sorge, dass die Marktgemeinde von einer möglichen Entwicklung überrollt wird. Die Kommune könne sehr wohl über Flächennutzungspläne die Entwicklung steuern.

Entspannt gibt man sich auch im Rosenheimer Landratsamt. "Das Thema Windenergie wurde bereits vom Regionalen Planungsverband angegangen", so Sprecher Michael Fischer. Bei einer Sitzung im November wurde beschlossen, den Regionalplan mit dem Themenbereich Windenergie fortzuschreiben. Derzeit ist ein TÜV-Gutachten in Auftrag, das Standorte im Landkreis genau auf ihre Eignung untersucht. Es wird nicht nur geprüft, ob ausreichend Wind vorhanden ist, sondern auch, ob beispielsweise schutzwürdige Gebiete betroffen sind. "Diese Potenzialanalyse ist dann ein Standbein für die Fortschreibung des Regionalplans, über die Mitte des Jahres abgestimmt werden soll", so Fischer. Zuvor haben die Kommunen noch Gelegenheit, die Analyse mit eigenen Plänen für Wohn- oder Gewerbegebiete abzugleichen.

Der Vorteil des Regionalplans: In ihm können gemeindeübergreifend Zonen festgelegt werden, in denen man sich Windkraft vorstellen kann. Andere Bereiche lassen sich dagegen komplett ausschließen. Auch die Privilegierung im Außenbereich ist in diesen Zonen dann hinfällig. Damit gibt es in vielen Gemeinden keinen Handlungsbedarf.

Im Landratsamt warnt man vor überzogenenen Befürchtungen: "Auch wenn jetzt geeignete Flächen verzeichnet sind, heißt das noch längst nicht, dass an jedem geeigneten Standort morgen eine Windkraftanlage stehen wird", so Fischer.

Bürgermeister Heinritzi sieht dies ähnlich. Er glaubt nicht, dass auf Bruckmühler Gebiet jemals ein Windrad gebaut wird: "Das ist alles Moor da draußen." Auf diesem Grund ein Windrad hinzustellen, sei viel zu teuer.

Klaus Kuhn (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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