Gut sein - und gut darstellen

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Hinein in die Stadt: Wasserburg ist beliebtes Ausflugsziel von Radlern.

Wasserburg - Jahrzehntelang hat der Tourismus im Wasserburg Land sein Licht unter den Scheffel gestellt. Denn mit dem Beherbergungsangebot und der Ausstattungsqualität kann er durchaus mit Aushängeschildern wie der Chiemseeregion mithalten.

"Nur leider weiß das kaum einer", lautet das Fazit von Tourismusexperte Professor Dr. Dr. Ulrich Pietrusky, der im Auftrag des Fremdenverkehrsverbandes Wasserburger Land eine Studie erstellt hat.

Dramatische Rückgänge hat die deutsche Alpenregion nach Angaben von Professor Dr. Dr. Ulrich Pietrusky in den vergangenen Jahren im Tourismus verbucht. Von 1995 bis 2005 gingen nach Informationen des Untersuchungsleiters 25 Prozent an Übernachtungen in der Region Südostoberbayern verloren. Nicht so im Wasserburger Land: Die Zahl der Beherbergungsbetriebe und Betten sowie der Übernachtungen ist hier von 1977 bis 2007 "ganz gegen den Trend" gestiegen, teilte er bei der Vorstellung der Studie im Hotel Fletzinger mit..

Überreichten an Claudia Leppin vom neuen Dachverband das Tourismuskonzept für das Wasserburger Land: Professor Dr. Dr. Ulrich Pietrusky und Bürgermeister Michael Kölbl (rechts).

Kein Wunder: Eine Analyse des Büros für Orts- und Regionalplanung Passau im Auftrag des Fremdenverkehrsverbandes Wasserburger Land unter Vorsitz von Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl attestiert der Region eine gute touristische Infrastruktur. "Relativ hoch" sei der Anteil an Hotels, Pensionen und Gasthöfen. Beim Mindeststandard in punkto Ausstattung könne das Wasserburger Land sogar mit dem renommierten Chiemseeverband mithalten: 85 Prozent aller Gästezimmer im gewerblichen und privaten Bereich seien mit einer Nasszelle ausgestattet.

Trotzdem weisen nach Pietruskys Recherchen nur drei der 16 Mitgliedsgemeinden in den Altlandkreisen Wasserburg und Mühldorf klassifizierte Betriebe aus. Von den 177 mit Sternen ausgezeichneten Betten im Wasserburger Land liegen 165 allein in Schechen, aufgrund eines einzigen Betriebes "Fackelträger" in der Region vor Wasserburg und Amerang.

Die Tatsache, dass zu wenig Betriebe klassifiziert sind, obwohl sie durchaus die Qualität für drei bis vier Sterne hätten, ist nach Ansicht des Tourismusexperten ein "großer Mangel in der Außendartellung" der Region. "Ohne Not" verzichte sie auf einen bedeutenden Marketingeffekt. Auch die Gastronomie sei qualitativ und quantitativ gut aufgestellt. Auch hier forderte Pietrusky eine Marketingoffensive.

Einfacher gesagt als getan: Denn der Fremdenverkehrsverband Wasserburger Land besitzt ausschließlich ehrenamtliche Strukturen. Die Einbindung in den neuen, landkreisweiten und mit hauptamtlichen Kräften ausgestatteten Tourismusverband Chiemsee-Alpenland sieht er nach Angaben von Kölbl deshalb als Chance für eine bessere Darstellung.

Mit welchen Positivmerkmalen sich das Wasserburger Land einbringen möchte, sollte die Studie erarbeiten. Mit der Analyse und den Konzepten, die in einem Arbeitskreis aus Tourismusvertretern der Mitgliedsgemeinden aus der Region Wasserburg entwickelt wurden, wollte der Verband außerdem verhindern, "dass wir in der neuen Tourismusregion untergehen". Denn organisatorisch gesehen ist das Wasserburger Land aufgrund der ehrenamtlichen Struktur ein "weißer Fleck" auf der Karte des großen, neuen Dachverbandes und steht im Schatten von Chiemsee sowie Wendelstein, bedauerte Kölbl.

Sicherlich unberechtigt, wie die Studie von Pietrusky zeigte. Trotzdem verdeutlichte die Vorstellung, dass es die Region nicht leicht haben wird: Denn mit großen Tourismusthemen wie dem Bergsport oder dem Chiemsee kann sie nicht aufwarten. Der typische Urlauber im Wasserburger Land ist nach Angaben von Kölbl der kultur- und naturinteressierte Radlfahrer. Wie kann die Region dafür sorgen, dass er ihr die Treue hält und weitere Touristen ansprechen? Für Pietrusky steht fest: Die Klassifizierung muss intensiviert, die Außendarstellung ausgeweitet werden. Denn auch im Tagungstourismus liege eine Chance angesichts der Nähe zum Flughafen München und zur Messe Riem. Auch das geplante neue Hotel in Wasserburg bewertet er deshalb positiv.

Der Arbeitskreis des Fremdenverkehrsverbandes schlug außerdem vor, einen Gastronomie- und Erlebnisführer herauszugeben, die Infrastruktur - etwa in der einheitlichen Beschilderung der Radlwege - weiter zu verbessern. Ziel sei es, dass sich das Wasserburger Land als Untermarke im Dachverband Chiemsee-Alpenland etabliere.

"Satteln Sie auf das Zugpferd auf", appellierte auch Claudia Leppin, Geschäftsführerin der neuen Dachorganisation Chiemsee-Alpenland Tourismus GmbH, an die Vertreter des Wasserburger Landes. Sie versprach Unterstützung bei der Klassifizierungsoffensive und beim Marketing. Das Wasserburger Land erhalte die Chance, sich als "homogene Submarke" innerhalb des neuen Dachverbandes zu präsentieren.

Ein erster symbolischer Schritt ist auch durch die Namensänderung des Fremdenverkehrsverbandes vollzogen worden: Er heißt nun nicht mehr "Wasserburger Kreis", sondern "Wasserburger Land" und trägt damit die Region im Namen, die es zu repräsentieren gilt.

duc/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser