Seltene Kunst im Friedhof

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Die Befundung ist abgeschlossen: Klar ist, dass die Wände von unten bis oben 1838 kunstvoll gestaltet wurden und die Malerei so gut wie ganz erhalten ist.

Wasserburg - Eine große Überraschung gab es jetzt im Wasserburger Altstadtfriedhof: Die Aussegnungshalle ist von oben bis unten mit Enkaustik-Malerei gestaltet.

Die "totale Überraschung" sei es für sie und den Fachmann vom Denkmalamt gewesen, was sie in der Aussegnungshalle im Wasserburger Altstadtfriedhof fanden: Die Wände des ganzen Raumes sind von unten bis oben mit sogenannter Enkaustik-Malerei gestaltet. Für die Kirchenmalerin und Restauratorin Doris Wolf-Reich war es "ein sehr schönes Erlebnis, so etwas zu finden. Es ist schon eher außergewöhnlich und sehr interessant".

Viele Schichten sind es gar nicht, die über dem Kunstwerk aus der Mitte des 19. Jahhrhunderts in den vielen Jahren darüber gelegt wurden. Und die Malerei ist bis auf einen kleinen Bereich, der für die Elektrik angebohrt wurde, erhalten. Die Befunduntersuchung sei, so berichtete Stadtbaumeister Manfred Förtsch-Menzel in der jüngsten Stadtratssitzung, abgeschlossen. Derzeit liege das Ergebnis beim Amt für Denkmalpflege, um sich über die weitere Vorgehensweise bei der geplanten Sanierung der Aussegnungshalle abzustimmen.

Die Enkaustik, eine Maltechnik, bei der in Wachs gebundene Farbpigmente heiß auf den Maluntergrund aufgetragen werden, erlebte ihre Blütezeit in der griechisch-römischen Antike. Weil die Technik sehr aufwändig ist, geriet sie irgendwann in Vergessenheit. Als dann die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur der Antike wieder modern wurde, beschäftigten sich auch Künstler und Forscher mit dieser längst vergessenen Maltechnik. In Bayern sei es, so die Restauratorin, Ludwig I. gewesen, der die Enkaustikmalerei unter anderem forcierte. Damit die Handwerker die alten Techniken lernten, habe er viele nach Italien geschickt, aber auch viele Italiener nach Bayern geholt.

In der alten Pinakothek ist Enkaustikmalerei zu sehen, ein anderes Beispiel außer der Wasserburger Aussegnungshalle fällt Doris Wolf-Reich zwischen München und Wasserburg zumindest auf die Schnelle nicht ein.

Begeistert ist die Restauratorin nicht nur von den floralen Motiven und der Architekturdarstellung, die bei der Befundung in Enkaustik-Technik gefunden wurden. Sie schwärmt auch von Farben und den "sehr schönen Pigmenten, die schimmern und so einen Kupfereffekt erzeugen". Und schließlich ist die ganze Aussegnungshalle, die nicht einfach nur eine Leichenhalle sei, sondern ein architektonisch durchgeplantes, sehr filigranes Gebäude mit einem ausgeklügelten Farbkonzept, "wunderschön".

vo/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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