Spritzenkur für Brucktor

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Schuld an den Schäden: der Autoverkehr auf der Innbrücke.

Wasserburg - Spätestens bis zum Bürgerspiel hätte die Fassade des Brucktors in neuem Glanz und ohne Gerüst erstrahlen sollen. Doch daraus wurde nichts: Zu groß waren die Schäden.

Als Doris Wolf-Reich im Herbst zum ersten Mal vom Gerüst aus die Brucktor-Fassade genauer in Augenschein nehmen konnte, "hätte mich beinahe der Schlag getroffen. Ich hab gedacht, das kommt in 14 Tagen alles herunter." So erinnert sich die Restauratorin an die erste Bestandsaufnahme an der Stadtbild prägenden Fassadenmalerei. In großen Schollen hatte sich der bemalte Putz vom Untergrund gelöst, dahinter waren massive Hohlräume entstanden.

Immerhin: Die Malerei aus dem Jahr 1890 hat dann doch noch einen Winter gehalten und ist inzwischen gesichert. "Unmengen" von speziellem Fließmörtel wurden mit Spritze und Kanüle hinter die Platten eingebracht. Dabei half mit Michael Schuhmacher ein Fachmann. Dann wurden die Risse geschlossen, es wurde alles mehrfach gereinigt. Nun ist Doris Wolf-Reich an der Retousche und freut sich, dass ein Ende in Sicht ist: Ende Juli soll die Restaurierung abgeschlossen werden, Mitte August das Gerüst weg sein, so Stadtbaumeister Manfred Förtsch-Menzel.

Strich für Strich bessert Doris Wolf-Reich im Moment die Brucktor-Malerei aus.

Bis dahin wird die nach Einschätzung der Fachfrau "relativ qualitätvolle Arbeit" Pinselstrich für Pinselstrich ausgebessert. Das war seit 1890 schon mindestens zweimal geschehen. Und in den 80er-Jahren war die Fassade auch schon einmal hinterspritzt und verdübelt worden.

Doch das half und hilft wohl auch in Zukunft nur bedingt: Ursache sei der starke Verkehr über die Innbrücke mit seinen laufenden Mikro-Erschütterungen, "und das wird auch ein Problem bleiben", so Wolf-Reich.

Die hat bei ihrer Arbeit aber auch ein paar erfreuliche Entdeckungen gemacht. So befindet sich unter der aktuellen Malerei auch eine ältere Fassadengestaltung, teilweise aus dem 15. Jahrhundert. Und auch die wieder freigelegten gotischen Friese aus Tuffstein seien sehenswert, meint sie.

ältere Schichten als erwartet fanden sich auch neben dem Brucktor am Pensionat. Dort ist eine Fassade aus dem 17. Jahrhundert und in Teilen sogar noch älter unter dem aktuellen Putz verborgen. Der wurde mit einem Spezialverfahren von der letzten Farbschicht befreit, für die ein falsches Mittel gewählt worden war. Dadurch waren Spannungen entstanden, der Putz hatte sich auch hier teilweise gelöst. Mit Trockeneis wurde diese Farbe inzwischen entfernt, der endgültige Anstrich wird im Moment gerade vorbereitet. Die Farbgestaltung soll sich dabei nicht wesentlich ändern.

Inzwischen gibt es auch einen endgültigen Fertigstellungstermin für das komplette Ensemble: Die Bauarbeiten am Pensionat sollen bis Ende des Jahres abgeschlossen sein, das etwas dahinter liegende und noch ältere Ferstlhaus werden die Restauratoren Ende März übergeben können. Daher hat sich die Stadtverwaltung nun auch entschlossen, den Bezugstermin etwas nach hinten zu ziehen und die Räume komplett ab 1. April 2010 zu beziehen.

Quelle: rosenheim24.de

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