Sprudelnde Quelle für Familienforscher

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Optisch unspektakulär kommen sie daher, die Sterbebücher. Für Familienforscher, Grundbuchämter oder Erbenermittler sind sie dennoch wichtig, sind doch neben Geburtsort und -datum sowie Sterbeort und -datum auch die letzte Adresse und der Beruf verzeichnet - genug Anknüpfungspunkte für weitere Recherchen.

Wasserburg - Familienforscher taten sich bisher oft schwer, an die entsprechenden Dokumente heran zu kommen. Nach einer Gesetzesänderung reicht jetzt oft der Gang ins Stadtarchiv.

Familienforscher taten sich bisher oft schwer, an die entsprechenden Dokumente und Informationen heran zu kommen. Viele wandten sich deshalb an die Zentralbibliothek der Mormonen in Salt Lake City, die eine riesige Sammlung auch europäischer Daten besitzt. Jetzt reicht oft der Gang ins Stadtarchiv.

 "Personenstandsreformgesetz" - dieses Wortungetüm beziehungsweise der Inhalt des Gesetzes, lässt für Heimat- und Familienforscher eine ganz ergiebige Quelle sprudeln. Denn das Gesetz von 2009 besagt, dass die Personenstandsbücher, die seit 1876 in den Standesämtern geführt werden, nach dem Ablauf von bestimmten Fristen ins Archiv überführt werden müssen. Was in Wasserburg überhaupt kein Problem war, in ein paar kleineren Standesämtern wegen Pfründeverlust aber nicht auf Begeisterung stieß, wie Stadtarchivar Matthias Haupt von Kollegen aus anderen Teilen des Landes hörte.

Da Wasserburg das Zentralstandesamt für acht Gemeinden ist, landeten entsprechend viele Personenstandsbücher bei Haupt und seinem Mitarbeiter Martin Mazarin. "Das war schon eine ganz schöne Aufgabe, die da nochmal dazu kam", konstatiert Haupt. Allerdings hat das "Personenstandsreformgesetz" zur Freude Haupts und seiner professionellen Kollegen dazu geführt, dass sich viele Gemeinden überhaupt erst mit dem auseinandersetzten, was da an alten Unterlagen in irgendwelchen Nischen ihrer Rathäuser lag und ihre eigenen Gemeindearchive aufbauen.

Für das Geburtenverzeichnis gilt eine Frist von 110 Jahren, für die Eheschließungen sind es 80 Jahre und die Sterbebücher wandern nach 30 Jahren ins Stadtarchiv. "Gerade die Sterbebücher sind damit die wichtigsten, über einen langen Zeitraum zurückreichenden Quellen für Familienforscher", erklärt Haupt.

Aber nicht nur für Familienforscher: Auch Erbenermittler nutzen die Sterbebücher relativ häufig, ebenso Grundbuchämter oder Notare, wenn es um die Löschung eingetragener Wege- oder Wohnrechte geht. Eine einzelne Anfrage beschäftigt die Archivmitarbeiter eine Weile, wenn keine genauen Daten vorhanden sind.

Für alle Beteiligten einfacher ist es, wenn Heimat- oder Familienforscher direkt ins Stadtarchiv in der Kellerstraße kommen, selber die relevanten Daten suchen. Berührungsängste muss dabei niemand haben, versichert Haupt. "Ersttätern" erklärt der Stadtarchivar, was geht und was nicht geht, wie und wo man am geschicktesten sucht und wo möglicherweise Daten vor 1876 zu finden sind - in den Pfarreien, so viel sei verraten. Außerdem gibt es auf Wunsch Nachhilfe, wie man über die reinen Daten hinweg einen kleinen Lebenslauf hinbekommt. Und eine sehr übersichtliche "Gebrauchsanweisung" auf der Internetseite des Wasserburger Stadtarchive gibt es auch.

Wer darf eigentlich die Personenstandsbücher einsehen? Im Prinzip jeder, so Haupt. Das Standesamt gibt nur Angehörigen Auskunft, im Stadtarchiv darf jeder Heimat- oder Familienforscher ran. Es muss allerdings ein nachvollziehbarer Grund angegeben werden Nur weil der Huber vor zehn Jahren den Maier geärgert hat, darf der Maier nicht einfach in der Familiengeschichte nach- schauen, ob vielleicht die Ur-Ur-Ur-Oma vom Huber ein lediges Kind hatte. Die Ausschlusskriterien seien aber ziemlich weit gefasst, versichert Haupt, "ich hatte noch keinen Fall. Bei sehr jungen Forschern habe ich allerdings gelegentlich mal bei den Eltern nachgefragt."

Komplizierter ist die Sache bei den Meldekarten, die nach 50 Jahren aus dem Einwohnermeldeamt ins Archiv wandern. Und auf denen auch Verwandtschaftsverhältnisse verzeichnet sind. Die dürfen nicht ausgehändigt werden. Gibt es dazu eine konkrete Frage, dann muss Haupt ins Magazin steigen, höchstpersönlich auf der Karte nachschauen.

Im Moment ist das alles noch zu machen. Aber Stadtarchivar Matthias Haupt macht sich jetzt schon Gedanken, wie die Archivierung der Melde- und Personenstandsdaten einmal laufen wird, wenn diese nicht mehr auf Papier sondern ausschließlich digital vorliegen. Darüber denkt er aber nicht alleine nach. Am morgigen Freitag und am Samstag tagen in Wasserburg die Kommunalarchivare aus ganz Bayern - und da wird die künftige Archivierung digitaler Daten ganz sicher ein Thema sein.

Sylvia Hampel/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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