Stadt, Paten und Fond bitten zu Tisch

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Mit den Klassenkameraden zum Mittagessen gehen, so wie hier an der Hauptschule, das ist längst nicht für alle Kinder und Jugendlichen selbstverständlich.

Wasserburg - Ganztagesklassen oder Mittags- beziehungsweise Hausaufgabenbetreuung sind für immer mehr Kinder und Jugendliche Alltag.

Entweder weil es Schulform beziehungsweise Lehrplan so wollen oder weil zu Hause nachmittags niemand da ist. Längst nicht alle Eltern können es sich problemlos leisten, ihre Kinder verpflegen und betreuen zu lassen.

Bei den Jugendlichen der Hauptschule am Klosterweg und den Kindern der Grundschule am Gries springen da, wenn nötig, Staat und Stadt ein. Denn es gibt ein Programm für Schulen mit geregelter Mittagsverpflegung - mindestens dreimal die Woche ein warmes Essen -, dass insgesamt 400 Euro pro Schüler und Schuljahr zu den Kosten zuschießt. Derzeit für 15 Kinder und Jugendliche an den beiden Schulen zahlt Stadtkämmerer Konrad Doser derzeit die 200 Euro städtischen Anteil, die andere Hälfte kommt vom Freistaat. Noch, so Doser, denn mit der Neuregelung von Hartz IV wird wohl der Bund zuständig, "da sind wir gerade in einer Zwischenphase".

Nach der Bezuschussung bleiben für ein Kind, das die Mittagsbetreuung am Gries besucht, noch 120 Euro, die die Eltern pro Jahr selber tragen müssen. Auch da gab und gibt es Eltern, die dies nicht stemmen, "das ist aber die ganz große Ausnahme", so Doser. Und für diese gilt das gleiche, das auch gilt, wenn eine Hausaufgabenbetreuung sein muss, aber nicht finanziert werden kann: "Da haben wir noch immer eine Lösung gefunden."

Das kann Franz Stein, Chef der Hauptschule, nur bestätigen: "Wir mussten noch keinen Schüler aus der Ganztagsklasse heimschicken, weil das Geld fehlt. Da ist die Stadt glücklicherweise sehr großzügig und unbürokratisch." Bei sechs Klassen mit Ganztagsbetreuung gebe es schon einige Härtefälle, so Stein, und ab und an auch Totalausfälle, das heißt auch der Differenzbetrag kann nicht bezahlt werden. Da sprang die Spitalstiftung ein.

Das tat sie auch schon an de Grundschule Reitmehring. Dort kosten Mittags- und Hausaufgabenbetreuung zusammen 150 Euro pro Kind und Schuljahr, wegen der geringen Schülerzahl - die 51 Kinder sind nicht alle jeden Tag da - gibt es keine geregelte Mittagsverpflegung, einmal pro Woche werde gekocht, sonst gibt es warme Kleinigkeiten am Kiosk, so Schulleiter Franz Stadler. Deswegen gilt in Reitmehring auch das staatlich-städtische Zuschussverfahren nicht, eine Lösung für die knappe handvoll Härtefälle werde aber gemeinsam mit der Stadt immer gefunden.

Die beiden großen weiterführenden Schulen fallen nicht in den Zuständigkeitsbereich der Stadt, dort müssen Härtefälle anders geregelt werden. Die Realschüler, die die offene Ganztagsschule nutzen, können laut Schulleiter Josef Grundner beim Landratsamt Zuschüsse beantragen. Wie viele das tun, wisse er nicht. Und wenn ein Kind deswegen nicht am Mittagessen teilnehme, schöben die Eltern meist andere Gründe vor.

Peter Rink, Chef des Luitpold-Gymnasiums, hatte bisher zwei ihm bekannte Fälle. Der eine Junge ist nicht mehr an der Schule "und das andere Kind darf auf Kosten des Mensa-Pächters essen."

Eine Art Zweck-Patenschaft also. Eine Patenschaft war auch die Lösung für zwei kleine Eiselfinger. Da wurde es in einer Familie sehr knapp, die Mittagsbetreuung war aber notwendig. "Da haben die Eltern die Kinder erstmal vom Essen abgemeldet. Die hätten dann den anderen zuschauen müssen - das geht doch nicht!" findet Svetlana Drubel vom Verein Schu-Mi, der die Mittagsbetreuung an der Eiselfinger Schule organisiert. Als Architekt Markus Stenger und Innenausbauer Christian Rüdel sich die Schulmittagsbetreuung ansahen und von den beiden Härtefällen erfuhren, übernahmen sie jeweils die Patenschaft für eines der Kinder, zahlen die kompletten 650 Euro pro Kind und Schuljahr.

Privatleute oder auch Firmen, die diesem Vorbild folgen, wären noch gesucht, denn sie wisse noch einige Eltern, die es sich dreimal überlegten, ob sie ihr Kind in die Mittagsbetreuung schicken, erzählt Svetlana Drubel: Meist seien das alleinerziehende Mütter und Väter. Gerade die seien aber darauf angewiesen, denn die Zeit der Großfamilie sei auch auf dem Land vorbei. Und die Gemeinde sei - im Gegensatz zu den Städten - meist nicht bereit, die Kosten zu übernehmen.

Was im benachbarten und via Pfarrverband verbundenen Babensham wieder anders aussieht. Da gibt es den vom Bürgermeister ins leben gerufenen Sozialfond der Gemeinde, der sich aus Spenden speist. Und der in solchen Fällen eingreift. Svetlana Drubel setzt da, "zum Wohle der Kinder", auf die Überzeugungskraft des Babenshamer Bürgermeisters beim Treffen der Landkreis-Bürgermeister diese Woche und darauf, dass sich andere Gemeinden dem Babenshamer Beispiel anschließen.

Sylvia Hampel (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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