Stadtbusfahren wird teurer

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Trotz der Erhöhung sind die Tarife für den Stadtbus im Vergleich günstig und muss die Stadt das Angebot weiter subventionieren.

Wasserburg - Zu einem unpopulären Schritt sah sich der Stadtrat gezwungen: Angesichts hoher Defizite verteuerte er den Stadtbus.

Um bis zu 40 Prozent werden die Tarife zum Fahrplanwechsel im Dezember steigen. Die Fraktionen rangen hart mit einzelnen Erhöhungen, einigten sich aber auf "sozialverträgliche Lösungen".

Der Stadtbus verzeichnet seit Einführung des Stundentaktes nach Angaben des Regionalverkehrs Oberbayern (RVO), der ihn im Auftrag der Stadt fährt, 20 Prozent mehr Fahrgäste. Damit geht der Wunsch des Stadtrates auf, durch eine einheitliche Taktung Ruhe in den Fahrplan und noch mehr Bürger zum Umsteigen in den Bus zu bewegen.

Allerdings muste die Stadt bereits vor Einführung des Stundentaktes die Differenz zwischen den preisgünstigen Stadtbus- und den höheren RVO-Tarifen ausgleichen. Als markantes Beispiel nannte Bürgermeister Michael Kölbl in der jüngsten Sitzung des Stadtrats die Jahreskarte für Schüler: Hier habe die Stadt bisher 279 Euro pro Karte draufgezahlt. Mit der erfreulichen Zunahme der Fahrgäste würden sich die Tarifdifferenzen weiter erhöhen, zumal auch wieder RVO-Preiserhöhungen anstünden. Im aktuellen Haushalt sind 230.000 Euro als Betriebskosten für den Stadtbus veranschlagt worden.

Seit Einführung des Stadtbusses im Jahr 1993 hatte sich die Stadt mit Erhöhungen sehr zurückgehalten, die letzte war 1998, 2001 gab es nur eine Anpassung an den Euro mit Rundungen nach oben wie unten.

Der Vorschlag der Verwaltung, der im Hauptausschuss bereits überarbeitet worden war, sah in gewissen Tarifgruppen jetzt bis zu 40-prozentige Preissteigerungen vor, etwa bei der Monatskarte für Erwachsene, die von 18 auf 26 Euro erhöht werden sollte. Oliver Winter (CSU) schlug einen anderen Weg vor, der mit vier Gegenstimmen von Adil Oyan (Bündnis 90/Die Grünen), Christian Stadler (Bündnis 90/Die Grünen), Edith Stürmlinger (Bürgerforum) und Josef Baumann (Freie Wähler Reitmehring-Wasserburg) mehrheitlich die Zustimmung fand.

Das Winter-Konzept sieht vor, die Einzelfahrkarte massiver zu erhöhen. Die Stadt hatte hier als neuen Tarif für Erwachsene 1,30 statt vorher einen Euro vorgeschlagen, Winter plädierte für 1,50 Euro. Dies sei ein Anreiz, auf Mehrfahrtenkarten umzusteigen, etwa auf die neue Zehner-Karte für zehn Euro. Winter erhofft sich durch diesen Spareffekt, "zehnmal fahren, zehnmal sparen", dass weniger Bürger Einzelfahrtkarten im Bus lösen, was in Stoßzeiten zu Verzögerungen im Fahrablauf führe. Ziel sei es jedoch, das Busfahren attraktiv zu machen und Verspätungen zu vermeiden. Die SPD ging bei Winters Vorschlag mit, unter der Voraussetzung, dass die Jahreskarte für Kinder nicht wie geplant von 80 auf 120, sondern auf 100 Euro erhöht wird. Auch dieser Schritt fand die Zustimmung.

Grundsätzlich war die Diskussion um die Tariferhöhungen von großer Sachlichkeit geprägt. Peter Stenger (SPD) kritisierte auch die vorgeschlagene Tariferhöhung bei den Jahreskarten für Erwachsene, die bei über 40 Prozent lag, als "überdimensioniert". Dr.Christine Mayerhofer (SPD) riet, beim neu eingeführten Jahres-Familienpass für sozial schwächere Bürger auch über andere Kartensysteme etwa für einen Monat nachzudenken, was noch diskutiert werden soll. Zu hoch fällt für Elisabeth Fischer (CSU) schließlich der Preis für die Monatskarte aus. Schließlich würden viele sozial schwächere Bürger sie lieber kaufen als die Jahreskarte, für die auf einen Schlag eine hohe Summe fällig sei. Edith Stürmlinger (Bürgerforum) bemängelte den Zeitpunkt der Tariferhöhungen, die ausgerechnet jetzt komme, wo der Stadtbus sich aufgrund des Stundentaktes neuer Attraktivität erfreue.

Grundsätzlich kristallisierte sich jedoch heraus: Nach wie vor fahren die Bürger im Stadtbus günstig. "Wir sind ein billiger Jakob", findet der Bürgermeister sogar. Weiterhin wird die Stadt deshalb dieses Angebot subventionieren müssen. Allen Stadträten war bewusst, dass der öffentliche Personennahverkehr grundsätzlich nicht kostendeckend anzubieten ist. Oyan sieht im hohen Zuschussbedarf jedoch keine Dramatik: "Der ÖPNV ist ein wichtiger Zukunftsbereich, in dem wir den Bürgern einen Teil ihrer Steuergelder zurückgeben können."

duc/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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