Auf der Suche nach einer neuen Heimat

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Ein Saal mit variabler Bestuhlung und Technik: Das wird in Wasserburg nach der Schließung des Fletzinger fehlen.

Wasserburg - Viele Wasserburger weinen dem Fletzinger-Biergarten nach. Firmen, Parteien und Vereine stehen mit der Schließung des Hotels vor Problemen:

Der Saal und die derzeit 42 Zimmer stehen auf unbestimmte Zeit nicht zur Verfügung.

Johannes Sewald von KSS sagte auf Nachfrage, dass das Hotel saniert werde, sobald ein Pächter gefunden sei. Ein Dreivierteljahr sei für die Sanierung sicher nötig, damit rechneten die potenziellen Pächter aber auch. "Wir können und wollen das Haus nicht zu lange leer stehen lassen, aber zwölf bis 18 Monate wird das Hotel wohl realistischerweise nicht geöffnet haben", so Sewald.

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Das löst sowohl beim Fremdenverkehrsverein als auch bei den Touristikern der Stadtverwaltung als auch bei den Unternehmen in und um Wasserburg wenig Begeisterung aus. Denn das Paulaner mit seinen maximal 37 Betten in 17 Zimmern sowie der Huberwirt mit 30 Zimmern sind nicht für alle eine Alternative. "Ich lasse es auf mich zukommen, wie es sich entwickelt", sagt Lenz Larasser vom Huberwirt. Im Sommer sei bei ihm ohnehin gut belegt und im Winter habe er 80 Prozent Stammkunden.

Pragmatisch ging Recipharm die Lösung an: Mitarbeiterin Judith Sprenz setzte sich ins Auto, unternahm eine Tour zu den verschiedensten Hotels und Gästehäusern. Der Huberwirt und das Gasthaus Lax sind derzeit die Favoriten, "das könnte aber eng werden". Wenn größere Veranstaltungen des Arzneimittelwerkes anstehen, "dann müssen wir künftig sowieso ausweichen, zum Teil auch weiter weg."

So sieht es vermutlich auch bei der Meggle AG aus. Und ansonsten, so Anke Schellenberger, werde man Mitarbeiter beziehungsweise Gäste auf die verschiedenen Betriebe der Umgebung aufteilen, "je nach Bedarf".

Ellen Hell von Advantest in Amerang meint, die Schließungszeit "tut uns schon weh", denn gerade wenn jemand länger da sei, sei es schwierig, den auf dem Lande unterzubringen. Aber nun bleibe der Firma nichts übrig, als die Leute in Amerang, in Obing und Umgebung einzuquartieren, solange das Hotel Fletzinger geschlossen sei. Wenn es wiedereröffne, sei sie sicher, dass Advantest dort eher mehr Zimmer buche als bisher.

Die für den Fremdenverkehr zuständigen Mitarbeiter im Rathaus sind "ziemlich ratlos", so Andreas Hiebl. Es werde eine schwierige Zeit, man wisse nicht, wo man Gäste hinschicken solle. Er habe das Zimmerverzeichnis für diese Saison schon so umgestaltet, dass Interessenten die geografische Lage besser einschätzen können, was vor allem für Fahrradtouristen wichtig sei.

Gerade die Radltouristen haben Traudl Scharlach von der Gästeinfo schlaflose Nächte bereitet, "denn für Geschäftsleute sehe ich ohnehin keine Alternative zum Fletzinger". Die vielen Radltouristen, die in der warmen Jahreszeit oft ohne gebuchtes Quartier vor der Gästeinformation stehen, die haben schon mit den 42 Zimmern des Fletzinger oft Probleme gehabt, ein Bett zu finden - zumal sie dann nicht mehr einen Hügel hinauf aus der Altstadt hinausradeln wollen. "Da habe ich mir schon überlegt, ob ich nicht mal alle Anbieter der Umgebung an einen Tisch hole, dass ein gemeinsamer Fahrdienst eingerichtet wird." Außerdem hofft Traudl Scharlach, dass noch mehr Privatleute Zimmer zur Verfügung stellen.

Da wäre wohl in der Tat noch mehr möglich, glaubt auch Jürgen Häuslmann, der Vorsitzende des Fremdenverkehrsvereins. Er verweist aber, wie auch Andreas Hiebl, darauf, dass viele Wasserburger Ferienwohnungen auch für eine Nacht gebucht werden können, was sonst völlig unüblich ist. Die Generalsanierung des Hotels Fletzinger sei sicher nicht verkehrt. Da aber die Bettensituation in Wasserburg von Hause aus nicht die beste sei, falle es schon schwer, jetzt bis zu 18 Monate mit einem geschlossen Hotel zu leben. "Da können wir nur hoffen, dass es nachher schöner wird."

Diese Hoffnung haben die Parteien und viele Vereine nicht. Denn die Posthalterei, der Saal im Hotel, wird zu zwei Dritteln abgerissen. Johannes Sewald hat zwar einen Ersatz in den ehemaligen Brauereigebäuden lose in Aussicht gestellt, aber das wird wohl mindestens solange dauern wie die Wiedereröffnung des Hotels. Regelmäßige Nutzer sind deswegen auf der Suche nach einer anderen Heimat. Die Briefmarkenfreunde treffen sich beim Huberwirt, der Bund Naturschutz beim Paulaner, der Wirtschaftsförderungsverband geht für größere Veranstaltung ebenfalls dorthin. Der Heimatverein hat seine Vortragsabende künftig im Raum der Kellerfreunde oder im Sparkassensaal. "Das hat allerdings den Nachteil, dass dort keine Bewirtung ist", so der Heimatvereinsgeschäftsführer Matthias Haupt.

"In der Altstadt geht ein schöner repräsentativer Saal dieser Größe ab", stellt Elisabeth Fischer von der CSU trocken fest. Sie wüssten noch nicht genau, wo die Partei künftig größere Veranstaltungen abhält, die Überlegungen seien im Gange. Genauso sieht es bei der SPD aus. Auch dort wird der "gravierende Verlust" beklagt, man orientiere sich Richtung Paulaner, da sei aber noch die Frage, wie gut sich der Saal eigne - zumal keine feste Veranstaltungstechnik vorhanden ist.

Für kleinere Veranstaltungen werden einige Parteien und Vereine auch auf das Nebenzimmer im "Queens", dem Pub im ehemaligen Bruckbräu, zurückgreifen. Und der nächste Kommunalwahlkampf, der 2013 beginnt, der könnte sich in den Pfarrsälen abspielen.

syl/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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