Unternehmens-Zukunft fest im Blick

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Fest verwurzelt in Reitmehring: Die Nachbarn werden Toni Meggle wieder einen Geburtstags-Maibaum aufstellen. Die Einladung dazu haben kürzlich die Kinder mit den Vereinssymbolen überbracht.

Reitmehring - Anton Meggle, Aufsichtsratsvorsitzender der Meggle AG, wird 80 Jahre alt. Die Wasserburger Zeitung hat mit ihm über das Unternehmen und seine Verbundenheit zur Heimat gesprochen.

Herr Meggle, auch wenn es diesmal kein großes Geburtstagsfest gibt: Ein wenig werden Sie schon feiern, oder?

Ich werde meinen Geburtstag diesmal mit der engeren Familie in Wien begehen. Größer feiern werden wir erst 2012, wenn die Firma Meggle 125 Jahre alt wird. Das Lebenswerk von drei Generationen Meggle liegt mir mehr am Herzen als meine 80 Jahre, die ja Geschenk, aber nicht Verdienst sind.

Sie haben Familie, Mitarbeiter und Umgebung zuletzt mit gesundheitlichen Problemen beunruhigt.

Bei einer Vorsorge-Untersuchung wurden Herzprobleme festgestellt, daraufhin habe ich mich im Frühjahr operieren lassen. Aber jetzt geht es mir gut, ich fühle mich wieder voll leistungsfähig. Bloß das Rauchen habe ich endgültig aufgegeben, das nicht ganz unschuldig war an den Problemen.

Und Sie wollen nicht ab 80 endlich ein wenig kürzer treten?

Ein bisschen ruhiger könnte ich es mir schon vorstellen. Aber so einfach ist das nicht, es kommt ja Tag für Tag viel auf mich zu. Den tariflichen Urlaub werde ich jedenfalls heuer wohl wieder nicht nehmen können. Mit dem Stress ist es wie mit dem Salz in der Suppe: Zu wenig ist nichts, zu viel auch nicht. Das Kunststück wäre, die Beanspruchung so zu gestalten, dass das Leben attraktiv bleibt.

Bei Ihnen hieß und heißt Leben ja immer auch Firma. Wo sehen Sie das Unternehmen Meggle im Jahr 2011?

Wir entwickeln uns konsequent zielorientiert in Richtung Internationalisierung. So habe ich den Auftrag für meine Generation verstanden und entsprechend vor 34 Jahren mit einer Niederlassung in Japan begonnen. Im Moment ist vor allem Osteuropa in unserem Blickfeld, denn das ist ein großer Wachstumsmarkt. Aber auch die USA sind für Meggle sehr wichtig, dort haben wir noch ehrgeizige Ziele.

Und Reitmehring...?

... bleibt dabei immer das Herz des Unternehmens. Wie wir uns hier entwickeln können, hängt wesentlich von der Bahn-Frage ab, die jetzt endlich entschieden werden muss. Zuletzt hat die Meggle-Gruppe nur mehr 30 Prozent ihrer Investitionen in Reitmehring getätigt. Die Stadt wird sich nicht nur mit Blick auf die Gewerbesteuer die Frage stellen müssen, wie sie mit einem entwicklungsfreudigen Unternehmen umgeht.

Auf die Meggle-Entwicklung blicken ja nicht nur die Mitarbeiter, sonder auch die Milchbauern. Wie schätzen Sie deren Zukunft ein?

Wir werden in den nächsten 20 Jahren im Voralpenland wohl noch einmal die Hälfte der Höfe verlieren, einfach, weil die Strukturen sich weiter entwickeln müssen. Ich denke, dass 60 bis 80 Kühe heute das Optimum für einen Familienbetrieb sind. Beim Milchpreis schauen wir natürlich alle auf 2015, wenn die Milchquote fällt. Aber ich gehe davon aus, dass das momentane Preisniveau in etwa erhalten bleibt. Die Problemstelle für viele Höfe wird eher die Nachfolgeregelung sein.

Nachfolge ist natürlich auch ein Stichwort für das Unternehmen Meggle.

Ich habe schon früher betont, dass ein Unternehmen ein Recht auf ein eigenes Leben hat. Nach mir wird Meggle daher in eine Familienstiftung umgewandelt. Dieses Modell soll weitere Entwicklungsmöglichkeiten sicherstellen. Dabei muss das unternehmerische Erbe gegenüber dem Familienerbe dominieren. Im Stiftungsvorstand wird daher die Familie nur ein Drittel der Sitze haben.

Sie waren ja ein Leben lang rund um die Welt unterwegs. Was bedeutet ihnen nach 80 Jahren Lebenserfahrung Heimat?

Sehr viel. Ich bin absolut glücklich, dass ich hier im oberbayerischen Voralpenland daheim bin, mit dem Geschenk der vier Jahreszeiten, den Mischwäldern, Bergen, Seen, Wiesen und Äckern. Besonders jetzt im Frühjahr ist das für mich der Inbegriff von Heimat. Die Schöpfung von Haydn in einer Barockkirche: Bei der Vorstellung geht mir einfach das Herz auf. Das ist lebensbejahend, das ist das Lebensgefühl von Altbayern, das ist meine Heimat.

Wenn sie einen großen Geburtstagswunsch frei hätten, wie würde der aussehen?

Es klingt vielleicht etwas utopisch: Ich würde mir wünschen, dass wir von der momentan dominierenden "Tugend" der Respektlosigkeit zurück fänden zur Wertschätzung füreinander. Darin liegt für mich ein Schlüssel für eine gelingende Gesellschaft. Aber persönlich sehe ich meinen Geburtstag in erster Linie als Aufforderung, in der noch verbleibenden Zeit Positives zu gestalten. Das ist auch ein Stück Lebensfreude für mich.

Interview: Karl Königbauer (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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