Vorm Bergradeln: Shapen im Backyard

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Erst schrauben...

Amerang/Pittenhart - Eltern mountainbike-begeisterter Kinder sollten in den kommenden Tagen ihren Garten gut im Auge behalten.

Dort, wo jetzt noch Blumen blühen und Salat wächst, verhilft vielleicht bald ein "Pump Track" dem Sprößling zu einer besseren Fahrtechnik.  Vor allem dann, wenn er jetzt drei Tage lang in Guido Tschugg's "Shape Camp" war. Der gebürtige Allgäuer Guido Tschugg ist Profi in diesem Sport, er gehört seit zehn Jahren durchgehend zu den zehn besten Fahrern weltweit. Vor zwei Jahren reichte es sogar für die Vizeweltmeisterschaft. Dafür fährt er holprige Rennstrecken und steile Hänge in möglichst kurzer Zeit hinunter, wo sich andere nicht einmal zu Fuß hinabtrauen. Nach dem Motto: Auf Asphalt kann's jeder.

Mut gehört dazu, aber vor allem Fahrtechnik. Und weil der eine oder andere Sturz unvermeidlich ist, auch die Reparatur. Noch dazu legt Tschugg selbst gerne Strecken an, die er zum Trainieren verfeinert. All das lernten an drei Tagen 43 Kinder, zwei davon aus Österreich, bei ihm Zuhause in Pittenhart und in einer nahen Kiesgrube bei Amerang.

Aufgeteilt in mehreren Gruppen mit weiteren Spitzenfahrern und Betreuern ging es von der Theorie zur Praxis. So steht am Anfang immer die Suche nach einer geeigneten Trainingsstrecke, denn bald ist der Garten zu klein und die Eltern beklagen schwindendes Grün bei zunehmender Pfützenbildung. Damit bei der Suche nach einer Strecke nichts schiefgeht, sollte man unbedingt mit den Grundeigentümern des Waldes oder der Wiese reden, mahnte der Profi.

...dann abheben: Training mit Guido Tschugg. 

Ist das geklärt, macht man sich Gedanken zu Untergrund, Verlauf, Steilheit der Kurven und über zusätzliche Herausforderungen wie Bodenwellen oder Sprungschanzen. Hilfreich ist dabei - auch das erfuhren die Kinder - ein Minibagger. Etlichen der Anwesenden war sogar das nichts Fremdes, "der Papa kennt jemand mit Bagger", und überhaupt helfen die Eltern oft mit. Sonst wären die Kinder ja auch nicht in diesem Camp. Mit einer Schaufel geht das Gelände angleichen aber auch, es dauert nur länger. Ein Paradebeispiel dafür ist ja seit Jahren unter der Wasserburger Umgehungsstraßenbrücke am Inn zu sehen.

Damit die Theorie, darunter Streckenplanung, Materialkunde und Fahrradtechnik, nicht eintönig wurde, wechselten die Teams ab. Es wurde gebaut, angeglichen, getestet und verändert. Andere fuhren währenddessen in die Ameranger Kiesgrube und verbesserten ihren Fahrstil. Englisch sollte man schon mögen, damit man den Sport überhaupt versteht. Auf einem "Pump Track" bewegt man sich nur durch Herunterdrücken des Vorderrades vorwärts, Tschuggs Bauernhof ist sein "Backyard" und "shapen", das ist das Formen der Strecke.

Gartler-Albtraum: Wo vorher ein Garten war, materialisiert sich ein "Pump Track": Gerade lernen die Kids, wie man das am besten macht.

Seit zwei Jahren, aber mit steigender Begeisterung, fährt beispielsweise der 13-jährige Sebastian aus Eiselfing mit seinem Mountainbike. Seine Trainingsstrecke im heimischen Wald wird bald durch das erworbene Wissen verfeinert. Interessenkonflikte mit dem Eigentümer des Waldes schließt der Bub aus: "Des ist unserer". "Schneller fahren" und die eigene Bahn "mit mehr Wellen" anspruchsvoller gestalten, das hat der 14-jährige Philipp aus Hechendorf am Ammersee vor. Konkrete Pläne hat auch der 15-jährige Marc aus Osnabrück, "Wettbewerbe fahren" ist es, was ihn antreibt. Gelernt habe er hier, die Angst durch bessere Technik zu verringern.

Für die ganze Infrastruktur, Zelte mit Lagerfeuer, Duschen, Verpflegung, Transport der Kinder und Räder, Musik und Werkstatt sorgte der Sponsor von Guido Tschugg. Der hielt sich ansonsten recht im Hintergrund: "Der Sport ist Red Bull wichtig", erklärte der Profifahrer, "deshalb fördern die das". Andere Getränke, das wird die Eltern erfreuen, waren eindeutig in der Mehrzahl, wie jeder sehen konnte. Obst und Säfte gab es bis zum Abwinken und zum Essen fuhr man auch mal nach Amerang zum "Wirth".

Wie verläuft nun der Weg zum Profifahrer? "Wie fast überall", weiß Tschugg: Am leichtesten über einen Verein.

Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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