"...was wesentlich ist im Leben"

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Wieder einmal ruhig werden, durchatmen, sich auf das Wesentliche besinnen: Das ist für viele Menschen Anliegen in der Fastenzeit, die heute beginnt.

Wasserburg - Aschermittwoch: für die einen trauriges Ende des Faschings, für die anderen endlich Zeit zum Aufatmen und Ruhigwerden. Bis Ostern gibt es dazu wieder einige Angebote.

"Bedenke Mensch, dass Du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst." Mit diesen Worten wird bei den heutigen Aschermittwochs-Gottesdiensten den Gläubigen ein Aschekreuz auf die Stirn gezeichnet.

Die Zahl der Gläubigen, die zu diesem doch recht eindringlichen Anstoß zur Besinnung auf das Wesentliche in die Kirchen kommen, ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich kleiner geworden. Das Bedürfnis nach Ruhe und Besinnung dagegen hat in einer allgemein beschleunigten Zeit eher zugenommen.

"Es ist schwer zu schätzen, wie viele Menschen die vorösterliche Fastenzeit zum Anlass nehmen, um in irgend einer Weise zu fasten", so Dekan Josef Reindl, Pfarrer von Amerang. Kein Alkohol, kein Fernsehen, kein Internet, weniger Süßigkeiten oder gar Heilfasten: "Das ist ja eine sehr persönliche Sache, wie man Fasten versteht. Ich könnte mir vorstellen, dass in diesem Sinne mehr Menschen, als man glaubt, die Fastenzeit zum Anlass nehmen, um ihren Alltag ein wenig zu verändern, einen Unterschied zu machen", so der Seelsorger.

Einen Unterschied machen: In Wasserburg gibt es dafür seit 15 Jahren sogenannte "Exerzitien im Alltag". Der Anstoß dafür kam von der Erzdiözese, die dafür regelmäßig Materialien erarbeitet. Heuer allerdings war dies nicht der Fall, die Initiatoren aus Wasserburg haben ihr ökumenisches Angebot trotzdem organisiert. "Es ist einfach ein großes Bedürfnis für uns selbst", so Linde und Hans Baumgartner, die Ansprechpartner auf katholischer Seite.

20 bis 25 Teilnehmer sind es jedes Jahr, die bis Ostern täglich eine kleine "Auszeit" einlegen mit Stille, einem geistlichen Impuls, vielleicht einem Gebet und dem Versuch, "eine neue Sicht zu bekommen, was wesentlich ist." Einmal pro Woche kommen sie dann zusammen, auch um die Erfahrungen auszutauschen. "Sich täglich eine halbe Stunde dafür frei zu machen, ohne einen Zweck zu verfolgen, bewirkt Gelassenheit, Freude am Sein, eine engere Gottesbeziehung und Standfestigkeit", beschreibt Linde Baumgartner ihre Erfahrung damit.

Einen anderen Weg geht die Katholische Landvolk Bewegung (KLB) in Babensham: "Alles ist da - Hildegard von Bingen und die Fülle des Lebens" ist der Titel ihres Angebotes zur Fastenzeit. Vier Treffen wollen religiöse Impulse geben und auch für ein Leben "gegen den Strom" stärken, wie es Monika Mayer, die KLB-Vorsitzende, beschreibt. Dabei sollen auch kirchliche Traditionen einen neuen Sinn erhalten, etwa der fleischlose Freitag, "der ja auch als Beitrag zum Klimaschutz verstanden werden kann."

Die KLB erwartet keine große Teilnehmerzahl, doch darauf komme es ja auch nicht an. Man will einfach ein Angebot sein - so wie auch die Missionsschwestern vom Heiligsten Erlöser in Stadl (Unterreit). Dorthin kann man sich immer für eine Auszeit zurückziehen. In der Fastenzeit gibt es dazu ein paar thematische Veranstaltungen, etwa ein Schweige-Wochenende mit dem Titel "...neige deines Herzens Ohr".

Schwester Marita Meister, die dieses Angebot leitet, macht die Erfahrung, dass "Menschen solche Orte der Stille suchen" - allerdings nicht alle gleich: So ab 40 werde das Bedürfnis danach offensichtlich deutlich größer, beobachtet sie, und mit der zunehmenden Problematik, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, gelte dies vor allem für Frauen. Zumindest kämen die häufiger nach Stadl auch "auf der Suche nach einem Modell, wie man Ruhe und Alltag in Einklang bringen könnte - gerade in der Fastenzeit."

Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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