Über den Sinn und Unsinn der Altstadtbahn

Kommt die Altstadtbahn aufs Abstellgleis?

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Soll das Altstadtgleis wieder aktiv werden oder nicht? Diese Frage spaltet den Stadtrat Wasserburg 
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Die Altstadtbahn war wieder Thema im Stadtrat. Zwar gab es keine Beschlussfassung, doch viel an Informationen auszutauschen. Meinungsverschiedenheiten der Stadträte wurden hitzig ausgetragen.

Wieviel Potential steckt in dem Altstadtgleis beziehungsweise der Altstadtbahn, die vom Bahnhof Reitmehring bis runter zum Altstadtbahnhof fahren könnte?

Dieser Frage ging der Stadtrat weiter auf dem Grund, hatte sich dazu sogar Stefan Schell vom Innenministerium zum Informationsaustausch geladen.

Schell stellte klar, dass das Land definitiv nicht für die Infrastruktur zuständig sei. Investitionszuschüsse könnten somit nicht erwartet werden. Eine Reaktivierung der Strecke sei zunächst nicht Sache des Freistaats. „Wir können uns auch nur auf eine Bestellung der Verbindung einlassen, wenn der Betrieb Sinn macht“ heißt es vom Ministerialbeauftragten weiter. Dazu seien Kriterien nötig, die auch in Wasserburg durch ein Gutachten erörtert wurden.

Wichtige Voraussetzung für eine Unterstützung durch den Freistaat sei die Regel, dass durchschnittlich 1000 Fahrgäste pro Werktag  diese Verbindung nutzen würden. „Im Gutachten sei jedoch klar ersichtlich, dass mit höchstens 500 bis 700 Fahrgästen gerechnet wird. Dies ist nicht mal annähernd so viel, wie benötigt wird“ erklärt Schell nüchtern.

Seit 1987 ist die Altstadtstrecke außer Betrieb. Keine Stilllegung und auch keine Entwidmung haben bislang stattgefunden, die Strecke kann faktisch reaktiviert werden.

Zwei Bewerber, die die Gleistrasse pachten und betreiben wollen, haben Gespräche mit der Stadt aufgenommen. Dennoch gehen die Meinungen auseinander, was das Projekt der „Wiederbelebung“ des Bahnbetriebs angeht. Viele Befürworter gesellten sich auf die Zuhörerbank, ebenso waren Gegner des Altstadtbahnbetriebs anwesend. Auch unter den Stadträten scheint es bislang keine Einigkeit darüber zu geben, wie in der Sache weiter gefahren bzw. verfahren wird. Viele Wortmeldungen galt es zu verdauen.

Bus und Bahn im Einklang?

Bislang wird vom Bahnhof in Reitmehring mit dem Bus in die Altstadt gefahren.

Doch genau hingeschaut bleibt zuzugeben, dass der Bus weitaus mehr als nur die Altstadt mit Anschlussstellen versorgt. All diejenigen, die nach einer Wiederaufnahme des Altstadt-Bahnverkehrs also nicht nur im Altstadtbereich ankommen wollen, sondern individuell zu anderen Stadtteilen, sind weiterhin auf die Busverbindungen angewiesen. Auf den Einsatz von Bussen könne also auch weiterhin nicht verzichtet werden, sind sich viele der Stadträte einig.

Christian Stadler meldete sich zu Wort und erklärte, dass es für Pendler von und nach München eine deutliche Zeit-Einsparung bringen würde, weil man sich als München-Pendler das Warten und Umsteigen in den Bus sparen würde, wenn die Bahn nicht nur in Reitmehring, sondern zukünftig auch am Altstadtbahnhof halten könne.

Bürgermeister Michael Kölbl erklärte, dass der Busverkehr nie direkt durch die Altstadtbahn ersetzt werden könne, weil lediglich die Bahnfahrgäste aus München von der unmittelbaren Verbindung mit der Altstadtbahn profitieren könnten.

Die Altstadtbahn habe keinen Touristischen Hintergrund, wurde während der Stadtratssitzung klar, vor allem auch die Pendler der Altstadt sollten in den Genuss der Direktverbindung kommen. Marlene Hof-Hippke befürwortet ein Wiederaufleben des Bahnbetriebs bis hin zum Altstadtbahnhof. Die Diskussion über das Konkurrenzdenken in Bezug auf die Busverbindungen verstehe sie nicht, so Hof-Hippke. Besonders bedenklich sehe sie auch die Einmischung eines großen Unternehmens aus Reitmehring in Bezug auf die Reaktivierung der Strecke: „Mit erpresserischem Duktus versucht diese Firma, Macht auszuüben. Das können wir uns doch nicht gefallen lassen“.

Oliver Winter, der bekannter Weise Wirtschaftsreferent ist, verstand nicht, warum ein Stadtrat Belange und Interessen eines großen Arbeitgebers in Wasserburg nicht verstehen möchte und weshalb man verbal nun solche Aussagen treffe. „Als Wirtschaftsreferent muss ich wirklich sagen, da haut es mir die Schusser raus“, polterte Winter gegen seine Stadtratskollegin. „Wir wurden von den Bürgern gewählt, um Entscheidungen zu treffen, und nicht, um etwas auf die lange Bank zu schieben. Es ist legitim von diesem Unternehmen, seine Entwicklungsmöglichkeit uns Entscheidungsträgern nahe zu legen“.

Zum Haare raufen sei es, wenn man Entscheidungen so lange hinaus zögere, wie es aktuell mit der eventuellen Reaktivierung der Bahn-Verbindung zur Alstadt passiere, erläutert Winter weiter. „Man kann für die Bahn sein oder dagegen, aber es müssen zeitig klare Entscheidungen passieren“. 

Auch Markus Bauer meldete sich zu Wort, um mal die Sicht eines Unternehmers zu erklären. „Jeder Unternehmer plant für die Zukunft und für eventuelle Entwicklungen an Standorten. Wenn uns Stadträte es tatsächlich egal ist, dass ein stabiler Arbeitgeber aus Reitmehring, der momentan wegen dem Altstadtgleis faktisch in der Mitte geteilt ist, eine Sicherheit einfordert, um entwicklungstechnisch aktiv werden zu können, dann sollte es uns zum Nachdenken bringen. Planerische Sicherheit ist ein wichtiger Baustein für eine Firma“, erläutert Bauer, der den Unternehmer verstehen kann, wenn hier klare Forderungen oder im Zuge dessen auch Alternative Verlegung zur Sprache kämen.

Zu einer Beschlussfassung kam es am Donnerstagabend nicht. Ohnehin diente diese Stadtratssitzung unter Beteiligung von Sachgebietsleiter Stefan Schell vom Innenministerium nur der weiteren Information bezüglich einer eventuellen Reaktivierung des Altstadtgleises und möglichen Zugverbindung bis hin zur Altstadt.

Abschließend brachte Stefan Schell ein, dass neben dem gesellschaftlichen Wert (er betonte dabei den Stundentakt des Filzenexpress) auch die Sinnfrage im wirtschaftlichen Bereich bleiben müsse. „Die Mittel der Länder sind erschöpft, darum muss bei jedem Projekt erörtert werden, ob das optimale herauszuholen ist“. Ein Patentrezept für eine Empfehlung konnte Schell den Stadträten nicht mit auf das Gleis geben. „Eine Zugverbindung braucht Potential“. Laut Gutachten hätte die Verbindung zur Altstadt wenig davon.

Quelle: rosenheim24.de

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