Offene Fragen nach der Entscheidung im Wasserburger Stadtrat

Wie sinnvoll ist eine lokales Verbot für Wildtiere im Zirkus?

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Wasserburg - Der Antrag der Grünen, Zirkusse mit Wildtieren keine öffentlichen Flächen mehr zur Verfügung zu stellen, wurde bei der vergangenen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses bewilligt.

Der Antrag der Wasserburger Grünen vom 20. Juli wurde im Großen und Ganzen von allen Parteien als sinnvoll bewertet. Tierschützer fordern immer wieder ein Verbot von Wildtieren im Zirkus. Begründet hatten die Grünen Ihren Antrag wie folgt: 

"Wildtiere stellen besonders hohe Ansprüche an ihre Haltung und Unterbringung. In einem Zirkusunternehmen ist eine verantwortbare Haltung von Wildtieren grundsätzlich nicht möglich."

Auch wenn der Antrag im Ausschuss durchgewunken wurde, entbrannte dennoch eine lebhafte Diskussion um die Details.

Besonders um diese Fragen wurde eifrig diskutiert:

  • Welche Tiere sollten auf einer Verbotsliste stehen, welche nicht?
  • Ist es überhaupt möglich, (Wild-)Tiere artgerecht in einem Wanderzirkus unterzubringen?
  • Schadet sich die Stadt Wasserburg in kultureller Hinsicht nicht selbst mit dem Verbot? 
  • Würden Wanderzirkusse nicht einfach auf einen anderen Ort im Altlandkreis ausweichen?

Die Liste der Tiere, die zukünftig aus Wasserburg verbannt werden soll, finden sie hier.

Sophia Jokisch, Stadträtin der Linken Liste Wasserburg, erklärte bereits in einer im Netz veröffentlichten Pressemitteilung, dass der Beschluss an sich zwar gut sei, aber die Liste der Tiere keinen Sinn mache:

“Der Beschluss ist grundsätzlich zu begrüßen, unverständlich ist mir jedoch die zugrundeliegende Liste der Wildtiere.

Bei dem Verzicht auf Wildtiere im Zirkus geht es ja darum, dass diese bei Transporten, bei Auftritten und durch den ständigen Wechsel der Orte enormen Stress ausgesetzt sind. Hinzu kommt die oft nicht artgerechte Haltung in sehr kleinen Käfigen. Der Verzicht auf Wildtiere ist deshalb seit Langem überfällig. Attraktionen kann ein Zirkus auch durch Artistik, Tanz, Clownerie oder domestizierte Tiere bieten.

Die dem Beschluss zugrunde liegende Liste der Wildtiere, die beim entpsrechenden Artikel in der Wasserburger Stimme angehängt war, kann aber unmöglich abschließend sein. Nur ein männliches Riesenkänguru aufzuführen, ergibt in diesem Zusammenhang keinen Sinn. Weibliche Riesenkängurus und andere Känguruarten sind von den Belastungen genauso betroffen. Gleiches gilt für Affen, wo es in diesem Zusammenhang ebenso unsinnig ist, Halbaffen und Krallenaffen auszunehmen, oder für weibliche Tapire und Hirsche. Für Riesenschlagen wiederum, die laut Liste ausgenommen sind, sind die Belastungen eines Zirkusbetriebes kein großes Problem.

Ich empfehle der Stadtverwaltung deshalb dringend, sich hier Beratung von einem Tierschutzverband einzuholen und eine aktualisierte Liste nachträglich zu beschließen.”

Auch das Bürgerforum Wasserburg gab auf Nachfrage von wasserburg24.de eine Stellungnahme ab:

"Wir als Bürgerforum Wasserburg sind grundsätzlich, wie sicher alle unsere Stadtratskollegen, für artgerechte Tierhaltung, konnten aber den Antrag der Grünen nicht mittragen, weil es z.B. inkonsequent erscheint zwischen Pferd und Kamel oder männlichen und weiblichen Tieren zu unterscheiden, das eine geht, das andere nicht. Jedes Tier ist schützenswert! Es muss eine einheitliche Regelung zum Wohl der Tiere durch den Gesetzgeber geben. Auch jetzt schon gibt es ein Tierschutzgesetz, das Fälle von Tierquälerei ahndet. Ich glaube, die Stadtverwaltung wird sich schwer tun im Einzelfall zu entscheiden, welcher Zirkus nun auf städtischen Grundstücken zugelassen werden soll und welcher nicht. Für die Kinder wäre es sicher sehr schade, wenn sie bei uns in der Stadt keinen Zirkus mehr besuchen könnten."

wasserburg24.de hat auch bei den anderen Parteien im Wasserburger Stadtrat um eine Stellungnahme gebeten, diese werden bei uns veröffentlicht, sobald wir eine Rückmeldung der Parteien erhalten haben.

Wir haben natürlich auch unsere User befragt, was sie zu dem Thema meinen.

Insgesamt 132 haben abgestimmt. Die Hälfte unserer User ist mit dem Beschluss einverstanden, 28% meinten: "Nein, Wildtiere gehören zu einem Zirkus dazu." Der Rest, 22% der Stimmen, ist der Meinung, dass das Verbot ohne bundeseinheitliche Regelung keinen Sinn macht. Tatsächlich sind andere Länder in Europa in dieser Hinsicht schon weiter als Deutschland. Die Niederlande hat zuletzt im Jahre 2014 ein Wildtierverbot für Zirkusse erlassen, Schottland erst am 4.Oktober, wie die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" berichtet. Wie die gesetzlichen Bestimmungen in anderen europäischen Ländern sind, entnehmen Sie der Tabelle am Ende des Artikels (Unterhalb der Abstimmung).

Was denken Sie? Stimmen Sie ab oder sagen Sie uns Ihre Meinung in den Kommentaren!

Hier geht's zur Abstimmung:

Gesetze zur Wildtierhaltungen im Zirkus in Europa

Belgien

Generelles Verbot von Wildtieren.

Bosnien-Herzegowina

Generelles Verbot von Wildtieren.

Bulgarien

Generelles Verbot von Wildtieren. Übergangsfrist bis 2015 für zuvor erworbene und verwendete Tiere.

Dänemark

Generelles Verbot von Wildtieren. Ausnahmen nach individueller Bewertung z.B. für Elefanten, Seelöwen, Kleinbären, Zebras, Wildschafe oder Vögel möglich.

Estland

Verbot von in freier Natur geborenen Wildtieren.

Finnland

Verbot von Affen, Raubtieren, Elefanten, Flusspferden, Nashörnern, Beuteltieren, Robben, Krokodilen, Greifvögeln, Straußen, Wildformen von Wiederkäuern und pferdeartigen Tieren.

Griechenland

Verbot aller Tierarten.

Großbritannien

Generelles Verbot von Wildtieren ist für 2015 geplant, aber noch nicht verabschiedet.

Malta

Verbot aller Tierarten.

Niederlande

Generelles Verbot von Wildtieren.

Österreich

Generelles Verbot von Wildtieren.

Portugal

Fortpflanzungsverbot für Wale, Affen, Wölfe, Bären, Raubkatzen, Robben, Walrosse, Elefanten, Seekühe, Rhinozerosse, Flusspferde, Laufvögel, Reptilien und Riesenschlangen.

Polen

Verbot von in freier Natur geborenen Wildtieren.

Schweden

Verbot von Affen, Raubtieren, Nashörnern, Giraffen, Kängurus, Flusspferden, Robben, Greifvögeln, Straußen, Krokodilen, Damwild.

Slowakei

Verbot von Tierarten im Zirkus, die bei CITES gelistet sind.

Slowenien

Generelles Verbot von Wildtieren.

Tschechische Republik

Verbot von neugeborenen Affen, Robben, Walen (exkl. Delfine), Nashörnern, Flusspferden, Giraffen.

Ungarn

Verbot von Elefanten, Nashörnern und Primaten. Verbot von neuen Wildfängen.

Zypern

Verbot aller Tierarten.

Quelle: Vier-Pfoten.de

bcs

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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