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Die guten Geister des Nachtflohmarkts

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Eigentlich bringt sie Feuer nicht so leicht ins Schwitzen: Die Wasserburger Feuerwehrler beim Grillen am Nachtflohmarkt
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Wasserburg - Was es alles gab, konnte man fast nicht glauben. Noch weniger zu glauben war, was alles gekauft wurde. Eines stand fest: Der Nachtflohmarkt war einmal wieder etwas Großes.

Die Besuchermassen schlenderten durch die Gassen der Altstadt. Bewaffnet mit zahlreichen Taschenlampen. „Sonst kann man ja gar nicht gscheit sehen, was es zu verkaufen gibt“, schmunzelt Thomas Neubauer. Er kommt immer wieder gerne hierher, hat schon manche Rarität auf dem traditionellen Nachtflohmarkt in der Wasserburger Altstadt erstehen können. „Vor zwei Jahren hab ich hier einen tollen Plattenspieler gekauft, der mir viel Freude macht und sogar noch super funktioniert“, so Neubauer.

Das Angebot an den über 400 verschiedenen Ständen war auch heuer wieder breit gefächert. Das Ambiente wurde von den insgesamt rund 10.000 Besuchern förmlich aufgesaugt. „Die Altstadtkulisse ist einfach Klasse, es ist wirklich fast so, als würde man durch Venedig schlendern“, kichern Annette und Saskia. Die beiden Studentinnen nehmen jedes Jahr weite Wege nach Wasserburg auf sich, um den Nachtflohmarkt nicht zu verpassen. „Wir studieren in Wien, jedes Jahr kommen wir hierher, weil uns diese Atmosphäre einfach gefällt“, erklärt Annette.

Ein wahrer „Glücksmoment“

Irgendwie hat alles gepasst am Freitagabend. Eine laue Sommernacht, perfekt für Verkäufer und „Flohmarkt-Kundschaft“.

Viel verkauft und glücklich über die Einnahmen: Viele Kinder samt ihrer Eltern verkauften gut und freuten sich, dass der Kinderflohmarkt ohne Standgebühr veranstaltet wurde.

„Ich hab schon ganz schön viel verkauft“ erklären Helena und Paula. Die beiden Mädchen sind mit ihrer Mama am Stand des Kinderflohmarktes nahe der Frauenkirche und haben Tage zuvor ihre Kinderzimmer auf Vordermann gebracht. „Es wurde ein bisschen ausgeräumt und so können sich die Mädels ihr Taschengeld aufbessern“ erklärt Ingrid Sihon.

Ein Teil der Einnahmen geht auf das Sparkonto, und ein bisserl was können die Kinder freilich auch zügig wieder ausgeben, um sich den ein oder anderen Wunsch selbst zu erfüllen, zeigen sich die Eltern der fleißigen jungen Standl-Besitzer beim Kinderflohmarkt einsichtig. An Wünschen mangelt es den Kids übrigens nicht. So erklärt beispielsweise Helena, dass sie mit den Einnahmen aus dem Flohmarkt-Geschäft ihrem Traum ein Stück näher kommt, sich irgendwann einmal ein eigenes Pferd zu kaufen. Während des Interviews wird fleißig weiterverkauft, das Geschäft boomt. Auch am Nebentisch heißt es: „Was kostet das, wie viel Rabatt kannst Du mir geben“. Es wird Kleingeld herausgegeben, und die Sparbüchsen der jungen Verkäufer füllen sich ebenso wie diejenigen, die von erwachsenen Standl-Besitzern aufgestellt wurden.

Warme Temperaturen  - und doch schon irgendwie winterlich: Zahlreiche Winter- und Wintersportartikel wurden angeboten, und oft tatsächlich auch gekauft.

Kurioses dabei gewesen? Naja. Manches Angebot glich einer „verkehrten“ Welt. Es gab viele Winter-Artikel zu erstehen. Und tatsächlich gingen diese auch gut über den „Ladentisch“. Schlittschuhe wurden gekauft, Weihnachtsbeleuchtung und Skischuhe, außerdem Snowboards und so manche Jacke. Loreana stand eigentlich nur unter einem Magnolienbaum mit ihrem Stand, weil sie dieses Erlebnis des Verkaufens beim Nachtflohmarkt auch einmal miterleben wollte.

Ein bisserl was hatte sie zwar verkauft, doch es gab ihn wohl den Laden- bzw. Standhüter: Ein Nikolaus blieb Loreana treu, er wechselte nicht den Besitzer. „Das macht gar nichts, der nächste Winter kommt bestimmt, dann stell ich mir diese Figur eben wieder selbst aufs Fensterbrett“, lächelte Loreana. Sie genoss sichtlich dieses Gefühl, hier dabei zu sein. Ebenso beliebt wie große Verkaufsgegenstände waren auch kleine Flohmarkt-Dinge. Bücher, Dekorationsartikel, Spielsachen. Nicht ganz in eine Einkaufstüte passte beispielsweise das Spinnrad, das Tobias Bachmaier erstanden hatte. Stolz zeigte er das hart erkämpfte Dekorationsstück. „Ich konnte gut handeln, statt 50 Euro hab ich nur 20 bezahlt“, so Bachmaier glücklich. Seiner Frau Martina gefällt das Mitbringsel.

Ganz unterschiedliche Standbetreiber

Johanna Rubenberger und weitere Mitstreiter engagieren sich für Kinder-Indiens e.V. und verkauften zugunsten dieses Förderprojekts.

Ein Stand, der für den guten Zweck einnahm, stand direkt vor den Schaufenstern des Inntimes und gehörte dem Verein „Kinder-Indiens e. V.“. Die Wasserburger Heilpraktikerin Johanna Rubenberger  engagiert sich seit Jahren dafür und zeigt sich glücklich, dass stets viele Mitbürger durch das Erstehen von Flohmarktartikeln am Stand diese Hilfsaktion mitunterstützen. „Der Förderverein kümmert sich um Mädchen, die durch Gewalt, Trennung oder Tod ihre Familien verloren haben. Durch Kinder-Indiens e. V. kann den Mädchen langfristig ein sicheres Zuhause geboten werden“, erklärt Rubenberger die Ziele des Vereins, der bereits seit Jahren viele Mitstreiter hat. Veranstalter zufrieden

Das Wetter passte perfekt, die Menschen allerdings ebenso. Josef Christandl vom Theaterkreis erinnert sich gern an den Freitag. „Wir konnten alle Standplätze vergeben und freuen uns darüber, dass bereits der Aufbau der Fieranten toll und ohne Hektik geklappt hat“, so Christandl.

Der Theaterkreis Wasserburg  hatte auch heuer wieder die Fäden des Nachtflohmarkts in der Hand, viele fleißige Helfer organisierten das über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Event. Mehr als 400 Standl waren aufgebaut, der Kinderflohmarkt brachte keine Einnahmen, weil die Kids ohne Standgebühr aufbauen dürfen. Annähernd Zehntausend Besucher werden geschätzt, die Gassen waren proppe gefüllt, es war ein sehr entspanntes Schlendern durch die Altstadt. Trotz Besuchermassen. „Uns ist es immer sehr wichtig, dass die Sicherheit gut läuft und es den Besuchern gefällt, das hat auch in diesem Jahr wieder prima funktioniert“, freut sich Christandl. Wegen der warmen Temperaturen schwärmten die Besucher vor allem zwischen 22 Uhr und Mitternacht aus, um beim Nachtflohmarkt aktiv zu sein.

Die Straßensperre wurde gegen halb zwei aufgehoben, da räumten die Standlbetreiber zusammen. „Es waren viele zufriedene Gesichter zu sehen, die Verkäufer haben gute Geschäfte gemacht, wurde uns gemeldet“, heißt es vom Vorsitzenden des Theaterkreises weiter. Verhungern musste übrigens niemand. Unter anderem die Wasserburger Feuerwehr brutzelte viele Schmankerl und kam nicht nur wegen der sommerlichen Temperaturen ins Schwitzen. Grillfleisch und Würstl kamen bei den Besuchern gut an. Ebenso zufrieden zeigten sich die Gastronomen, die zahlreiche zusätzliche Gäste wegen des Flohmarkts begrüßen konnten.

Finanzamt mit Adleraugen?

Die Einnahmen der Verkäufer übrigens gehen am Fiskus vorbei. Nur wer regelmäßig, beispielsweise jeden Samstag, von Flohmarkt zu Flohmarkt zieht und beständige Einnahmen daraus hat, muss sich mit dem Finanzamt auseinandersetzen. Für die privaten Fieranten des Wasserburger Nachtflohmarkts dürfte dies keine Probleme geben. Es war deutlich zu sehen, dass sich hier keine „Profis“ in den Gassen präsentieren.

Quelle: rosenheim24.de

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