Beerdigung des Wasserburger Altbürgermeisters

Bewegender Abschied von Dr. Martin Geiger

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Trauerfeier für Dr. Martin Geiger in der evangelischen Christuskirche Wasserburg.

Wasserburg - Am Freitagnachmittag fand die Beerdigung von Wasserburgs beliebtem Altbürgermeister Dr. Martin Geiger statt. Knapp 500 Trauergäste nahmen Abschied.

Am 28. September verstarb Altbürgermeister Dr. Martin Geiger unter tragischen Umständen beim Bergwandern am Wendelstein. Der Trauergottesdienst fand am Freitagnachmittag in der evangelischen Christuskirche im Burgerfeld statt. Angehörige, Freunde, Weggefährten, Wasserburgs Altbürgermeister und Stadträte, Vereinsmitglieder und Bürgermeister der Nachbargemeinden erwiesen anschließend bei strömendem Regen Dr. Geiger auf dem Friedhof „Am Herder“ die letzte Ehre. 

Pfarrerin Cordula Zellfelder begleitete die Trauergäste in dieser schweren Stunde: „Die gesamte Stadtgemeinde nimmt Abschied von Dr. Martin Geiger, dessen plötzlicher Tod uns alle bestürzt. Er war ein sehr angesehener und geachteter Mitbürger in der Stadt Wasserburg.“ 

Das Leben des Altbürgermeisters

Pfarrerin Zellfelder blickte im Trauergottesdienst zunächst auf das bewegende Leben des Altbürgermeisters zurück:

Geboren am 10. April 1937 in Ostdorf in der Nähe von Balingen wuchs Dr. Martin Geiger als schwäbischer Bauersbub auf dem elterlichen Hof auf. Auf dem Gymnasium lernte er seine spätere Frau Heide kennen. Nach dem Abitur entschied sich Dr. Geiger nach München zu gehen, um Jura zu studieren. „Dr. Martin Geiger war immer wissbegierig, kostete das kulturelle Leben in München voll aus“, so Zellfelder. 

1963 folgte die Hochzeit, Dr. Martin Geiger schrieb gerade seine Doktorarbeit. Nach dem zweiten Staatsexamen begann er bei der Regierung Oberbayern und erlangte rasch höhere Positionen. Die letzte Station seiner juristischen Ausbildung führte Dr. Geiger 1970 ins Landratsamt in Wasserburg. Er zieht mit der Familie nach Wasserburg und baute sein eigenes Haus in der Mozartstraße. 

1971 wurde er zum Bürgermeister der Stadt Wasserburg gewählt. Er gehörte der Partei des „Wasserburger Blocks – Freie Wähler“ an. Es folgten30 Jahre Amtszeit. Zu seinen großen Projekten zählen die Umgehungsstraße, die Parkhäuser in der Überfuhr- und Kellerstraße, die Wohnanlage Stadler-Garten, die Hochwasserfreilegung, die kulturelle Bereicherung für die Stadt in Form des Theater Belaquas oder der Volksmusiktage sowie das Städtische Archiv an der Kellerstraße. 

„Dr. Geiger hatte aber nicht nur Erfolg, er musste sich auch heftiger Kritik aussetzten“, resümierte Zellfelder. „Dennoch war er ein Glücksfall für die Stadt. Er eröffnete neue Perspektiven, dachte weit voraus und setzte mit einer unglaublichen Hartnäckigkeit das durch, von dem er überzeugt war. Wasserburg würde ohne ihn heute anders aussehen.“ 

Seine zahlreichen Ehrenämter und auch sein engagiertes Wirken in der evangelischen Christuskirche raubte Zeit für die Familie. „Doch erliebte seine Familie und verbrachte, wann immer es ging, Zeit mit ihr“, so Zellfelder. „Eine sehr wichtige Rolle in seinem Leben nahmen die Enkelkinder ein. Kein Aufwand war ihm für sie zu groß und keine Frage blieb unbeantwortet. Auch wenn ihnen die Antwort manchmal zu ausführlich ausfiel.“ 

Zudem sei er ungemein praktisch veranlagt gewesen. „Den Innenausbau seines Hauses nahm er fast komplett selbst in die Hand – zur Verzweiflung seiner Frau zog sich das über Jahre hin.“ 

Der Tod seiner Frau im vergangenen Jahr traf den Altbürgermeister schwer. Mit ihr war er sein ganzes Leben lang eng verbunden. Nach einer intensiven Trauerphase zeigte er sich wieder zukunftsgewandt und lebensfroh. 

Seinegroße Leidenschaft waren die Berge, das Klettern und Wandern. „Umso tragischer sind nun die Umstände seines Todes“, sagte Zellfelder. „Doch sie sind auch typisch für Dr. Martin Geiger. Er ging nie eingefangene Wege, wollte immer Neues ausprobieren und ein Umdrehen gab es für ihn nicht.“ Sein plötzlicher Tod führe schmerzhaft vor Augen, wie zerbrechlich das Leben jeden Moment sein könne. Keiner von uns wisse, wie viel Zeit ihm noch bleibe. 

Dr. Martin Geiger zu Grabe getragen

Die Nachrufe: 

„Die Stadt Wasserburg muss Abschied nehmen von unserem Ehrenbürger und Altbürgermeister Dr. Martin Geiger“, begann Bürgermeister Michael Kölbl seine bewegende Trauerrede. „Bei einer Aufzählung seiner Projekte würde ich scheitern.“ Dies mache deutlich, wie sehr Dr. Geiger die Stadt lenkte. „Er überblickte Wasserburg und dessen Entwicklung als Ganzes und gestaltete sie maßgeblich.“ 

Kölbl lobte den Altbürgermeister für seinen Tatendrang und Ideenreichtum, der die Stadt besonders im wirtschaftlich schwachen Jahr 1972 zu einem starken Wirtschaftsstandort verhalf. „Er brachte den Hochwasserschutz in Gang und ermöglichte eine Verkehrsberuhigung in der Altstadt. Zudem erkannte er die Chancen des Denkmalschutzes für Wasserburg – das, was heute unser historisches Kapital ist“, so Kölbl.

Rosenheims Landrat Wolfgang Berthaler beschrieb Dr. Geiger als „Vollblutpolitiker, und Verfechter der kommunalen Stadtverwaltung. Mit großem Interesse an Kultur und Geschichte verschaffte er sich fachlich und gesellschaftlich einen Ruf in der kommunalen Familie.“ Sein Wirken werde noch lange im Gedächtnis bleiben. 

Markus Pöhmerer dankte Dr. Geiger im Namen der evangelischen Kirchengemeinde für dessen unermüdliches Engagement. „Die Gemeinde ist erschüttert über den plötzlichen Tod, wir Mitglieder des Kirchenvorstands werden ihn sehr vermissen.“ 

Matthias Haupt vom Städtischen Archiv würdigte den Wasserburger Ehrenbürger Dr. Geiger für dessen Vorsitz im Heimatverein, den er 23 Jahre lang führte. „Seit 1980 forschte Dr. Geiger aktiv über die Stadtgeschichte. Es war ihm ein Anliegen, das erarbeitete Wissen niederzuschreiben, was zu unzähligen Veröffentlichungen führte. Zuletzt arbeitete er an der Reformationsgeschichte, die nun leider nicht mehr vollendet werden kann.“

Richard Steinbichler, Vorstand der Sparkasse Wasserburg dankte dem Altbürgermeister für dessen lange Zeit im Verwaltungsrat von 1972 bis 2002. „Es war ein Glück, diesen Mann an der Spitze des Gremiums zu haben“, so Steinbichler. „Dr. Martin Geiger war der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“ Es sei für Steinbichler ein großes Glück Dr. Martin Geiger gekannt zu haben, auch wenn er sich wünsche, er hätte ihn bereits früher gekannt und später verloren. 

Auch der Lions-Club, der Wasserburger Block und die Gemeinnützige Wohnunsggenossenschaft GWG würdigten den Ehrenbürger als sozialen, engagierten, hilfsbereiten und liebenswerten Menschen.

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