Casual friday?

Wie steht's mit der Businesskleidung?

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Business-Kleidung ist für viele ein Graus. Doch die Regeln haben sich ohnehin verändert

Landkreis – Wie hat sich die Kleiderordnung in den Firmen der Region entwickelt? Ist Krawatte und Sakko immer noch Pflicht in Banken oder Behörden, oder wird mittlerweile alles lockerer gehandhabt und zwar nicht nur freitags?

„Manche Termine und Anlässe erfordern eine akkurate Garderobe, manchmal darf es auch etwas lockerer sein bei der Kleiderwahl“, erklärt Rosenheims Bürgermeisterin Gabriele Bauer. Sie wähle gezielt nach Anlass und Stimmung aus, verriet die Rathauschefin gegenüber wasserburg24.de.

Landrat Wolfgang Berthaler fühlt sich mit Krawatte durchaus wohl

Überwiegend mit Anzug und Krawatte unterwegs ist Rosenheims Landrat Wolfgang Berthaler. „Schon zu Zeiten des Bürgermeisteramtes habe ich diese Garderobe als meine Arbeitskleidung angesehen“, so der Landrat im Gespräch mit der Redaktion.

Andere Politiker pochen darauf, auch einmal besonders legere am Arbeitsplatz zu erscheinen. Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig ist es nach eigenen Aussagen wichtig, nicht immer im Hosenanzug aufzutreten, und auch die Tracht mal wegzulassen. „Ich bin häufig im Dirndl unterwegs, hab gerne aber auch einmal eine praktische Hose an, die Jeans kommt bei mir allerdings viel zu selten zum Einsatz“ gibt Ludwig zu. Daheim hingegen dürfe es auch mal besonders unkompliziert und bequem zugehen, so die Politikerin. „Wenn ich mit meiner Familie unterwegs bin, dann trage ich Kleidung, die auch mal so manche Kleckereien meiner Kinder verträgt“ schmunzelt Ludwig.

Bürgermeister Michael Kölbl zieht gerne eine Jeans zum Sakko.

Das Stadtoberhaupt von Wasserburg, Michael Kölbl, trägt zu seinem Sakko und der Krawatte oftmals eine Jeans und wird von den Politikerkollegen als „absolut korrekt angezogen“ bezeichnet. Kölbls Auftreten sei ohne Frage äußerst passend und lasse den Bürgermeister kompetent wirken. Verbreitet tut sich die Meinung auf, dass ohnehin der jeweilige „Mensch“ zähle, und nicht die angelegte Kleidung.

In den Firmen alles Etikette?

In großen Firmen kommt man offensichtlich zunehmend auf den Grundsatz „mehr Sein als Schein“! Verleger und Chef des OVB Medienhauses, Oliver Döser, glaubt, dass die „Business-Klamotte“ zwar nicht ganz aussterbe, der Einsatz der Garderobe aber immer lockerer werde. „Natürlich erfordern manche offiziellen Termine das Tragen einer Krawatte, dennoch merke ich auch selbst, dass man ebenso korrekt angezogen ist, wenn die Krawatte einmal fehlt“, so Döser. Immer öfter verzichte er auf dieses Accessoire. „Wenn ich mal keine Termine habe, ziehe ich gerne auch einfach mal eine Bundhose und ein Hemd an, dann bleibt sogar der Anzug im Schrank“ zeigt sich Oliver Döser praktisch eingestellt. „Ich denke, die Kleiderordnung wird immer lockerer, doch es kommt auch auf den Menschen selbst an“ erklärt der Leiter des Traditionshauses.

„Businessklamotte kam oftmals falsch zum Einsatz“, so Döser im Gespräch mit wasserburg24.de. „Mehr Schein wie Sein fiel in Vergangenheit negativ ins Gewicht“ bemängelt der Verleger. Kompetenz gehöre ausgestrahlt, nicht angezogen.

Im Ausland sei es gang und gäbe, sich legere zu einem Geschäftstermin zu treffen. Doch Deutschland ziehe hier seiner Meinung nach.

Richard Steinbichler von der Sparkasse Wasserburg findet, die Business-Kleiderordnung ist seit einigen Jahren nicht mehr besonders streng

Ebenso für mehr positive Ausstrahlung und Kompetenz – ohne dabei die Kleidung als Hilfsmittel benutzen zu müssen, um „gescheiter“ zu wirken, setzt sich auch Sparkassendirektor Richard Steinbichler aus Wasserburg ein. „Vor einigen Jahrzehnten war die Kleiderordnung im Bankenalltag doch sehr streng und steif“, so Steinbichler auf Nachfrage von wasserburg24.

Gebräuchliche Unterscheidungen im Kleidungsstil vieler Firmen:

Business Hier ist Krawatte ein Muss. Dazu ein Anzug in überwiegend dunkler Farbe, aufeinander abgestimmte Kleiderstücke machen Sinn. Faustregel: Maximal zwei Muster auf einmal.

Semi-formal Dies bedeutet klar: Keine Freizeitkleidung, Anzug mit Krawatte oder ein Kostüm sollten sein. Denken Sie nicht, der Begriff hieße „Halbformal“

Business casual Hier darf ein Freizeitlook getragen werden, der dennoch ansprechenden Chic verheißt. Dunkle Jeans, Poloshirt, sogar Strickpulli und Cordhosen gehören in diesen Bereich. Noch immer tabu sind hingegen Shorts und offenes Schuhwerk.

Come as you are Achtung, das könnte auch schief gehen! Krawatte kann vergessen werden, doch allzu ausgeflippt sollte ein Termin mit diesem Stil nicht angenommen werden. Jeans und lässiges Oberteil ja, Freizeitlook nur bedingt. Wenn ein Termin im Anschluss an die Bürozeit wahrgenommen wird, kann die Garderobe einfach etwas lockerer umgeordnet werden.

Man sei in den letzten Jahren aber dazu übergegangen, vor allem auf den Gesamteindruck wert zu legen, und dies sei auch mit lockerer Kleidung möglich. „In anderen europäischen Ländern sieht man in Banken die Angestellten teils mit kurzärmlichem Polohemd oder anderen, durchwegs lockeren Kleidungsstücken. Dennoch sind diese Bankler nicht weniger gut angezogen als diejenigen, die noch an der Businesskleidung hängen“, so Steinbichler. Er selbst findet es wichtig, dass man sich vor allem als Mensch und Mitarbeiter korrekt gegenüber Kollegen und Kunden verhält, die Kleidung nicht als „Schminke über die eigene Persönlichkeit“ benutzt. „Eigenartigerweise ist in unserer Region jedoch festzustellen, dass sich viele junge Kollegen diesen „Business-Code“ selbst auferlegen. Dies erstaunt mich, aber es ist natürlich auch schön anzusehen, wenn eine Mitarbeiterschar einheitlich und fast uniformell gekleidet ist“. Er selbst variiert bei der Wahl der Kleidung. „Im Sommer verzichte ich durchaus auch einmal auf Fliege oder Krawatte“, so Steinbichler. Es dürfe auch einmal ein kurzärmliges Hemd sein. Es gehöre zum Passus, sich selbst mal nicht so wichtig zu nehmen.

Was geht gar nicht?

Der Dresscode solle nicht zum Stress werden, sind sich viele Manager, Politiker und Firmenchefs einig. Dennoch gehöre manche indirekte Regel dazu. Obwohl der Sparkassendirektor eine zunehmend lockerere Garderobe im Arbeitsalltag favorisiert, gebe es Grenzen. Damen seien manchmal einer größeren Versuchung ausgesetzt, sich freizügiger zu präsentieren, als dies gut sei, erklärt Steinbichler. „Wenn bei Mitarbeiterinnen in einer Sparkassenfiliale das Oberteil so kurz ist, dass ein Tattoo zum Vorschein kommt, ist nicht nur die Bandbreite erfüllt, sondern die Grenze überschritten“, so Steinbichler. Grundsätzlich sei es kein Klischee, dass ein Tattoo oder Piercing nicht unbedingt der Etikette im Alltag einer Bank oder großen Firma entspreche, sind sich viele Bürger nach wie vor einig. Richard Steinbichler berichtet abschließend: „Wenn männliche Kollegen, die ohne Kundenkontakt arbeiten, denken, absolut abgetragene Freizeitkleidung könne in der Arbeit getragen werden, dann wird dies schon mal zur Sprache gebracht“. Eine Jeans gehöre mittlerweile zum korrekten Kleidungsstil, Löcher in der Hose auch weiterhin in den Freizeitbereich.

Quelle: rosenheim24.de

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