Statements der Wasserburger Parteien zum Zirkusverbot

Kontroverse über die Wildtierliste

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Wasserburg - Viel wurde über Sinn und Unsinn eines lokalen Wildtierverbots diskutiert. Wir wollten es noch einmal genau wissen und haben bei den Parteien in Wasserburg nachgefragt, wie diese zu dem Antrag stehen.

Die Grünen, die den Antrag angeregt haben, freuen sich natürlich darüber, dass der Antrag mit deutlicher Mehrheit angenommen wurde. Auch wenn klar sei, das ein lokales Verbot nur beschränkt Wirkung zeigen wird, so hofft man doch bei den Grünen, dass der Beschluss Vorbildwirkung hat und andere Städte und Gemeinde folgen.

Trotzdem ist, nach Meinung der Grünen, natürlich letztendlich hier der Gesetzgeber auf Bundesebene gefragt die Missstände in den Zirkussen zu beseitigen. Da so ein bundeseinheitlicher Beschluss wahrscheinlich in weiter Ferne liegt, sei es hier wichtig, wenigstens auf lokaler Ebene ein Zeichen zu setzen. Kritik äußert Stadler an der Liste der Wildtiere, die geächtet werden sollen. Die Liste sei nicht vollständig und auch nicht auf Zirkusse zugeschnitten.

Auch die Wasserburger Linken begrüßen den Beschluss, kritisieren aber wie die Grünen die Zusammensetzung der Liste und fordern Nachbesserung. Dort könnte, nach Auffassung der Linken, z.B. durch Konsultation einer Tierschutzorganisation nachgebessert werden.

Das Bürgerforum Wasserburg erklärte hingegen, dass sie den Antrag der Grünen nicht mittragen werden. Natürlich befürworte man eine artgerechte Haltung von Tieren, aber auch hier spielt die Liste mit den geächteten Tiere eine Schlüsselrolle bei der Entscheidung. 

Nach Meinung des Bürgerforums ist die Liste zu inkonsequent, da beispielsweise zwischen männlichen und weiblichen Tieren unterschieden wird . Das Bürgerforum fordert eine einheitliche Regelung und sieht die Bundesregierung in der Pflicht.

Wasserburg24.de hat nicht nur die Parteien in Wasserburg um ein Statement gebeten, sondern auch die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten": Diese äußert sich, wenig überraschend, gegen Wildtiere jeglicher Art im Zirkus. "Vier Pfoten" prangert vor allem die "unzureichende Rechtsgrundlage" in Deutschland an und verweist auf andere europäische Länder, die bereits klare Richtlinien zur Haltung von Wildtieren in Zirkussen erlassen haben. 

Die Tierschutzorganisation verweist nicht nur auf die, ihrer Meinung nach, untragbaren Haltungsbedingungen im Zirkus, sondern auch auf das Sicherheitsrisiko, das von Wildtieren ausgeht
Die Arbeit mit Wildtieren stelle vor allem für Zirkusmitarbeiter eine große Gefahr dar, aber natürlich auch für die Zuschauer. Gerade Unfälle mit Elefanten ereignen sich wohl häufiger nach Informationen der Tierschutzorganisation.

Es wird deutlich, dass die Parteien sich zwar einig sind, das Tierschutz ein wichtiges Thema ist und auch konsequent umgesetzt werden soll. Dreh- und Angelpunkt der Diskussion ist ganz klar: Welche Tiere gehören auf die Liste, und welche nicht?

Wasserburg24.de wird Sie weiter zu dem Thema informieren. Im Anschluss können Sie noch die Original-Statements der Parteien und von "Vier Pfoten" nachlesen und abstimmen, was Sie von Wildtieren im Zirkus halten.

Statement des Grünenpolitikers Christian Stadler, der den Antrag eingebracht hat:

Wir freuen uns sehr, dass unser Antrag mit so deutlicher Mehrheit angenommen wurde. Bisher haben bereits mehrere europäische Länder sowie über 70 Städte in Deutschland den Auftritt von Wildtieren in Zirkussen verboten oder beschränkt. 

Natürlich ist auch uns bewusst, dass dieser kommunale Beschluss nur begrenzte Wirkung entfaltet, da er rein die Verpachtung städtischer Flächen betrifft. Auf die Vergabe privater Flächen bzw. auf die Vergabepraxis in anderen Gemeinden hat die Stadt keinerlei Einfluss. Deshalb hoffen wir, dass der Wasserburger Beschluss auch in der Region eine gewisse Vorbildwirkung entfaltet.

Wir halten es außerdem nach wie vor für wichtig, dass der Gesetzgeber möglichst bald eine bundesweite Regelung findet, wie es zum Beispiel in der Initiative des Bundesrates sowie in einer groß angelegten Onlinepetition mit mittlerweile über 100.000 Unterstützern gefordert wird. 

Allerdings kann niemand zuverlässig abschätzen, wann bzw. ob diese bundesweite Regelung überhaupt kommen wird. Es ist deshalb ein wichtiger erster Schritt, dass die Stadt Wasserburg in ihrem eigenen Zuständigkeitsbereich und im Rahmen der eigenen Möglichkeiten der Verantwortung für einen verbesserten Tierschutz gerecht wird.

Die Verwaltung hatte den Wunsch, für die Umsetzung des Beschlusses eine verbindliche Liste von Wildtieren als Entscheidungsgrundlage an die Hand zu bekommen. Das erscheint uns nachvollziehbar. Der Hauptausschuss hat sich dann letztlich mit deutlicher Mehrheit für die Beispielliste des bayerischen Innenministeriums nach § 37 Abs. 2 LstVG entschieden. 

Diese soll die Einordnung von gefährlichen Wildtieren erleichtern, was auch die zunächst unverständlich erscheinende Unterscheidung zwischen männlichen und weiblichen Tieren erklärt. Diese Liste stammt also nicht von uns und war auch nicht Teil unseres ursprünglichen Antrags.

Allerdings ist diese Liste des Innenministeriums nicht auf Tiere in Zirkusbetrieben ausgelegt und erhebt auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Eine praxisnahe Anpassung sollte deshalb möglich sein, am besten mit Beratung durch einen Tierschutzverband, wie es die Linke Liste angeregt hat. 

Die von Werner Gartner (SPD) vorgeschlagene Liste des Bundesrates hielten wir für nicht weitgehend genug. Beispielsweise wären Kamele - unabhängig vom Geschlecht - von der Bundesratsliste gar nicht erfasst gewesen. Deswegen sind wir mit der jetzigen Lösung als vorläufigen Maßstab sehr zufrieden und freuen uns über den positiven Beschluss.

Sophia Jokisch, Stadträtin der Linken Liste Wasserburg:

Der Beschluss ist grundsätzlich zu begrüßen, unverständlich ist mir jedoch die zugrundeliegende Liste der Wildtiere. Bei dem Verzicht auf Wildtiere im Zirkus geht es ja darum, dass diese bei Transporten, bei Auftritten und durch den ständigen Wechsel der Orte enormen Stress ausgesetzt sind. Hinzu kommt die oft nicht artgerechte Haltung in sehr kleinen Käfigen. Der Verzicht auf Wildtiere ist deshalb seit Langem überfällig. Attraktionen kann ein Zirkus auch durch Artistik, Tanz, Clownerie oder domestizierte Tiere bieten.

Die dem Beschluss zugrunde liegende Liste der Wildtiere, die beim entpsrechenden Artikel in der Wasserburger Stimme angehängt war, kann aber unmöglich abschließend sein. Nur ein männliches Riesenkänguru aufzuführen, ergibt in diesem Zusammenhang keinen Sinn. Weibliche Riesenkängurus und andere Känguruarten sind von den Belastungen genauso betroffen. 

Gleiches gilt für Affen, wo es in diesem Zusammenhang ebenso unsinnig ist, Halbaffen und Krallenaffen auszunehmen, oder für weibliche Tapire und Hirsche. Für Riesenschlagen wiederum, die laut Liste ausgenommen sind, sind die Belastungen eines Zirkusbetriebes kein großes Problem.

Ich empfehle der Stadtverwaltung deshalb dringend, sich hier Beratung von einem Tierschutzverband einzuholen und eine aktualisierte Liste nachträglich zu beschließen.

Statement des Bürgerforums Wasserburg:

Wir als Bürgerforum Wasserburg sind grundsätzlich, wie sicher alle unsere Stadtratskollegen, für artgerechte Tierhaltung, konnten aber den Antrag der Grünen nicht mittragen, weil es z.B. inkonsequent erscheint zwischen Pferd und Kamel oder männlichen und weiblichen Tieren zu unterscheiden, das eine geht, das andere nicht. Jedes Tier ist schützenswert! Es muss eine einheitliche Regelung zum Wohl der Tiere durch den Gesetzgeber geben. Auch jetzt schon gibt es ein Tierschutzgesetz, das Fälle von Tierquälerei ahndet. Ich glaube, die Stadtverwaltung wird sich schwer tun im Einzelfall zu entscheiden, welcher Zirkus nun auf städtischen Grundstücken zugelassen werden soll und welcher nicht. Für die Kinder wäre es sicher sehr schade, wenn sie bei uns in der Stadt keinen Zirkus mehr besuchen könnten.

Wir haben bei der Tierschutzorganisation "Vier-Pfoten" ein Statement angefragt:

Wildtiere können im Zirkus nicht artgemäß gehalten werden und können ihr natürliches Verhalten nicht ausleben. Dies lässt die unzureichende Rechtsgrundlage leider immer noch zu. Es liegt an der Bundesregierung, diesen Tieren endlich zu helfen und ein Wildtierverbot für Zirkusse auf den Weg zu bringen.“

Neben den schlechten Haltungsbedingungen stellen Wildtierzirkusse auch ein enormes Sicherheitsrisiko dar. Oft bringen sich nicht nur Zirkusmitarbeiter durch die tägliche Arbeit in Gefahr, sondern auch Besucher kommen bei den Vorstellungen und der Tierschau den großen Wildtieren gefährlich nahe. Dabei ist die Liste mit Unfällen (gerade bei Elefanten) lang.

Was denken Sie? Stimmen Sie ab oder sagen Sie uns Ihre Meinung in den Kommentaren!

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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