Bahnfreunde blicken über den Tellerrand

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Hans Peter Leu beantwortete in Wasserburg bei der Pro Bahn Veranstaltung alle Fragen

Wasserburg - Bei der Pro Bahn-Veranstaltung blickten die Bahnfreunde über den Tellerrand hinaus und erfuhren unter anderem, wie es in der Schweiz in Sachen Eisenbahn so zugeht.

Streckenstilllegungen, unterschiedliche Tarife, mangelnde Kundenakzeptanz oder fehlende Nutzungseffizienz? In der Schweiz ist das alles offensichtlich kein Problem! Und so staunten die Wasserburger Besucher der Pro-Bahn-Veranstaltung in den gut gefüllten Paulanerstuben angesichts der Informationen des Schweizer Leiters für internationale Beziehungen der Schweizer Staatsbahnen (SBB), Hans-Peter Leu, beim Vergleich mit der heimischen Situation des Öfteren nicht schlecht. Die vorgestellten Erfolgsrezepte aus dem Land der Weltmeister im Bahnfahren zeigten allerdings, dass Kundenzufriedenheit und Gewinn nicht nur in Ballungsgebieten in Einklang zu bringen sind. Die lebhafte Diskussion im Anschluss zeigte das große Interesse an Verbesserungen im Wasserburger Raum. 357 Millionen Reisende pro Jahr, die mit der Schweizer Bundesbahn unterwegs sind, entsprechen etwa der Hälfte des europäischen Luftverkehrs, so der Referent. Die Schweizer Lust am Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) beruht auf dem Erfolg eines über Jahre hinweg erfolgreich weiter entwickelten Konzepts, das vor allem auf gut ausgebaute Strecken mit Doppelspuren und Kreuzungsbahnhöfe setzt. Moderne Bauten mit behindertengerechten Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten an Bahnsteigen werden durch einen Viertelstundentakt in den Kernzonen der größeren Städte ergänzt. Bis weit in die Region hinaus wird im Halbstundentakt gefahren, selbst kleinere, entfernte Dörfer können mit stündlich abfahrenden Zügen rechnen. Wo Menschen sind, wird hingefahren, steht als Credo für den ÖPNV. Dazu kommt ein einheitliches Tarifsystem, an das neben der Bahn auch alle anderen Verkehrsbetriebe angeschlossen sind. In Rahmen eines ausgeklügelten Abrechnungsverfahrens kann der Kunde alles, auch Schifffahrtslinien, im Rahmen eines einheitlichen Fahrausweises benützen.

Dies ist auch im Rahmen eines Generalabonnements oder eines der 2,34 Millionen jährlich verkauften Halbtax-Abos möglich und wird dementsprechend genutzt. Jeder Schweizer fährt durchschnittlich 2200 Kilometer im Jahr mit der Bahn, so Leu. In den Ballungsräumen verfügen viele Menschen wegen des optimierten Angebots weder über Führerschein noch Auto. Möglichst einfache Tarife auch im Bereich Bus- und dem sonstigem Stadtverkehr sowie günstige Anschlussmöglichkeiten mit geringsten Wartezeiten und großer Pünktlichkeit sorgen mit für die hohe Akzeptanz. Nur ganz wenige meist rein touristisch genützte Fahrbetriebe und Linien sind aus dem gemeinsamen Tarifsystem ausgeschert. Zielführend ist aber auch ein vorausschauender Ausbau der Strecken gewesen, der jeweils lange vor Baubeginn demokratisch abgesichert wurde. Über Jahre im Voraus wird auch das Erneuern des „Rollmaterials“ mit fortgeschriebener Abnutzung eingeplant und laufend modernisiert. Zusammen mit dem internationalen Güterverkehr und den Erlösen aus den Immobilien ergibt sich jährlich sogar ein kleiner Gewinn, der das Tarifsystem derzeit nur selten zur Anpassung zwingt. Bernd Meerstein, Sprecher von Pro Bahn Wasserburg leitete anschließend die Aussprache, in der vor allem Fragen zu behindertengerechten Ein- und Umsteigehilfen, dem integrierten Tarif und verschiedene Fachfragen dominierten. Hans-Peter Leu beantwortete mit seiner 40-jährigen Erfahrung alles souverän und kündigte für seine Heimfahrt die Benutzung des Filzenexpress an. Hinterher reflektierte so mancher Zuhörer, dass Wasserburg im Halbstundentakt bedient wäre, läge es denn in der Schweiz. Bekanntlich bereitet es bis heute schon einige Mühe, beim Filzenexpress auch nur einen Stundentakt zu etablieren.

Pressemitteilung Pro Bahn e.V. Ortsgruppe Wasserburg

Quelle: rosenheim24.de

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