Ein Drei-Tages-Marsch wie vor 400 Jahren

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Wie hier beim Wallenstein-Festival werden auch beim Winterlager wieder historische Kostüme getragen.

Wasserburg - In einer Woche startet das Abenteuer Winterlager zum Wallenstein-Festival. Mindestens 160 Teilnehmer wollen sich das nicht entgehen lassen.

Brillen und Gummistiefel sieht der Rüstmeister nicht gerne, geteert und gefedert wird gar wer Ohrenschützer hat oder einen Anorak beim langen Marsch von Albaching nach Wasserburg. Heute in einer Woche startet das Abenteuer Winterlager zum Wallenstein-Festival. 160 Mitwirkende haben ihre historischen Gewänder bereits, wie viele am Ende tatsächlich sich durch Wälder und über Wiesen auf den Weg machen wollen, weiß auch Christian Huber noch nicht genau. "Anfragen kommen täglich" sagt der Spielleiter.

Garser Gymnasiasten sind beim dreitägigen Marsch die Leibwache von Wallenstein, die Gallas-Pioniere sind Bundespolizisten oder Reservisten, die schwedischen Freinde kommen unter anderem aus Erding, auch aus Baden Württtemberg ist eine Gruppe dabei, rund 50 Männer und Frauen aus dem Volk von Oibich und Wasserburg gehören zum rund 400 Meter langen Zug, der bis zu eineinhalb Kilometer lang wird, wenn sich die Truppen und Gruppen auseinanderziehen. Für Spielleiter Christian Huber eine "besonders heldenhafte Truppe" sind die Albachinger Pikeniere, die eine 15 Kilo schwere sehr lange Stange mit einer Eisenspitze auf dem 26 Kilometer langen Weg dabei haben.

Die Verpflegung morgens, mittags und abends übernimmt der Wasserburger Theaterkreis mit Unterstützung etliche Gastronomen, Metzger und Bäcker. Unter anderem wird es beim Abmarsch am 1. März wohl Bayerns längste Handwurst geben, jeder Teilnehmer bekommt als Wegzehrung eine ein großes Stück mit auf den Weg.

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Um 4 Uhr treffen sich zum Abmarsch alle Teilnehmer in Albaching beim Sportheim. Der Wagentross mit zehn Pferden steht nördlich von Albaching bereit, fünf Wagen sind es, vier Pferde werden die "dicke Berta" ziehen. Für diesen Wintermarsch bekam die größte Kanone Bayerns eine neue Achse, "nicht historisch, aber technisch erforderlich und vom TÜV abgenommen", so Huber, der einfach nur hofft, dass alles gut geht. Zweimal müssen Bundesstraßen unterquert werden, einmal in die 304 bei Rottmoos, eher bedenkenlos, einmal die B15 bei Seeburg, rechts und links von der Kanone ist zehn Zentimeter Platz. Und da die gesamte Wegstrecke nicht auf geteerten Straßen, sondern zum Teil Wege mit tiefen Furchen sind, "wissen wir nicht ob wir wirklich ankommen".

Fünfmal haben die Verantwortlichen den Weg ausgekundschaftet und Sepp Christandl gibt zu, dass man für diesen historischen Wintermarsch nicht mit so vielen Behördengängen und Behördentelefonaten gerechnet hatte, wie sie am Ende notwendig waren. Aber die gute Botschaft des Theaterkreis-Vorsitzenden: "Krieg ist heute gar nicht mehr möglich, dafür gibt's keine Genehmigungen."

Wenn die Waffen ausgegeben sind, jeder seine Verpflegung und die Stadtkapelle das Wallensteinlied gespielt hat, geht es nach einem Gebet mit dem Feldgeistlichen, dem Albachinger Wortgottesdienstleiter Johannes Wimmer, los Richtung Maitenbeth in den Wald. Bis der Zug zur Mittagsrast auf dem Hof von Bezirksrat Wast Friesinger eintrifft, haben die Schweden schon einige Überfälle gemacht.

Weiter geht es dann über Hart und Dunsern Richtung Schleefeld, wo auf dem Hof von Hans Friesinger übernachtet wird. Vorbereitet sein wird dort nichts, Holz fürs Feuer müssen Volk und Soldaten holen, Kochstellen müssen aufgebaut werden, einzig die Blasmusik zur Unterhaltung ist schon dort.

Wallenstein-Festival in Albaching

Zapfenstreich ist um 23 Uhr, Wecken um 5 Uhr, nach dem Frühstück geht es durch ein Moorgebiet weiter in Richtung Soyen nach Wetterstett zum Hof von Robert Hiebl, der zweiten Übernachtungsstation.

Die letzte Etappe von dort nach Wasserburg führt vorbei an Sonnleiten und dann zum Hans, dem Wirt in Koblberg. Nach einer Brotzeit dort geht es weiter durch die nörliche Burgau bis zum Kreisel bei der Aral-Tankstelle. Der ist dann für den Verkehr gesperrt, der lange Zug biegt links rum ein und löst sich an dieser Stelle auf. Für die "dicke Berta" kommt ein letztes spannendes Stück, die doch relativ steile Köbingerbergstraße. Am Bahnhof treffen sich alle wieder und, geht es nach Plan, wird Bürgermeister Michael Kölbl gegen 15 Uhr den Tross samt Kanone hinter der Frauenkirche in Empfang nehmen. Die Berta wird eine Woche dort stehen. Dann wird das Symbol des Wallensteinfestivals weiter gezogen durch das Brucktor über die Innbrücke bis zu ihrem Platz bei der Sparkasse, das Kanonenrohr Richtung "Zur Schanz".

vo/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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