Wasserburger als Arzt und Seelsorger in Afrika

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Dr. Thomas Brei als Seelsorger und als Arzt. Beides ist gefragt in Tansania.

Wasserburg - Ein Priester, der Medizin studiert und nach Afrika geht: Das ist der Wasserburger Arzt Dr. Thomas Brei. In vier Wochen fliegt er nach Tansania, um dort als Arzt und Seelsorger zu wirken.

Vielen könnte die Primiz von Thomas Brei vor zehn Jahren in der Altstadt noch vor Augen sein. Die wenigsten werden sich aber erinnern, dass der ehemalige Wasserburger Stadtführer und Bergwachtler schon damals angedeutet hat, in der Entwicklungshilfe arbeiten zu wollen. Zu eindeutig scheint in Zeiten des massiven Priestermangels der Auftrag an jeden Neugeweihten, in der Heimat Seelsorger zu werden.

"Ich verstehe schon, dass nicht jeder jauchzt über meine Entscheidung", so Thomas Brei. Trotzdem ist für ihn jetzt absolut klar, dass sein Weg ein anderer ist als der für katholische Priester in Bayern scheinbar vorgezeichnete. Er will keinen großen Pfarrverband verwalten und sich auch nicht unbedingt in kirchenpolitische Vorgänge vertiefen. Er will lieber ganz unmittelbar "den Armen und Kranken beistehen, Heimatlosen und Notleidenden helfen", zitiert er sein Versprechen bei der Priesterweihe.

Und so ist der jetzt 39-Jährige trotz einiger Widerstände einen langen Weg gegangen. Als frischgebackener Abiturient hatte er schon ein Semester Medizin studiert, sich dann aber doch für die Theologie entschieden. Nach der Priesterweihe war er dann drei Jahre Kaplan in Velden, bevor er als Subregens ans Priesterseminar zurückkehrte. Dieser Auftrag war verbunden mit der Möglichkeit, in Theologie zu promovieren. "Aber ich wollte stattdessen lieber Medizin studieren." Letztes Jahr wurde er approbiert, jetzt hat er noch den Dr. med angehängt.

In vier Wochen wird er abfliegen Richtung Tansania, seinem neuen Wirkungsbereich. Als "fidei-donum-Priester" wurde er nach einigen Diskussionen von der Diözese freigestellt. Mit diesem Begriff wird der Gedanke beschrieben, dass die reicheren den armen Diözesen mit Personal zur Seite stehen.

Inzwischen läuft der Priester-Export zwar in der Regel in die andere Richtung. Doch bei Thomas Brei ist die ärztliche Qualifikation entscheidend: In Wasso im Ngorongoro-Krater wird er in einem Krankenhaus arbeiten, das derzeit ein Franziskaner-Priester und Arzt leitet. Es betreut vor allem die Massai, die in der Steppe rund um den Krankenhaus-Siedlung nomadisch leben, wo "250 Kilometer im Radius sonst nichts ist", wie Thomas Brei von seinen Besuchen weiß.

Schon seit 17 Jahren ist der Wasserburger von Tansania fasziniert. Immer wieder hat er dort seine Urlaube verbracht, hat soziale und medizinische Praktika geleistet und die Landessprache Kisuaheli gelernt. "Die konkrete Not dort ist eine neue Herausforderung für mich", so Brei - als Arzt wie als Seelsorger.

Nach einem Jahr Einarbeitung an der katholischen Universitätsklinik Tansanias wird er im Juli 2012 nach Wasso gehen, der Vertrag läuft erst einmal über fünf Jahre. Dort erwartet ihn einerseits der Klinikbetrieb auf einfachstem Niveau, andererseits die Seelsorge für die 150 Mitarbeiter des Krankenhauses - und für viele sterbende Patienten. "Man kann hier vielen Menschen medizinisch nicht helfen. Dann geht es um die Sterbebegleitung" - in engem Kontakt zum envangelischen Geistlichen und zum Imam.

Die medizinischen Bedingungen sind "ein himmelweiter Unterschied zu Deutschland", so Dr. Brei, schon von den Patienten her. Das Durchschnittsalter in Tansania liegt bei 18 Jahren, die Lebenserwartung bei 49. Da gibt es selten Herzinfarkte, dafür viele Infektionen, chirurgische Notfälle - und Geburten, "aber selbst an der Uniklinik kein Gerät, um die Herztöne des Kindes aufzuzeichnen."

Thomas Brei ist trotzdem überzeugt, dass ein westlicher Arzt hier viel Not lindern kann. Die westliche Medizin generell gebe zwar in Tansania kein positives Bild ab. Wer kann von den einheimischen Ärzten, geht ins Ausland, um mehr zu verdienen. Der Rest ist häufig unmotiviert. Wer behandelt werden möchte, muss dementsprechend überall Geld auf den Tisch legen - oder unten durch schieben. Andererseits seien die heimischen Heiler zwar wichtige Helfer vor allem bei psychosomatischen Krankheiten, so Brei. Wenn es ernst wird, kämen aber auch die Massai nach Wasso in die Missionsklinik, "leider oft erst, wenn es zu spät ist."

Die große Verantwortung für den einzigen Arzt, der überhaupt zur Verfügung steht, ist Thomas Brei bewusst. Die Hälfte der 46 Kilo Fluggepäck werden Fachbücher ausmachen, "die braucht ein Anfänger einfach." Und er freut sich, dass immerhin einige deutsche Mediziner-Kollegen versprochen haben, im Urlaub mal zu kommen und auszuhelfen.

Trotzdem braucht es wohl auch den Beistand von oben. Vieles ist offen, die Finanzierung der Arbeit immer wieder ein Fragezeichen. Aber für Thomas Brei ist einfach klar, dass das jetzt seine "Mission" im ursprünglichen Sinn ist, seine Berufung. "Ich hatte einfach das Gefühl, mit Worten nicht mehr weiterzukommen in der Glaubensvermittlung. Jetzt will ich mit konkretem Tun zeigen, dass sich Christus um die Armen kümmert."

Karl Königbauer (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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