Weniger Stress für die Tiere

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Mehr Ruhe hatten die Fachleute diesmal beim Begutachten der Tauben.

Wasserburg - Mehr Qualität, besserer Tierschutz, aber tendenziell abnehmende Aussteller- und Besucherzahlen: Auch der Taubenmarkt in Wasserburg bestätigte diese Entwicklung.

Trotzdem sind die Veranstalter vom Kleintierzuchtverein zufrieden.

"Ein anliegender Kamm, gerade Zehen, schönes Gefieder ohne Fehlfarben" - wenn man Andreas Wagner und Michael Laber über Zwergreichshühner fachsimpeln hört, klingt das schon wie bei alten Hasen. Doch die beiden Freunde aus Öttingen sind gerade 13 und 14 Jahre alt, und damit unter den jüngsten Verkäufern auf dem Taubenmarkt.

Solche Pracht macht sichtlich Freude. Fotos Heck/Berninger (1)

Die traditionsreiche Kleintierbörse hat Wasserburg gestern wieder in einen riesigen Taubenschlag verwandelt, es gurrte, schnatterte und krähte in Ledererzeile, Färbergasse, Schustergasse und Hofstatt. 320 Aussteller aus Deutschland und Österreich hatten sich mit rund 10.000 Tieren angemeldet. Ob angesichts des eher unfreundlichen Wetters auch alle kamen, das konnte gestern noch nicht bilanziert werden.

Bella Donna: Schöne Frauen stehen im Mittelpunkt - gestern vor dem, heute wieder im Laden.

Auch ein anderer Umstand als das Wetter könnte einige abgehalten haben: Bevor die Käfige voll Wachteln, Enten oder Hühnern in der Altstadt aufgebaut werden dürfen, müssen die Taubenlackl einigen bürokratischen Aufwand betreiben. Hasen und Tauben benötigen ein Impfzeugnis, für das übrige Geflügel braucht es zusätzlich eine Bestandsuntersuchung, und erstmals die amtstierärztliche Bescheinigung: "Es dürfen keine Krankheiten wie Geflügelpest in der Zuchtgegend bekannt sein", erklärt Mario Rosbigalla vom Wasserburger Kleintierzuchtverein im "Büro" im Parkhaus, wo der Verein auch wieder seine Kleintierausstellung zeigte.

Auch er findet die Börsenbedingungen streng, fügt aber hinzu, dass es dank der Auflagen viel gesitteter zuginge als früher. "Und es gibt auch Lob für die steigende Qualität des Marktes."

Die Tendenz zu Qualität statt Quantität ist nicht nur in den zurückgegangenen Anmeldungen spürbar. Längst drängten sich gestern nach übereinstimmenden Einschätzungen von Polizei, Feuerwehr und Besuchern nicht mehr solche Massen wie früher durch die Gassen, sondern es konnte ganz gemütlich geschlendert werden.

Massives Panik-Potenzial für Federvieh hat dieser - in Wirklichkeit völlig harmlose - Transportkarton.

So fiel es auch Gerhard Wilsch vom Zuchtverein nicht schwer, bei seinen Kontrollgängen den Überblick zu behalten. Noch vor dem Amtstierarzt überprüfte er die Stände. Zwei Tiere pro Käfig, so lautet üblicherweise die Regel, und ein dreiseitiger Wetterschutz - Kriterien, die meistens erfüllt werden. Schwieriger sei es, die Transportbehälter im Auge zu behalten, "aber zumindest solange sie auf dem Markt sind, müssen wir für Ordnung sorgen", so Wilsch.

So wie Dr. Werner Hamp, der Chef des Veterinäramtes, der kurze Zeit später seine Runde machte. "Die Tierschutzordnung wird heute wesentlich besser umgesetzt", lautet sein Urteil, "mit ein paar Ausnahmen allerdings." Es gebe nach wie vor Verbesserungsbedarf, doch der Wasserburger Taubenmarkt sei auf einem guten Weg. "Auch der Umgangston, wenn ich Impfzeugnisse und andere Papiere kontrolliere, wird immer freundlicher."

Ganz genau hinschauen heißt es, schließlich ist der spätere Umtausch von Italien, Österreich oder Holland aus wenig erfolgversprechend.

Da haben so vorbildliche Züchter wie der 15-jährige Marco Kreuzmeir nichts zu befürchten. Seine Käfige sind ordentlich, alle nötigen Bescheinigungen trägt er in der Tasche. Schon vor 8 Uhr hat er den Großteil seiner 25 Zwergviandotten verkauft. "Man darf sich aber nichts gefallen lassen, viele wollten mich runterhandeln", lacht der Jugendliche und schreibt für einen interessierten Italiener selbstbewusst einen Preis auf einen Pappkarton.

Viel junge Züchtergesellschaft hat er nicht auf dem Markt, der Nachwuchs ist rar bei den Taubenlackl. "Zu wenig Freizeit oder zu wenig Platz", vermutet Rosbigalla als Hauptgründe.

Ein aufgebrachter Marktbesucher, Michl Scheuerer, meint es besser zu wissen: "Die ärztlichen Auflagen sind viel zu streng." Früher habe eine ganz andere Atmosphäre geherrscht, "heute kommen Polizisten zur Kontrolle, als wären wir Verbrecher. Ich gebe dem Taubenmarkt noch fünf Jahre."

Die beiden Öttinger Jungzüchter Andreas und Michael sind dagegen zufrieden, schließlich kennen sie es nicht anders. Sie wollen ihre Zucht noch erweitern und auch nächstes Jahr wieder um 2 Uhr früh mit dem Vereinsbus Richtung Wasserburg aufbrechen.

Und auch die Polizei hat nichts dagegen, dass beim Taubenmarkt nicht mehr "Ausnahmezustand" in Wasserburg herrrscht, wie in früheren Jahren: Außer einem raffinierten Taschendieb habe es keine größeren Probleme gegeben, auch nicht mit dem Tierschutz.

Einen Beitrag über den Wasserburger Taubenmarkt sendet das Bayerische Fernsehen heute, Montag, in "Schwaben und Altbayern aktuell" um 17.30 Uhr.

Susa Berninger (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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