Medizinstudenten lernen den Beruf des Allgemeinmediziners praktisch kennen

Werbung für den Hausarzt

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Obing - Ungewohnte Gesichter in der Praxis des Hausarztes, das erleben Patienten in Wasserburg und Umgebung immer öfter. Denn auch abseits der Großstädte gibt es zunehmend Lehrpraxen.

Dort können Medizinstudenten den Beruf des Hausarztes kennenlernen. Was ganz auf der Linie des neuen Gesundheitsministers liegt, denn Dr.med Philipp Rösler hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, die Zahl der Land- und Hausärzte zu steigern. Manche Besucher haben sich wohl gewundert in den letzten Wochen, als sich beim Besuch in der Praxis von Dr. Pfister eine junge gebürtige Chinesin vorstellte. Rong Shi heißt sie, die Medizinstudentin, die seit zwölf Jahren in Deutschland lebt und nun ihre Praxistage absolvierte. Damit war sie die erste Praktikantin in der Obinger Arztpraxis.

"Das war viel besser, als ich mir das vorgestellt habe", freute sich die Studentin, die schon von vielen schlechten Erfahrungen ihrer Kommilitonen in Münchener Praxen gehört hatte. Die Ärzte seien oft selbst mit ihrer Arbeit überfordert und nähmen sich dann nicht die notwendige Zeit für ihre Praktikanten. Bewusst habe sie sich daher für eine Landarztpraxis entschieden. Mit Dr. Pfister habe sie dann auch gleich einen Arzt gefunden, der seine unentgeltliche Berufung zur Lehrpraxis an der Medizinischen Fakultät der Ludwig- Maximilian-Universität engagiert dafür nutzen möchte, Ärztenachwuchs gut auszubilden und Werbung für die Allgemeinmedizin und die Landarztpraxis zu machen.

Er strebt die Aufnahme in den Lehrzyklus an, weil durch die Lehrtätigkeit der Routineablauf durchbrochen werde und die eigene Arbeit immer wieder überprüft werden könne. Zum anderen wanderten rund 60 Prozent der jungen Ärzte nach ihrem Studium ins Ausland oder in andere Bereiche ab und gingen damit der Medizin verloren. Daher will Dr. Pfister wieder mehr Kollegen für den Arztberuf in Deutschland gewinnen, wovon man nach wie vor gut leben könne.

Die Allgemeinmedizin werde bisher eher stiefmütterlich behandelt und stehe in starker Konkurrenz zum Facharzt. Dabei sei die "Wald- und Wiesenmedizin" der schönste Teil des Berufs und eigne sich nicht nur zur erfolgreichen Behandlung bei Husten, Schnupfen und Heiserkeit. Vielmehr mache der Allgemeinarzt mit der klassischen Schulmedizin eine Basismedizin, die den Patienten ab dem Babyalter durch das Leben begleite und als Schnittstelle mit den Fachärzten fungiere.

Die Praxis Wilsmann in Wasserburg nimmt ebenfalls seit ungefähr drei Jahren an diesem Projekt teil, ist also auch eine Lehrpraxis, und betreut im Jahr drei bis vier Studenten - auch hier mit dem vorrangigen Ziel, die Allgemeinmedizin aufzuwerten und die Arbeitsweise der Ärzte praktisch aufzuzeigen.

Der Internist, Allergologe und Hausarzt hat sich aufgrund von massiver Werbung an der Technischen Universität für die Teilnahme beworben. Nun muss er auch Lehrveranstaltungen besuchen, um Themen aufzufrischen. "Man gibt eigenes Wissen weiter", so fasst Thomas Wilsmann zusammen, "und bekommt auch weiteres Wissen und aktuelle Erkenntnisse von der Universtität vermittelt."

Ob das Projekt erfolgreich ist, sei seiner Ansicht nach erst in einigen Jahren zu beurteilen, wenn noch mehr Praktikanten diese Praxistage absolviert haben. Seiner Erfahrung nach seien die Studenten nach dem Aufenthalt in der Hausarzt-Praxis zwiegespalten. Der eine Teil sei nachher angetan von der Arbeit eines Allgemeinmediziners, beispielsweise von der Abwechslung durch Hausbesuche. Andere beurteilten diese Medizinrichtung als zu viel Arbeit, während wiederum andere das "Operative" bevorzugen würden.

"Mir macht's Spaß", fasst Wilsmann selbst seine Erfahrungen zusammen, auch wenn es manchmal anstrengend sei und viel zu erklären gebe. Bisher, so betont er, habe er "ausschließlich engagierte Studenten" gehabt.

ca/mat/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser