Westtangente: Warten auf den 8. Februar

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In Schechen treibt die Verkehrsbelastung Bürger auf die Straße: Ein Demonstrationszug der Initiative „B15 raus aus Pfaffenhofen“.

Rosenheim/Landkreis – Der Bau der Westtangente schien auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben. Doch am Freitag kam die überraschende Nachricht aus Berlin! Der ausführliche OVB-Bericht:

Baurecht vorhanden, aber kein Geld: Der Bau der Rosenheimer Westumfahrung schien angesichts fehlender finanzieller Mittel auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben. Doch am Freitag kam die überraschende Nachricht aus Berlin: Die Westtangente hat es auf eine Liste geplanter Neubaumaßnahmen für das Jahr 2012 geschafft, die der Haushaltsausschuss am 8. Februar durchwinken könnte. Ist das der Durchbruch für das lange diskutierte Projekt?

Zehntausende von Autos und Lkw quälen sich auf der B15 täglich durch Rosenheim und seine Anliegergemeinden. Entlastung im Nord-Süd-Verkehr soll die westliche Umfahrung von Rosenheim bringen. Auf einer Länge von elf Kilometern führt die geplante Straße von Pfaffenhofen Richtung Fürstätt, soll das Aicher-Gelände auf einem gewaltigen Brückenbauwerk überqueren und den Schwaiger Kreisel schließlich mit der Autobahn A8 verbinden. Rund 72 Millionen Euro Baukosten sind veranschlagt.

Nach langen Diskussionen und einem fünfjährigen Rechtsstreit besteht seit 2010 Baurecht für das Projekt. Die leeren Kassen des Bundesverkehrsministeriums verhinderten bislang aber den Baubeginn. Doch nun schaut es so aus, als ob es ganz schnell gehen könnte. Ein Spatenstich noch 2012 scheint möglich. Grund dafür ist der Betrag von einer Milliarde Euro, der in diesem Jahr einmalig dem Bundesverkehrsministerium zusätzlich zur Verfügung steht. Für was das Geld tatsächlich ausgegeben wird, entscheidet sich am 8. Februar auf einer Sitzung des Haushaltsausschusses des Bundestags in Berlin.

Auf der Liste steht auch der erste Bauabschnitt der Westumfahrung, wie am Freitag die Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig (CSU) mitteilte. Laut Ludwig sind die Aussichten gut: Dies zeige sich daran, dass es die Neubaumaßnahme überhaupt auf die Liste geschafft hat, meint die CSU-Politikerin und spricht von einem „wichtigen Signal“.

Auch die Rosenheimer Bundestagsabgeordnete Angelika Graf (SPD) begrüßt die positiven Zeichen für Westtangente. „Ich glaube das Ganze allerdings erst, wenn der Haushaltsausschuss grünes Licht gegeben hat und die Bagger anrollen“, so Graf. Die Region warte auf den Spatenstich schon seit 2010, obwohl Bundesverkehrsminister Ramsauer den schnellstmöglichen Baubeginn versprochen habe. „Jetzt muss es losgehen“, so Graf. Die SPD-Abgeordnete fordert weiter einen gleichzeitigen Start von beiden geplanten Bauabschnitten aus.

„Eine erfreuliche Wende“

Damit ist sie sich mit dem Rosenheimer Landrat einig. Josef Neiderhell wurde von den neuen Nachrichten positiv überrascht. Angesichts der engen Finanzen und eigener Erfahrungen bei Gesprächen mit Ministerien gab er zu: „Ich habe es nicht mehr geglaubt.“ Umso erfreulicher sei die Wende, die die Sache nun genommen habe. Neiderhell erinnert an die große Bedeutung, die die Westtangente auch für den Landkreis Rosenheim hat: „Durch sie gewinnen die Gemeinden nördlich von Rosenheim deutlich an Attraktivität als Wohnort, aber auch als Gewerbesitz.“ Von Unternehmen höre man immer wieder, dass sie sich für andere Standorte entschieden hätten, weil sie die Anfahrt durch Rosenheim scheuten.

Erfreut hat auch Schechens Bürgermeister Hans Holzmeier die neuen Nachrichten vernommen. Schechens Ortsteil Pfaffenhofen hat besonders unter dem Autoverkehr zu leiden. Die Bürgerinitiative „B15 raus aus Pfaffenhofen“ wünscht sich den Baubeginn lieber heute als morgen. Holzmeier hofft, dass nach dem ersten Spatenstich an der Autobahn auch zügig der zweite Schritt von Norden her begonnen wird: „Etwas anderes wäre für uns nicht akzeptabel.“

So ganz vertrauen mag Holzmeier auf die guten Nachrichten aus Berlin aber noch nicht: „Ich glaube es erst, wenn ich es schwarz auf weiß sehe.“ Er macht sich Sorgen, ob auch die Folgefinanzierung gesichert ist: „Unser Horrorszenario ist, dass der südliche Abschnitt von der A8 bis zum Schwaiger Kreisel mit Mitteln aus der zusätzlichen Milliarde gebaut wird und dann kein Geld mehr da ist.“ Diese Befürchtung teilt Landrat Neiderhell nicht: „Wenn einmal mit dem Bau begonnen ist, wird auch fertig gebaut“, ist er überzeugt.

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Gespannt auf den 8. Februar wartet auch Peter Kasperczyk, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz: „Noch wissen wir nicht, was die Haushaltssitzung bringt“, meint er. Der Bund Naturschutz hat die juristische Auseinandersetzung um den Bau der Westumgehung zwar verloren, steht dem Projekt aber nach wie vor ablehnend gegenüber: „Der Bau greift extrem in die Landschaft ein, es sind 38 Biotope, verschiedene Wasserläufe und ein FFH-Gebiet berührt.“ Für den Fall, dass tatsächlich gebaut wird, werde man genau darauf achten, wie die Naturschutzmaßnahmen eingehalten werden, kündigt Kasperczyk an. Noch glaubt er nicht, dass die Entscheidung wirklich durch ist: „Mir kommt es so vor, als sollte da Druck auf das Verkehrministerium aufgebaut werden.“

Klaus Kuhn (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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