"Wir haben's einfach verpennt"

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Rott - Eine erregte Diskussion um den Lidl hatten viele im Vorfeld der Rotter Bürgerversammlung erwartet. Die überraschende Nachricht, dass dieser schließt, erstickte die Diskussion dann nahezu im Keim.

Bürgermeister Marinus Schaber gab in seinem Jahresbericht bekannt, dass er am Tag der Bürgerversammlung einen Anruf des Regionalchefs der Lidl-Stiftung erhielt, in dem mitgeteilt wurde, dass der Discounter im Ortszentrum geschlossen werde (wir berichteten) und auch kein Interesse an einem anderen Standort mehr bestehe. "Ich habe immer gehofft, dass genau das nicht kommt", so Schaber. Zumal ein anderer der großen Discounter sicher nicht nach Rott komme, da sowohl Aldi als auch Penny große Märkte in benachbarten Gemeinden hätten.

Was der Wegfall des Discounters für Rott bedeute, lasse sich heute noch nicht genau absehen, Schaber äußerte aber die Befürchtung, dass die kleinen Geschäfte in der Ortsmitte sehr darunter leiden werden: "Wenn die Leut einmal fortfahren zum Einkaufen, sind sie fort".

Max Zangerl senior, der noch als Gemeinderat die ersten Neubau- beziehungsweise Erweiterungswünsche Lidls vor 13 Jahren miterlebt hatte, attestierte Schaber, als Bürgermeister immer versucht zu haben, ein Grundstück für den Discounter zu finden. Eine Firma in der Größenordnung entscheide nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten, "lässt sich von fünf Rotter Gemeinderäten doch nicht das Geschäft diktieren". Da habe offensichtlich eine Gruppe aus Eigeninteresse die Umsiedelung Lidls verhindert, mit dem Erfolg, dass sich der Discounter nun ganz zurückziehe.

Christine Sedlmaier, Gemeinderätin und Mitarbeiterin bei Lidl, schilderte kurz die Befindlichkeit des Personal - das schwankt zwischen rat- und fassungslos - und stellte dann fest, dass 13 Jahre Hin und Her um Erweiterung oder Neubau einfach zu viel gewesen sei, "wir haben's einfach verpennt."

Von seinen Mitbürgern schlicht ausgelacht wurde ein Rotter, der sagte, der Discounter habe immer verhandelt - bis die Bürgerbefragung angesetzt wurde. Deshalb seien SPD und "Bürger für Rott" an der Schließung Schuld.

Ansonsten hatten die Rotter eher Nachfragen und praktische Anregungen als großen Diskussionsbedarf. So war die einzige Frage zum neuen Gemeindekindergarten, ob dieser zumindest teilunterkellert werde. Was Schaber nicht beantworten konnte, denn das sei Sache des Gemeinderates und da sei man noch nicht so weit. Der Bürgermeister wies darauf hin, dass kommende Woche der Notartermin für den Grundstückskauf ist, "die Fertigstellung des Kindergartens bis September 2013 wäre ein Traum."

Einer der Arbeitskreise zur Ortsentwicklung hatte 80 freie Grundstücke in Rott und den angrenzenden Gemeindeteilen gezählt, nach einem Abgleich in der Verwaltung blieben davon noch 65 über. Deren Eigentümer schrieb die Gemeinde an, fragte nach der Verfügbarkeit. 50 Eigentümer antworteten - und nur drei sind laut Schaber bereit, ihre Grundstücke in den nächsten fünf Jahren zu verkaufen. Zangerl senior vermutete, dass es sich bei der Feststellung des Arbeitskreises, in Rott gebe es 80 freie Bauplätze um eine Aussage im Interesse Einzelner handele, nicht aber im Interesse der Bevölkerung.

Da aber auf Nachfrage nur drei Grundstücke als verfügbar angegeben wurden, so Schaber, sei es durchaus sinnvoll gewesen, in Rott-Nord ein Grundstück zu kaufen, das zur Erweiterung des Baugebietes zur Verfügung stehe. Zumal man durch Bauland, auch im Einheimischenmodell, dem weiteren Verlust an Einwohnern entgegenwirken könne.

Ein Rotter wollte wissen, ob die WCs im Erdgeschoss des Gemeindehauses weiterhin gesperrt blieben und man hinaus auf die öffentlichen WCs müsse. Solange der Gemeindekindergarten im Erdgeschoss untergebracht sei, bleibe das so, so Schaber, die Verwaltung prüfe aber bereits, ob nicht im zweiten Stock günstig WCs geschaffen werden könnten.

Angeregt wurde ein "Schaukasten" auf der Internetseite der Gemeinde.

syl/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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