Wort des Tages: "Gemeinsam"

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Geschafft! Pfarrer Pater Karl Wagner, Stiftungsdirektor Wolfgang Slatosch und Architekt Richard Bartley (von links) freuen sich, dass das Großprojekt Brauhaus-Sanierung fast 13 Jahre nach den ersten Planungen nun erfolgreich abgeschlossen ist. Fotos

Attel - "Gemeinsam", das war im Atteler Kirchhof das Wort des gestrigen Tages. Gemeinsam haben die Stiftung Attl und die Pfarrei Attel geplant, was im ehemaligen Brauhaus entstehen soll, gemeinsam wurde die Sanierung finanziert, gemeinsam werden sie das Brauhaus nutzen, gemeinsam wurden der Abschluss der Sanierung und die Einweihung gefeiert.

"Es war wirklich eine Schande, wie es hier ausgeschaut hat" erinnerte sich Prälat Josef Obermaier mit Schaudern. "Aus wirtschaftlicher Sicht wäre ein Abbruch das sinnvollste gewesen", stimmte ihm Architekt Richard Bartley zu. "In den 80er-Jahren hat die Stadt das Brauhaus glücklicherweise an die Stiftung Attl verkauft", schaute Bürgermeister Michael Kölbl schmunzelnd zurück, denn: "Der Kaufpreis war günstig, die Sanierung nicht wirklich." Fast vier Millionen Euro investierten die Stiftung Attl, das Ordinariat und die Landesstiftung für die "vorbildliche und nicht alltägliche" Sanierung, so Kölbl, der als Mitglied des Landesdenkmalrates auch schon ganz andere Erfahrungen gemacht hat und als Bürgermeister einer Stadt, deren Kern unter Ensembleschutz steht, weiß, was für Schwierigkeiten der Denkmalschutz mit sich bringen kann.

Das Brauhaus, Teil des Kirchhofes, stand viele Jahre leer und verfiel vor sich hin. "Der Putz von den Decken fiel in großen Brocken herab - glücklicherweise in der Nacht -, die meisten Trag- und Deckenbalken waren nicht mehr tragfähig und mussten ausgetauscht werden", erinnerte sich Bartley an Überraschungen während der Bauphase.

Geweiht hat Weihbischof Wolfgang Bischof nicht nur das Brauhaus, sondern auch die Kreuze die dort in den Räumen aufgehängt werden.

Die Überlegungen, was mit dem denkmalgeschützten Gebäude geschehen sollte, begannen 1998. Dabei gab es, unabhängig von den Finanzen, zwei wesentlich Probleme: Die schiere Größe und die vielen verschiedenen Ebenen des Brauhauses. "Wir mussten in die Substanz eingreifen, ein neues Treppenhaus und einen Aufzug einbauen, nur so können auch Behinderte dieses Gebäude nutzen", so Bartley. Und die großen Räume im Erdgeschoss, was sollte damit geschehen? Ideal als Pfarrsaal und Jugendräume für die Pfarrei St. Michael, die beides bisher nicht hatte. "Ein wahr gewordener Traum", freute sich Pfarrer Pater Karl Wagner, denn gerade für eine so verstreute Pfarrei - die Pfarrangehörigen kommen aus den politischen Gemeinden Wasserburg, Ramerberg und Edling - seien Begegnungsräume besonders wichtig für ein lebendiges Pfarrleben. Deswegen sei er auch froh, dass die Stiftung nicht darauf bestand, das Projekt allein zu stemmen "und wir schauen in die Röhre". Bei der gemeinsamen Nutzung sei es ihm ein Anliegen, dass sich beide Institutionen, Pfarrei und Stiftung, gegenseitig respektierten.

Fast zehn Jahre vergingen zwischen den ersten Überlegungen und dem Baubeginn am Brauhaus im Herbst 2007, "pünktlich zum Jubiläumsjahr 1200 Jahre Attel", so Kölbl, der daran erinnerte, dass Attel die Keimzelle Wasserburgs war. Und bis heute sei es das Aushängeschild Wasserburgs wenn man aus dem Süden kommt. "Richtig, man sieht das Kloster und freut sich", stimmte ihm der aus dem Süden des Landkreises kommende Landrat Josef Neiderhell zu. Aber nicht nur wegen des imposanten Gebäude, "sondern auch, weil hier eine unglaublich tolle Arbeit für Menschen mit einem gewissen Handicap geleistet wird." Deswegen sei die Stiftung Attl ein "Leuchtturm der Caritas in der Diözese", so Caritasdirektor und Stiftungsratsvorsitzender Prälat Hans Lindenberger.

Steifer Festakt? Nicht in Attel, da wird zwischen den Reden zur Musik des ABM-Orchesters auch gerne mal das Tanzbein geschwungen.

Angesichts der vielen Vorredner warf Stiftungsdirektor Wolfgang Slatosch seine Rede über Bord und äußerte, nachdem immer wieder das Gemeinsame betont worden war, einen Wunsch: "Wir müssen dahin kommen, dass Räume die gebaut oder saniert werden, für alle zu nutzen sind - ob blond oder dunkel, behindert oder nichtbehindert, große oder kleine Nase. Das sollte als Selbstverständlichkeit auf der Bio-Festplatte aller Architekten gespeichert sein." Falls der Weihbischof gedacht hatte, er könne nach dem von ihm zelebrierten Gottesdienst in Ruhe den Rednern lauschen, hatte er sich getäuscht: Die Betreuten hatten offensichtlich Vertrauen zu dem Mann mit den vergnügten Augen, kamen während der Reden immer wieder auf einen Gruß oder einen kleinen Ratsch vorbei. Fast musste sich der Weihbischof zur Weihe des Gebäudes loseisen. Menschen könnten vieles Gutes tun und hätten vieles getan, so Bischof, aber an Gottes Segen sei es gelegen, damit auch künftig alles gut werde. "Und nun, nach einem langen Festakt: Mahlzeit!" so der Bischof schmunzelnd. Die, von Küchenchef Feichtner und Team vorbereitet, ließen sich die Festgäste schmecken, bevor sie das Brauhaus besichtigten und sich dann bei zaghaftem Sonnenschein sowie Kaffee und Kuchen der Frauengemeinschaft über das Gesehene austauschten.

syl/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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