Zensus: Befragung ist Minutensache

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Fehler vom Amt - die Wohnung ist längst verkauft. Online war die Sache schnell erledigt - und das Porto gespart.

Wasserburg - "Viele junge Leute schreiben auf Facebook viel mehr über sich, als wir wissen wollen", stellt Thomas Koch trocken fest. Er ist einer der Befrager der Volkszählung "Zensus 2011".

Zehn Prozent aller Haushalte in Deutschland bekommen derzeit offiziellen Besuch, sind Teil des Zensus 2011. Thomas Koch (Name geändert) ist einer dejenigen, der an fremden Haustüren klingelt. "Ich bin als Vertreter sowieso dauernd bei unbekannten Leuten unterwegs, da habe ich mich einfach auf eine Anzeige gemeldet", erzählt er. Bereut hat er das noch nicht. Auf Ablehnung treffe er kaum, nur eine Person habe die Befragung bisher verweigert. Der trudelt dann in absehbarer Zeit ein Brief von Kerstin Weber ins Haus. Die ist die zuständige Mitarbeiterin des Landratsamtes und weist erstmal alle Verweigerer freundlich darauf hin, dass sie sich befragen lassen müssen. Wenn nicht persönlich, dann im Internet. Denn die Befrager muss man nicht ins Haus oder die Wohnung lassen. Den Fragebogen braucht man aber schon von ihnen, denn nur mit Zugangscode kann man den Bogen online ausfüllen. Wer sich dauerhaft verweigern will, zahlt irgendwann - bis zu 500 Euro Geldbuße sind möglich, von der Befragung freikaufen kann man sich damit aber nicht.

Es werde nach dem Gehalt gefragt, nach der Größe der Wohnung - sagt die Gerüchteküche. Stimmt aber nicht. Ausbildung und Beruf sind zwar Thema, nicht aber das Gehalt. Und die Wohnungsgröße auch nicht. Name, Geburtsdatum, so noch vorhanden Konfession, ob Migrationshintergrund oder nicht - und das war's dann fast schon. In fünf Minuten ist der Bogen ausgefüllt. Wenn man nicht von einem älteren Ehepaar zu Kaffee und Kuchen eingeladen wird, "da war ich dann eine Stunde", erzählt Koch. Größter Knackpunkt, so ist Kochs Erfahrung, ist bei Arbeitslosen die Folgefrage, ob sie arbeitssuchend seien. "Da haben einige offensichtlich Angst, dass die Arge hinterherhakt", hat Koch festgestellt.

Nachfragen zum Zensus gab es auch bei der Stadtverwaltung, obwohl die damit eigentlich gar nichts zu tun hat. "Wir mussten zwar im Rahmen der Sonderbefragung für Betriebe, Heime und ähnliches selber Angaben machen, haben aber mit der Organisation nichts zu tun", so Peter Reinthaler vom Ordnungsamt. Außer, dem einen oder anderen Befrager, der sich nicht auskannte, einen Stadtplan in die Hand zu drücken.

Und ein paar Beschwerden entgegenzunehmen, dass der Befrager einfach vor der Tür stehe. Das tun die meisten auch, aber man muss sie nicht reinlassen, kann den Bogen auch vor der Tür ausfüllen oder nur entgegennehmen. Ausweisen können sie sich alle, Geld oder Bankverbindung will kein Befrager. Koch meldet sich auch an, "die berühmte Frau im Negligée hat aber noch nicht in der Tür gestanden", grinst er. Und wenn es nicht passt, dann kommt Koch ein andernmal vorbei - was besonders häufig bei Haushalten mit nicht deutschsprachigem Hintergrund der Fall ist. "Da heißt es dann 'Nix verstehen, morgen Mann da, kommen wieder' und rums ist die Tür zu", erzählt Koch. Am nächsten Tag ist er wieder da.

Ganz ohne Befrager geht es bei der Gebäude- und Wohnungszählung ab. Jeder Immobilienbesitzer bekommt seinen Fragebogen per Post, kann ihn entweder auf Papier oder online ausfüllen. Es geht den Statistikern darum, wo es Wohnungsmangel gibt, wo Leerstand, wieviele Quadratmeter zum Wohnen zur Verfügung stehen. Das kann bei Stadtplanung oder Ausweisung von Baugebieten wichtig sein. Nach der Höhe der Mieteinnahmen zum Beispiel wird nicht gefragt. Wer zu diesem Fragebogen Fragen hat, dem werden sie unter 0911 / 98208125 beantwortet.

Kann es sein, dass Koch oder ein anderer Befrager nochmal vor der Tür steht? Ja, denn bei einem Prozent der befragten Personen wird zur Qualitätssicherung nochmal nachgefragt. Das trifft aber nur ein Promille der Bevölkerung.

syl/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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