Feuerwehrmann stirbt im Einsatz

Hagelschauer bei uns - Vier Tote in Baden-Württemberg

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Unwetter in Süddeutschland - Braunsbach

Landkreis - Am Samstag wurde unsere Region noch verschont, doch der Deutsche Wetterdienst warnt erneut vor Unwetter auch bei uns. In Baden-Württemberg sind vier Menschen bei den schweren Unwettern ums Leben gekommen.

UPDATE 10.40 Uhr: 13-Jährige vom Zug erfasst und getötet

Wie die Polizei in Aalen am Montag mitteilte, forderte das Unwetter noch ein weiteres Todesopfer. Demnach wurde eine 13-Jährige unter einer Bahnbrücke bei Schorndorf von einem Zug erfasst und getötet. Sie hatte dort Schutz vor dem Regen gesucht. Das Mädchen war am Sonntagabend zusammen mit einem Zwölfjährigen auf dem Heimweg und geriet wohl zu nah an die Gleise. Dem Jungen passierte nichts, er musste aber psychologisch betreut werden.

UPDATE 7.50 Uhr: Schwere Verwüstungen in Bayern

Schwere Unwetter haben mehrere Orte in Bayern verwüstet. Besonders groß sind die Schäden nach Angaben von Polizei und Feuerwehr in Flachslanden und Obernzenn (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim). Dort verwandelten sich in der Nacht zum Montag binnen kurzer Zeit schmale Bäche in reißende Flüsse und überfluteten viele Straßen und Keller, wie der Einsatzleiter Thomas Müller am frühen Montagmorgen berichtete. Erdrutsche blockierten Straßen. Verletzte habe es zum Glück nicht gegeben, sagte der Bürgermeister von Flachslanden, Hans Henninger.

Die größten Schäden registrierte die Feuerwehr im Flachslander Ortsteil Sondernohe. „Das ist ein Ort der Verwüstung“, berichtete ein Feuerwehrmann. Das von den Hängen herabschießende Wasser sei als breiter Strom durch den Ort gerauscht. Die Wassermassen hätten Autos mitgerissen, Verkehrsschilder seien wie Streichhölzer umgeknickt. „In dem Ort hat das Wasser in der Nacht zum Teil bis zu einem Meter hoch gestanden“, sagte der Feuerwehrmann. Im benachbarten Obernzenn, wo die Regenmassen die Zenn über die Ufer treten ließen, wurde neben vielen Häusern auch eine Turnhalle überschwemmt.

Berichten der Ansbacher Rettungsleitstelle, in Flachslanden seien einzelne Häuser einsturzgefährdet, widersprach Einsatzleiter Müller: Wahrscheinlich hätten einige Betroffene in ihren Notrufen ihre Lage dramatischer geschildert als sie tatsächlich gewesen sei. Trotzdem seien die Schäden in drei Ortsteilen von Flachslanden groß. Mehrere Zufahrtsstraßen seien nach Erdrutschen oder Verschmutzungen gesperrt worden. Der Schulbusverkehr wurde aus Sicherheitsgründen eingestellt. Die Kinder haben am Montag schulfrei.

Auch in Ansbach herrschte in einigen Stadtteilen in der Nacht zum Montag der Ausnahmezustand. Auch dort hatten Wassermassen und Hagel Gewässer über die Ufer treten lassen. Noch Stunden später erinnerten einzelne Hagelreste an den Straßenrändern an das Unwetter. Besonders kritisch war die Lage für den Besitzer eines am Hang gelegenen Hauses: Herabstürzende Wassermassen hatten dort einen Erdrutsch ausgelöst. Die Erdmassen drückten gegen die Hauswand. Ein Teil des Schlamms und Gerölls drang in den Keller des Hauses ein, berichtete ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken.

Regen überschwemmt Unterführungen

In Oberbayern traf es laut Polizei etwa die Landkreise Traunstein und Rosenheim. Durch den vielen Regen habe sich stellenweise in Unterführungen das Wasser gesammelt. Heftig waren die Unwetter nach Angaben der Polizei auch in den Landkreisen Neu-Ulm und Günzburg. Dort wurden mehrere Straße und Unterführungen nach starkem und zum Teil hagelartigem Regen überflutet. Bei Illertissen stand das Wasser auf einer Fahrstraße „bis zu 20 Zentimeter hoch“. Es gab mehrere wetterbedingte Einsätze. „Gewitter, Regen, Sturm, Hagel - alles war dabei.“

Ein Unwetter mit starkem Regen und Hagel überschwemmte auch Teile von Ilmenau in Thüringen. Mehrere Straßen wurden überflutet, zahlreiche Keller liefen voll, wie eine Polizeisprecherin in Erfurt sagte. Die Feuerwehr sei im Großeinsatz, vor allem, um Keller leerzupumpen. Menschen kamen nach Polizeiangaben nicht zu Schaden.

UPDATE 6.20 Uhr: Drei Tote in Baden-Württemberg

Die schweren Unwetter, die am Sonntagabend über Süddeutschland gezogen sind, haben in Baden-Württemberg bis zu drei Menschen das Leben gekostet. In Schwäbisch Gmünd kam ein Feuerwehrmann bei einem Rettungseinsatz ums Leben, wie die Stadtverwaltung am frühen Montagmorgen mitteilte. Auch der Mensch, den der Feuerwehrmann bergen wollte, sei "vermutlich" tot. In Weißbach bei Heilbronn ertrank ein Mann in einer vollgelaufenen Tiefgarage.

Die Unglücksstelle am Bahnhof von Schwäbisch Gmünd war am frühen Montagmorgen noch überschwemmt, eine Bergung der dort vermutlich ertrunkenen Person sei deswegen zu gefährlich, teilte die Stadtverwaltung weiter mit. Die Kriminalpolizei nahm Ermittlungen auf. Die Gmünder Feuerwehr zeigt sich erschüttert über den Tod des ehrenamtlichen Feuerwehrmannes.

Das Unwetter über der Ostalb hatte die Pegel der Flüsse Rems und Josefsbach am Nachmittag in kürzester Zeit extrem anschwellen lassen. Die meisten Unterführungen in Schwäbisch Gmünd seien vollgelaufen, teilte die Verwaltung mit. Zahlreiche Fahrzeuge standen komplett im Wasser und die Einsatzkräfte mussten mehrere Menschen aus ihren Fahrzeugen retten. Im Hölltal waren mehrere Gäste für längere Zeit durch die Wassermassen in einer Gaststätte eingeschlossen.

In Weißbach nordöstlich von Heilbronn wurden mehrere Menschen in einer Tiefgarage vom einstürzenden Wasser überrascht, wie die Polizei von Heilbronn auf Nachfrage mitteilte. Ein 60-Jähriger habe es nicht mehr ins Freie geschafft und sei von Tauchern tot geborgen worden. In der Region seien viele Straßen überschwemmt und von Geröll bedeckt. Weitere Menschen seien aber nicht zu Schaden gekommen.

Überschwemmungen nach Unwetter in Baden-Württemberg

Der Deutsche Wetterdienst warnte gegen 04.00 Uhr noch vor Unwettern südlich von Stuttgart und Wiesbaden.Von Nordbayern bis nach Rheinland-Pfalz sei unwetterartiger Regen mit Gewittern möglich.

Allein beim Lagezentrum Ulm waren am Sonntag bis 21.00 Uhr fast 500 Notrufe eingegangen. Viele Ortsdurchfahrten waren wegen Überflutungen gesperrt, teilte die Polizei Ulm mit. Eine Frau sei aus einem Keller befreit und mit Unterkühlung an die Rettungskräfte übergeben worden. Alleine im Landkreis Heidenheim hatte die Feuerwehr um Mitternacht noch hundert Einsatzstellen zu bewältigen.

Meteorologen: Bis zu 100 Liter Regen pro Stunde

Während der nächtlichen Unwetter in Süddeutschland ist stellenweise binnen einer Stunde so viel Regen gefallen wie sonst binnen eines halben Monats. Im bayerischen Hohenthann bei Landshut etwa gingen innerhalb einer Stunde 67 Liter pro Quadratmeter nieder, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am frühen Montagmorgen mitteilte. In Landshut selbst waren es 57 Liter, in der Region um das oberbayerische Weilheim stellenweise 53 Liter pro Stunde. Dies entspreche grob den Regenmengen, die normalerweise binnen zwei Wochen gemessen würden.

Auf der Wetterseite des Meteorologen Jörg Kachelmann war von stellenweise 50 bis 100 Litern die Rede, die in Süddeutschland innerhalb von nur ein bis zwei Stunden gefallen seien. Aus dem baden-württembergischen Laupheim sei ein 100-jähriges Hochwasser gemeldet worden.

Chronologie: Schwere Unwetter der vergangenen Jahre

Januar 2015: Die Orkantiefs „Elon“ und „Felix“ richten in ganz Europa Verwüstungen an und legen vielerorts den Bahnverkehr lahm. Bei Unfällen gibt es Tote und Verletzte - auch in Deutschland.

Juni 2014: Mit Hagel, Starkregen und heftigem Wind hinterlässt Tief „Ela“ vor allem in Nordrhein-Westfalen eine Spur der Verwüstung. Bilanz: Schäden in zweistelliger Millionenhöhe und mehrere Tote.

Dezember 2013: Mindestens zehn Menschen werden europaweit von Orkan „Xaver“ in den Tod gerissen. Hunderttausende sind ohne Strom. Hamburg erlebt die zweithöchste Sturmflut seit Beginn der Aufzeichnungen 1825.

Oktober 2013: Der Orkan „Christian“ knickt in Norddeutschland und Nordeuropa massenhaft Bäume um und deckt Dächer ab. Allein in Deutschland sterben mindestens sieben Menschen.

Februar 2010: Orkantief „Xynthia“ verwüstet Teile Westeuropas. In Deutschland wütet er am heftigsten in Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Sieben Menschen sterben in der Bundesrepublik.

März 2008: „Emma“ wütet über Europa, bundesweit sterben sieben Menschen. In Hamburg entgeht ein Lufthansa-Airbus nur knapp einer Katastrophe, als eine Tragfläche die Landebahn berührt.

Januar 2007: Orkan „Kyrill“ tobt in Europa. 47 Menschen sterben, 11 von ihnen in Deutschland. Erstmals in der Geschichte der Bahn steht der Schienenverkehr fast völlig still.

Juni 2004: Ein Sommersturm über Teilen Deutschlands verursacht Millionenschäden. In Niedersachsen wird ein Autofahrer von einer Eiche erschlagen. Auf dem Chiemsee in Bayern ertrinkt ein Segler.

Juli 2002: Heftige Gewitter und ein Orkan ziehen über Berlin und Brandenburg. Acht Menschen sterben, zwei jugendliche Teilnehmer eines Zeltlagers auf der Insel Schwanenwerder im Wannsee werden von Bäumen erschlagen.

Dezember 1999: Zwei Tage nach Heiligabend fordert der Sturm „Lothar“ in Deutschland und fünf weiteren Ländern 110 Menschenleben. Es entstehen Schäden in Milliardenhöhe.

UPDATE 22.25 Uhr: Wettervorhersage für Montag 

Was erwartet uns nun für den Montag? Laut dem DWD-Wetterbericht für Bayern kann es wieder Unwetter geben.

Am Montag gibt es in Richtung Osten anfangs sonnige Abschnitte. Nachfolgend bilden sich vor allem ab dem Mittag erneut Quellwolken und teils kräftige Schauer und Gewitter mit Unwetterpotential. Die Temperatur steigt auf 23 bis 28 Grad. An der See und im angrenzenden Binnenland sind starke Böen möglich. Auch bei Gewittern muss mit Sturmböen gerechnet werden. 

In der Nacht zum Dienstag fällt bei wechselnder Bewölkung stellenweise noch etwas Regen. Die Temperatur sinkt auf bis 8 Grad an den Alpen.

UPDATE 20.20 Uhr: Blitzeinschlag in Dachstuhl in Holzkirchen

Mehr Infos: 

Niederschlagsradar

In Holzkirchen (Landkreis Miesbach) kam es bei einem heftigen Gewitter zu einem Blitzeinschlag in den Dachstuhl eines Wohnhauses. So entstand gegen 18.50 Uhr dort eine erhebliche Brandgefahr. Die Feuerwehr konnte ein Aufflammen jedoch durch schnelles Eingreifen verhindern. Der Sachschaden wird dennoch auf rund 20.000 Euro geschätzt (Anmerk. d. Red.: ursprünglich meldete die Polizei 20.000 Euro), verletzt wurde niemand. 

Aktuell sind in unserer Region besonders die Landkreise Mühldorf, Altötting und Traunstein betroffen. Die Wetterwarnungen in diesen Gebieten vor schwerem Gewitter mit heftigem Starkregen und Hagel gilt bis 22 Uhr. Noch schlimmer wütet das Unwetter am Abend im angrenzenden Landkreis Landshut und weiten Teilen Niederbayerns, dort gibt es sogar eine Warnung der Stufe 4 vor extremen Unwetter. 

UPDATE 18.15 Uhr: Hagel im Landkreis Rosenheim

Hagelschauer im Landkreis Rosenheim. 

Eine Gewitter- und Regenfront ist bereits über unsere Region gezogen. In Vagen (Gemeinde Feldkirchen-Westerham im Landkreis Rosenheim) gab es nach 17 Uhr auch einen kräftigen Hagelschauer. Jeannette Wolf schickte uns dieses Foto zu. 

Auf der Unwetterkarte des DWD sind unsere Landkreise immer noch orange eingefärbt. Das bedeutet: Mit Gewitter, Starkregen und Hagel ist weiterhin zu rechnen. Derzeit sind in Bayern der Allgäu und Schwaben stärker betroffen vom Unwetter. 

UPDATE 16.50 Uhr: Unwetterwarnung für unsere Region

Der Deutsche Wetterdienst hat eine amtliche Unwetterwarnung vor schwerem Gewitter mit heftigem Starkregen und Hagel für die Landkreise Rosenheim und Traunstein herausgegeben. Diese gilt noch bis 18 Uhr.

Unsere Userin Heidi Gröbler machte gegen 16.30 dieses Bild in Grabenstätt/Winkl (Landkreis Traunstein) und sandte es uns zu. Abgebildet ist der Hochgern, rechts daneben zieht schon die Regenfront heran und man sieht, wie viel Wasser vom Himmel fällt. 

Erstmeldung 15.40 Uhr: Wetterlage am Sonntag und den nächsten Tagen

In Teilen Oberbayerns kamen am Samstag Tischtennisball-große Hagelkörner herunter, während unsere Region davon weitestgehend verschont blieb. Dagegen kam es beispielsweise im Saarland zu starken Überschwemmungen, bereits am Freitagabend erwischte es Hessens Landeshauptstadt Wiesbaden arg. 

Schlagzeilen machte außerdem der Blitzeinschlag im rheinland-pfälzischen Hoppstädten: 35 Menschen wurden bei einem Jugend-Fußballspiel aus heiterem Himmel vom Blitz getroffen. "Auch ein blauer Himmel kann vor einem Blitzschlag nicht schützen, wenn in der Umgebung heftige Gewitter zugange sind", erklärt Diplom-Meteorologe Dominik Jung vom Wetterportal wetter.net.

Wetterexperte Jung hält Unwetter mit Starkregen am Sonntag auch in Bayern für möglich. Wenn bis zu 100 Liter Regen pro Quadratmeter herunterkommen, komme man sich schon so vor, als stecke man "mitten in einer Sinflut", so Jung. So können sich kleine Bäche schnell in reißende Flüsse verwandeln. 

DWD warnt erneut vor starken bzw. schwerem Gewitter in der Region

Aktuell warnt der Deutsche Wetterdienst für unsere Landkreise jedoch "lediglich" vor möglichen Regenmengen zwischen 25 bis 40 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit und rund drei Zentimeter großen Hagelkörnern. Sturmböen bis zu 90 km/h könnten erreicht werden. Für den Abend bzw. in der Nacht zum Montag ist mit einem größeren Starkregengebiet zu rechnen. 

Neben der Möglichkeit von schwerem Gewitter (Stufe 3) bis in die Nacht, warnt der DWD momentan vor starkem Gewitter (Stufe 2) bis 18 Uhr in den Landkreisen von Rosenheim, Mühldorf, Altötting, Traunstein und dem Berchtesgadener Land

In den kommenden Tagen ist laut Dominik Jung weiterhin mit Unwetter und Gewitter zu rechnen. "Die ziehen teilweise extrem langsam weiter und laden ihre Fracht über einen langen Zeitraum über der gleichen Stelle ab. Das ist gefährlich”, warnt der Wetterexperte. Möglicherweise bleibt uns diese schwül-warme Wetterlage sogar bis zum Start der EM am 10. Juni erhalten.

Viele der 80 Millionen Menschen in Deutschland wird es glücklicherweise nicht treffen, aber diejenigen, die es treffe, müssen mit Unwetterschäden rechnen, prognostiziert der Diplom-Meteorologe. Menschen, die sich trotz der Wetterwarnungen bei Meteorologen beschweren, weil es gar nicht geknallt hat, hält Jung für "töricht". Man solle lieber froh sein, wenn einem Unwetterschäden erspart bleiben. 

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Wasserburg

Martina Hunger

Martina Hunger

Google+

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser