Bangkok in Flammen‎ - sechs Tote

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Bangkok - Mit einem massiven Militäreinsatz hat die thailändische Regierung am Mittwoch in einem seit Wochen von oppositionellen Rothemden besetzten Viertel in der Hauptstadt Bangkok durchgegriffen. Bangkok brennt!

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Mindestens sechs Menschen kamen ums Leben, darunter ein italienischer Fotojournalist, als die Armee mit Panzern und Planierraupen gegen die Oppositionellen vorging und das Viertel zunächst wieder unter Regierungskontrolle brachte. Die Demontranten hatten sich seit Mitte März in einem der wichtigsten Geschäftsviertel verschanzt gehalten. Weitere 58 Menschen wurden nach Angaben eines örtlichen Krankenhauses bei dem Militäreinsatz verletzt.

Die Anführer der Rothemden ergaben sich der Polizei, viele ihrer Anhänger reagierten darauf jedoch mit Empörung. Randalierer zogen durch die Straßen und setzten unter anderem Regierungsgebäude, Banken, und Büros einiger Medien in Brand.

Über der Innenstadt Bangkoks stiegen zwischen den Wolkenkratzern riesige Rauchwolken auf. Auch in anderen Provinzen des Landes gingen wütende Rothemden auf die Straßen. Die Regierung verhängte eine Ausgangssperre von 20.00 bis 06.00 Uhr (Ortszeit), Ämter sollen den Rest der Woche geschlossen bleiben.

“Wir sind froh, dass die Proteste zu Ende sind“, sagte Finanzminister Korn Chatikavanij am Abend dem britischen Sender BBC. “Aber das Ganze ist eine Tragödie für Thailand, niemand kann dies als Sieg verbuchen.“ Das Land brauche jetzt dringend einen Versöhnungsprozess.

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Der Armee-Einsatz hatte nach fünf Tagen mit blutigen Straßenkämpfen im Morgengrauen begonnen. Soldaten zogen mit Lautsprechern durch die Straßen und forderten die Rothemden auf, umgehend abzuziehen. In der Umgebung der umkämpften Straßenkreuzungen wurden die Menschen aufgefordert, in den Häusern zu bleiben.

Zu ihnen gehörte auch der deutsche Botschafter Hanns Schumacher, dessen Residenz am Rand einer Kampfzone liegt. Rauchschwaden von brennenden Autoreifen zogen darüber, Gewehrsalven waren deutlich zu hören.

Die Anführer des Oppositionsbündnisses UDD, die am Morgen noch Durchhalteparolen ausgegeben hatten, ergaben sich am Mittag, “um weiteres Blutvergießen zu vermeiden“. Vor der Bühne im Kerngebiet der Demonstranten brachen zahlreiche Anhänger in Tränen aus, es gab laute Buh-Rufe. Die Anführer gaben sich weiterhin kampfbereit. “Wir haben nicht verloren, nur weil wir uns den Behörden stellen“, meinte Jatuporn Prompan. “Wir werden wieder kämpfen.“ Frustrierte Anhänger setzten das Einkaufszentrum “Central World“ und das Siam-Theater in Flammen. Auch an der Börse und beim Fernsehsender Channel 3, dem die Demonstranten einseitige Berichterstattung vorgeworfen hatten, flogen Brandsätze. Die Soldaten nahmen Dutzende Demonstranten fest.

Viele Einwohner Bangkoks verfolgten das Geschehen erschüttert an den Fernsehschirmen. In manchen Bezirken bildeten sich in Supermärkten lange Schlangen, weil sich die Menschen in Erwartung neuer Unruhen mit dem Nötigsten für ein paar Tage eindecken wollten. “Ich habe gehört, es gibt Panikkäufe“, sagte Narinsuda Panthip in einem kleinen Laden im Vorort On Nut. “Ich dachte, dann kaufe ich auch lieber ein, bevor alles weg ist.“

In mehreren Provinzen in Nordosten des Landes zogen Sympathisanten der Rothemden auf die Straße, um gegen den Militäreinsatz zu demonstrieren. In Ubon wurden zwei Demonstranten erschossen, berichtete das thailändische Fernsehen. In einigen Städten wurden öffentliche Einrichtungen in Brand gesteckt. Ein Großteil der Rothemden stammt aus dieser Region. Die meisten sind Anhänger des 2006 gestürzten Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra, den die Regierung für das Schüren der Proteste verantwortlich macht.

Rubriklistenbild: © dpa

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