90 Jahre Haus der Natur

Sonderausstellung: Haus der Natur 1924-1976

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Ausstellungsteam Lindner, Koestering, Hoffmann, Teschler, Winding

Salzburg - Im 90. Jahr seines Bestehens widmet sich eine Sonderausstellung der Geschichte des Museums - vor allem zur Zeit des Nationalsozialismus.

Die Ausstellung schildert die Entwicklung des Museums von den Anfängen als Ornithologische Station über die Gründung des neuen Museums für Naturkunde bis zum Ende der Direktion des Museumsgründers Eduard Paul Tratz. Sie beleuchtet dabei insbesondere die Rolle des Museums während der Zeit des Nationalsozialismus, in der das Haus der Natur in die SS Wissenschaftsorganisation „Das Ahnenerbe" integriert war. 

Beginn im Jahr 1913

Im Jahr 1913 gründete Eduard Paul Tratz die „Ornithologische Station Salzburg“, die im Jahr 1920 um einen Ausstellungsbereich erweitert als „Vogelmuseum“ im Monatsschlösschen Hellbrunn öffentlich zugänglich wurden. Zwei Jahre später präsentierte Tratz den Plan zur Gründung eines Salzburger Naturkundemuseums. Trotz schwieriger wirtschaftlicher Verhältnisse gelang es ihm, die regionale Öffentlichkeit für sein Vorhaben zu mobilisieren. Im Jahr 1924 eröffnete das „Neue Museum für darstellende und angewandte Naturkunde“ in der ehemaligen Hofstallkaserne. Die Ausstellung wurde ständig erweitert, 1937 umfasste sie 23 Abteilungen auf einer Fläche von 3.000 m² und nannte sich erstmals „Haus der Natur“. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Dritte Reich vollzog Tratz eine rasche Anpassung an die neuen politischen Verhältnisse. Am 1. März 1939 erfolgte die Integration des Museums in die SS-Wissenschaftsorganisation unter der Bezeichnung: „Haus der Natur – Die Lehr- und Forschungsstätte für darstellende und angewandte Naturkunde der Forschungs- und Lehrgemeinschaft ‚Das Ahnenerbe‘“.

Das Haus der Natur 1924-1976

Großzügig ausgestattet mit finanziellen und personellen Ressourcen identifizierte sich Tratz in vielfältiger Weise mit den Forschungszielen des „Ahnenerbes“.Er beteiligte sich sowohl an der Enteignung von kirchlichem und jüdischem Besitz als auch an völkerrechtswidrigen Kulturraub-Aktionen in polnischen Museen. Unmittelbar nach dem „Anschluss“ nahm Tratz Änderungen im Schaubreich vor, die der Vermittlung NS-ideologischer Inhalte dienten. Ein von den Änderungen betroffener Saal zeigte biologistisch begründet, „höher-„ und „minderwertigere“ „Menschenrassen“. Mit Raubgut aus Polen und der Ukraine schuf er einen neuen „Eiszeit-Bereich“ rund um ein Wollhaarnashorn. Um den Sprung zum „Weltmuseum“ zu schaffen, wurde ein großer Saal „Kreuz und quer durch die außereuropäische Tierwelt“ eingerichtet. Mit völkerkundlichen Objekten aus der „Deutschen Tibet Expedition Ernst Schäfer“ errichtete er die „Tibetschau“.

Im Dienst des Nationalsozialismus

Als Abteilungsleiter des „Ahnenerbes“ erwies sich Tratz als systemloyaler und anpassungswilliger Opportunist, der sich zu einer Ausrichtung des Museums im Geiste des nationalsozialistischen Naturverständnisses bekannte. Zwischen 1938 und 1945 veröffentlichte Tratz einige Texte, die sich mit den Aufgaben und der Stellung naturwissenschaftlicher Museen im Dienste der NS-Ideologie beschäftigen. In anderen finden sich rassistisch-biologistische Textpassagen, in denen eine Rechtfertigung der Euthanasie anklingt. Tratz distanzierte sich von all diesen Äußerungen nach 1945 nicht.

Das Haus der Natur

Im Juni 1945 wurde Tratz vom amerikanischen Counter Intelligence Corps verhaftet, der in den besetzten Ländern nach Kriegsverbrechern fahndete. Bis August 1947 blieb er in Salzburg Glasenbach interniert. Zu einer Anklageerhebung kam es nicht, auch wurde dem Ansuchen polnischer Behörden um Auslieferung nicht stattgeben. Nach der Internierung von Tratz ernannte man Maximilian Piperek zum neuen Leiter des Museums. Er versuchte das Haus auf humanistische Werte hin auszurichten und in ein Forum der Begegnung und Diskussion zu verwandeln. Rassenideologische Elemente wurden aus der Ausstellung entfernt. Im April 1949, bei der Neukonstitution des „Vereins für angewandte und darstellende Naturkunde“, dem finanziellen Trägerverein, votierte die große Mehrheit der Vereinsmitglieder mit politischer Rückendeckung aller Parteien für die Rückkehr von Tratz.

Gemeinsam mit seinen langjährigen Mitarbeitern brachte Tratz das Haus sofort auf den alten Kurs und knüpfte an seine frühere Sammlungs- und Präparationstätigkeit an. Eine Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit fand nicht statt. Ende 1956 wurde das Museum geschlossen, weil auf dem Areal der Hofstallkaserne ein neues Festspielhaus errichtet werden sollte. 1959 eröffnete das Haus der Natur im ehemaligen Ursulinenkloster neu. Das Museum blieb in seinen Grundzügen bis zum Ende der Direktion Tratz in seinen Grundzügen das alte. Im Jänner 1977 starb E.P. Tratz im Alter von 88 Jahren.

Pressemitteilung Haus der Natur

Quelle: rosenheim24.de

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